Nach tödlicher Jogger-Attacke: Kommen die Bären auch nach Bayern?
München - Ein 26-jähriger Jogger wurde Anfang April in der Trentiner Gemeinde Caldes in einem bei Wanderern und Touristen beliebten Tal (Val di Sole) von einer Bärin attackiert und getötet. Es handelt sich bei ihr um die Schwester des 2006 in Bayern erschossenen "Problembären" Bruno. Der Regionalpräsident von Trentino-Südtirol ordnete daraufhin die Tötung des Tieres an. Doch ein Gericht lehnte ab. Bereits 2020 sollte das Bärenweibchen erlegt werden. Es hatte damals zwei Menschen, einen Vater und seinen Sohn, auf dem Monte Peller angegriffen.
Bär hinter Junge: Video aus Norditalien geht viral
2020 ging ein Video aus Norditalien viral. Zu sehen war, wie ein sehr großer Bär hinter einem zwölfjährigen Buben lief. Das Kind war mit seinem Vater auf einer Bergtour im Nonstal unterwegs, als er dem Bären begegnete. Mit ruhigen Kommandos versuchte der Vater, den Sohn von dem Bären wegzulotsen – was ihm schließlich auch gelang.
Österreichische Behörden registrieren Bären
Drohen solche Szenen diesen Sommer auch in Österreich oder gar in Bayern? In der Gemeinde Brandenberg in Tirol, die an die Gemeinden Kreuth und Rottach-Egern im Kreis Miesbach grenzt, konnten die Tiroler Behörden zweimal genetisch einen Bären nachweisen, nämlich am 6. und am 14. März. "Mitte März wurde – ebenfalls im Gemeindegebiet von Brandenberg – ein Bär von einer Wildkamera fotografiert", teilte eine Sprecherin des Landes Tirols der AZ auf Anfrage mit.
Ob es sich dabei um ein oder mehrere Tiere handelt, ist derzeit noch unklar. Auch das Geschlecht ist noch ungewiss. "Die Genotypisierung erfolgt für Bären zwei Mal jährlich. Ein Ergebnis liegt – sofern die Probenqualität ausreicht – frühestens Mitte des Jahres vor", so die Sprecherin. Bislang seien alle in Tirol nachgewiesenen Bären männlich gewesen.
Wildkamera machte erste Aufnahmen bereits im Juni 2022
Schon im Herbst war in Brandenberg ein Bär durch eine Wildtierkamera nachgewiesen worden. Außerdem sind Medienberichten zufolge 27 Schafe gerissen worden, was für große Unruhe in dem kleinen Ort Brandenberg gesorgt hatte. Schon damals war man sich unsicher, ob es sich um einen oder mehrere Bären handeln könnte.
Im Juli hatten Radfahrer nicht weit entfernt in Langkampfen außerdem einen Bären gesehen, ironischerweise auf einem Forstweg namens Bärenbad. Zudem hatte eine Wildkamera ein Tier schon im Juni aufgenommen, ein Bär konnte zudem genetisch bei einem Schafsriss nachgewiesen werden.

Auch der sogenannte Problembär "Bruno" hatte der Gemeinde Brandenberg 2006 einen Besuch abgestattet, wie aus einem Protokoll des bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) hervorgeht: "Neben dem Haus hat der Bär sieben Hühner und ein Schaf getötet und eine Mülltonne umgeworfen, außerdem hat er in der Nähe zwei Bienenstände besucht und je einen Bienenstock zerstört." Im Laufe des Tages sei der Bär zweimal von einem Hund gestellt worden, heißt es weiter. "Der Bär kann jedoch immer wieder ausbrechen, bevor die Fänger sich nähern können." Bruno wurde kurz darauf erschossen.
Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen registriert letzten Bären im Juli 2022
In der Gemeinde Kreuth, die mitunter unliebsame Erinnerungen an Bruno hat, ist man jedoch entspannt. Dass es im nahen Brandenberg wieder einen oder mehrere Bären gibt, erfährt Bürgermeister Josef Bierschneider erst im Gespräch mit der AZ. Es scheint also, als sei der Bär bislang unauffällig und nicht im Gemeindegebiet unterwegs. Zuletzt war in Bayern am 28. Juli 2022 ein Bär nachgewiesen worden, nämlich im Nachbar-Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Im Mai hielt sich laut LfU ein Tier im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auf.
Vor Beginn der kommenden Almsaison bangen in Tirol nun viele Landwirte um die Sicherheit ihrer Nutztiere, wie eine Sprecherin der Landwirtschaftskammer auf AZ-Anfrage mitteilt. "Die Arbeiten wie Zäune und so weiter sind bald voll im Gange und die Tiere werden bald aufgetrieben." Zwar sei das Almgebiet zwischen Brandenberg und Thiersee sehr weitläufig, trotzdem herrsche nach dem Nachweis eines Großbeutegreifers vor Ort natürlich eine gewisse Unsicherheit. "Auch wenn seither keine Bärenrisse in der Gegend verzeichnet wurden", so die Sprecherin.
Tiroler Bauernbund vertreibt Warnschilder
Viele Landwirte in Bayern wie auch in Tirol fühlen sich sowohl dem Wolf, der sich immer stärker ausbreitet, wie auch gegenüber dem Bären hilflos. Immerhin: Beim Tiroler Bauernbund können Mitglieder für 20 Euro Warnschilder bestellen, "Achtung: In diesem Gebiet sorgen Großraubtiere wie Wolf und Bär für beunruhigtes Weidevieh! Gefahr für Wanderer, Freizeitsportler und Hunde! Besondere Vorsicht erforderlich!", heißt es auf den Schildern.
Was tun bei einer Bärenbegegnung?
Wenn Sie einen Bären sehen, versuchen Sie sich ruhig zu verhalten! Bleiben Sie stehen und machen Sie den Bären durch lautes Reden und Bewegen der Arme auf sich aufmerksam. Rennen Sie nicht weg und versuchen Sie nicht, sich ihm zu nähern. Versuchen Sie, keine drohenden Gesten und unkontrollierten Bewegungen zu machen. Bewerfen Sie den Bären auch nicht mit Gegenständen. Verzichten Sie auf den Bärenschnappschuss, ziehen Sie sich langsam und in Ruhe zurück.
Was sollte man tun, wenn man ein Bärenjunges entdeckt?
Entfernen Sie sich langsam, nähern Sie sich auf keinem Fall dem Bärenjungen! Auch nicht, wenn es verwaist oder neugierig wirkt. Die Mutter ist ziemlich sicher in der Nähe und wird ihr Junges verteidigen.
Hunde gehören an die Leine
Wenn Ihr nicht angeleinter Hund auf einen Bären trifft, wird er diesen möglicherweise zuerst anbellen und dann bei Ihnen Schutz suchen. So führt er den Bären direkt zu Ihnen.
Der Bär richtet sich auf – das ist keine Drohgebärde
Bären richten sich auf, um die Lage zu erkunden und sich einen Überblick zu verschaffen. Dieser Moment eignet sich gut für Menschen, um auf sich aufmerksam zu machen.
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