TSV 1860: "In mir hat es brutal gebrodelt" – Tim Rieder schimpft über Schiri-Aussage zu Frey-Rot
München - Aus is und gar is und schad is dass wahr is: Acht Spiele lange durften die Sechzger auf einer Welle surfen. Acht Spiele lang coachte der neue Trainer Argirios Giannikis sein neues Team niederlagenfrei durch die Dritte Liga. Im neunten Spiel schien sich alles gegen die Giesinger zu verschwören - und es setzte eine denkbar unglückliche Pleite. Der 135 Sekunden zuvor eingewechselte Lucas Röser netzte in der dritten Minute der Nachspielzeit für Ulm ein.
TSV 1860 wird der Führungstreffer aberkannt – Tim Rieder hadert
Der Hiobsbotschaft schon vor dem Spiel, dass Julian Guttau und Max Reinthaler fehlen, folgte kurz vor dem Anpfiff der nächste Schock. "Kilian Ludewig musste sich pausenlos übergeben", informierte Gianniks über plötzlich einsetzende Magen-Darm-Probleme des eigentlichen Startelf-Löwen, der durch Kaan Kurt ersetzt wurde. Prompt musste der Neulöwe selbst nach einer frühen Verwarnung wegen akuter Gelb-Rot-Gefahr vom Feld (29.).
Eine erste unglückliche Löwen-Entscheidung vor dem Ulmer Kasten gab es, als Kapitän Jesper Verlaat nach einer Ecke mustergültig in die Giesinger Lüfte stieg, um den Ball wuchtig einzuköpfen (18.). "Ärgerlich, dass sowas abgepfiffen wird", sagte der Niederländer. Sechser Tim Rieder ergänzte grantig: "Mansour Ouro-Tagba war unser Blockspieler. Er meinte selbst, es war kein Foul, er stand nur im Weg, wie es im Fußball oft vorkommt." Ein weiteres sportliches Manko: Abdenego Nankishi verpasste nach schnellem Solo das 1:0 völlig freistehend (24.). Ulm hatte zwar mehr Ballbesitz, Sechzig aber die bessere Zweikampfquote und die besseren Chancen.
Kein Pfiff vor Frey-Rot? Rieder: Schiedsrichter sah Foul, "aber ich hebe ihm zu früh ab"
Was in der 64. Minute folgte, war der nächste, vielleicht der größte Knackpunkt des Spiels: Marlon Frey räumte, nach einem Angriff der Löwen, Gegenspieler Leo Scienza nach vielen Metern Anlauf mit einer wuchtigen Grätsche ab - und sah glatt Rot. Eine letztlich vertretbare, aber harte Entscheidung, da Frey noch zurückzog, aber eben keine Chance auf den Ball hatte.
Für Sechser-Kollege Tim Rieder ging das Unglück aber schon früher los: "Es war vorher Foulspiel an mir, er trifft mich unten", wie Rieder über einen Zweikampf im Vorfeld des Platzverweises schildert. Er sei danach zu Schiedsrichter Tom Bauer, um sich zu beklagen. "Der Schiri meinte dann zu mir, er weiß, dass es Foulspiel war, aber ich hebe ihm zu früh ab." Rieders Einwand, sich selbst schützen zu wollen, habe der Unparteiische nicht gelten lassen. Rieder über diese Ungerechtigkeit: "In mir hat es brutal gebrodelt."
TSV-1860-Serie zu Ende, aber Jesper Verlaat will "den Kopf nicht hängen lassen"
Diese Wut in den Bäuchen der Blauen, vermischt mit dem Mute der Verzweiflung, führte zu einer dramatischen Schlussphase: 1860 verteidigte mit Mann, Maus und Löwe, Ulm fand keine Mittel. "Du bist einen Mann in Unterzahl, aber verteidigst es aus dem Spiel heraus gut weg", urteilte Verlaat, doch der SSV konnte doch noch den entscheidenden Wirkungstreffer setzen. Rieder frustriert: "Dann kriegst du so ein Sch***-Standardtor!"
"Im ersten Moment sehr, extrem bitter", fand dies Verlaat, er wolle aber "den Kopf nicht hängen lassen." Coach Giannikis befand seine Löwen als "nicht clever genug", weshalb sie letztlich doch als Spatzenfutter endeten - und ein zartes Träumchen platzte.