Nagelsmann kritisiert Ex-Bosse wegen Rauswurf beim FC Bayern: "Hatten nicht das Standing, sich um mich zu kümmern"

Julian Nagelsmann blickt in einem ausführlichen Interview auf seinen Rauswurf beim FC Bayern zurück und übt Kritik an den damaligen Bossen Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic. Der heutige Bundestrainer gibt sich aber auch selbstkritisch.
Bernhard Lackner |
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Julian Nagelsmann und Oliver Kahn.
Julian Nagelsmann und Oliver Kahn. © IMAGO / Sven Simon

München - Es war eine der denkwürdigsten Trainerentlassungen der jüngeren Vergangenheit, die der FC Bayern im März 2023 durchgezogen hat. Während einer Länderspielpause und vor dem Topspiel gegen Borussia Dortmund wurde Julian Nagelsmann, der seinerzeit mit seiner Lebensgefährtin im Skiurlaub weilte, von den damaligen Bossen Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic rausgeworfen – und erfuhr davon aus den Medien.

In einem Interview mit dem "Stern" blickt Nagelsmann nun auf seine Demission vor anderthalb Jahren zurück und übt Kritik an den damaligen Verantwortlichen. "Sagen wir es mal so: Ich habe Fehler gemacht, aber ich glaube, der Klub auch", sagt der 37-Jährige: "Der Klub hätte in der ganzen Thematik für mehr Ruhe sorgen können."

Nagelsmann über Zeit beim FC Bayern: Guardiola und Klopp haben mehr Zeit bekommen

Dabei verweist Nagelsmann auf seine Trainerkollegen Pep Guardiola von Manchester City und Jürgen Klopp, der bis zum Sommer Trainer beim FC Liverpool war. Sie hätten von ihren Vereinen mehrere Jahre Zeit bekommen, um große Titel zu gewinnen. Bei den Bayern werde dieses hingegen "von heute auf morgen" erwartet.

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Als er im Sommer 2021 von RB Leipzig zum Rekordmeister wechselte, habe sich der Klub ohnehin in einem Umbruch befunden. Klub-Patron Uli Hoeneß hatte sich bereits 2019 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, wenig später folgte ihm Vorstandsboss Karl-Hein Rummenigge in den Ruhestand. Kahn und Salihamidzic hätten daher nicht den leichtesten Stand gehabt, was sich auch auf seine Arbeit ausgewirkt habe, meint Nagelsmann.

Nagelsmann: Kahn und Salihamidzic "mussten sich erst mal selbst freischwimmen"

"Ich bin zu einer Zeit gekommen, als der Verein mit Hasan Salihamidžić und Oliver Kahn in der Klubführung in einer Umbruchphase war, und dann stieß ich als junger Trainer hinzu. Ich glaube, dass der Übergang unter diesen Umständen vielleicht ein Tick zu viel war und dass sich Oliver und Brazzo erst mal selbst freischwimmen mussten von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß", so der 37-Jährige.

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Kahn und Salihamidzic hätten "deshalb nicht den Kopf dafür frei" gehabt und "vielleicht auch noch nicht das Standing, um sich viel um mich zu kümmern", sagt Nagelsmann mit Blick auf seine Bayern-Zeit, während der er mangels öffentlicher Präsenz der Verantwortlichen häufig auch zu klubpolitischen Themen Stellung beziehen musste, die eigentlich nicht in seinen Aufgabenbereich als Trainer fielen.

Das hat Nagelsmann nach seiner Bayern-Zeit geändert

Beim DFB, wo er vor gut einem Jahr Hansi Flick als Bundestrainer beerbt hat, spüre er die schützende Hand anderer. Zu Rudi Völler etwa habe er eine enge Beziehung aufgebaut. "Er ist für mich eine Vaterfigur", sagte der 37-Jährige.

Im Interview mit dem "Stern" gab sich Nagelsmann aber auch selbstkritisch. Während seiner Zeit als Vereinstrainer habe er zu häufig Spieler öffentlich kritisiert, gesteht sich der Bundestrainer ein. "Die Kritik kam zwar an, die Spieler hatten die Botschaft verstanden, bloß verbessert hat sich dadurch nichts. Beim DFB mache ich es anders. Ich rede intern sehr klar, aber nach draußen dringt nichts", so der 37-Jährige.

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5 Kommentare
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  • Kintu15 am 19.09.2024 14:24 Uhr / Bewertung:

    Nagelsmann ist schon ein Supertrainer, braucht natürlich. Auch Zeit und Rückhalt. Es freut mich, daß er im Nachhinein durch BM nicht beschädigt wurde. Kintu

  • Münchner Kindl am 18.09.2024 16:55 Uhr / Bewertung:

    Vollste Zustimmung. Das ist auch weniger als Kritik zu verstehen, wie es die Überschrifft suggeriert, sondern eher als eine objektive Analyse.

  • dakaiser am 18.09.2024 15:58 Uhr / Bewertung:

    Er nimmt sich nach wie vor zu wichtig. Das war und ist sein Hauptfehler. Über Kahn und Brazzo brauchen wir nicht reden. Die waren von vorneherein eine Fehlbesetzung, d.h. Fehler von UH. Hainer ebenso. Trotzdem natürlich viel Erfolg mit der Nationalmannschaft!

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