TV-Kritik: So war der "Tatort" aus Leipzig

Zwischen Sado-Partys und Selbsthilfegruppen hält sich die Spannung in engen Grenzen. Der Leipziger Tatort "Frühstück für immer" in der AZ-Kritk.
von  Ponkie
Szene aus dem "Tatort: Frühstück für immer"
Szene aus dem "Tatort: Frühstück für immer"

Zwischen Sado-Partys und Selbsthilfegruppen hält sich die Spannung in engen Grenzen. Der Leipziger Tatort "Frühstück für immer" in der AZ-Kritk.

Der "Tatort"-Krimi als liebesphilosopischer Kummerkasten? Das hätte ja eine gewisse Logik, wenn man bedenkt, dass die meisten Unannemlichkeiten im Leben diejenigen sind, die man sich selber eingebrockt hat. Also merke: Frauen fürchten das Alter wie die Beulenpest und lassen keinen Unfug aus, um dieser Seuche zu entrinnen.

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Das mobilisiert in Singles und Ex-Paaren dauerhafte Ressentiments, und der Tatortkrimi „Frühstück für immer“ (Buch: Katrin Böhling, Regie: Claudia Garde, ARD/MDR) präsentiert sich als Selbsthilfegruppe für abgeschlaffte Beziehungskrüppel, die allmählich entdecken, dass es einigermaßen komfortabel sein könnte, irgendeinen dauerhaft liebenden und zuverlässigen Typen im Hintergrund zu wissen. So ziehen die Leipziger Kommissare Saalfeld & Keppler (Simone Thomalla und Martin Wuttke) auf der Suche nach einem würgenden Frauenmörder ins Milieu eines Single-Clubs, der Sado-Partys für Torschlusspanik-Anwärter inszeniert.

Dass da ein Würger aus Leidenschaft zu heftig wurde, versetzt das Ex-Ehepaar Saalfeld & Keppler in eine abgeklärte Nostalgie-Stimmung, und sie widmen ihren mordverdächtigen Seelenjammerlappen außer ratlosem Kopfschütteln auch eine Portion Mitgefühl.

Fazit: Der Leipziger „Tatort“-Aktivismus als Denkmodell für resignierende Vorruhestands-Libido - da hält sich die Spannung in Grenzen, und allmählich haben wir auch alle psychoanalytischen Nebengeräusche durch.

 

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