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Interne TSV-1860-Mail enthüllt Reisingers Kündigungsplan für Gorenzel und Pfeifer

TSV-1860-Präsident Robert Reisinger wollte den beiden KGaA-Geschäftsführern Günther Gorenzel und Marc-Nicolai Pfeifer bereits vor über einem Jahr kündigen. Die AZ kennt die geheimen Hintergründe.
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Finanz-Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer, der damalige Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel und Präsident Robert Reisinger (v.l.) im September 2022 im Grünwalder Stadion.
Finanz-Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer, der damalige Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel und Präsident Robert Reisinger (v.l.) im September 2022 im Grünwalder Stadion. © sampics

München - Vor ziemlich genau einem Jahr hieß das Geschäftsführer-Duo des TSV 1860 noch Marc-Nicolai Pfeifer (Finanzen) und Günther Gorenzel (Sport). Während Pfeifer (noch) im Amt ist, verließ Gorenzel die Grünwalder Straße bereits im Sommer 2023 auf eigenen Wunsch in Richtung Klagenfurt. Wäre es allerdings nach den Vorstellungen von Löwen-Präsident Robert Reisinger gegangen, hätten die beiden Bosse schon im Januar 2023 ihre Kündigung auf dem Tisch gehabt.

So legt es jedenfalls eine E-Mail nahe, die Reisinger an seine Präsidiumskollegen am 16. Januar 2023 verschickt hat. Diese E-Mail liegt der Abendzeitung vor.

TSV 1860: Präsident Reisinger attackiert Geschäftsführer vor Entlassung von Michael Köllner

Aus dieser Korrespondenz lassen sich Vorgänge rekonstruieren, die die Löwen-Welt eine ganze Weile in Atem hielten und die auch einen intimen Blick auf Machtstrukturen und ein gewisses Führungsverhalten innerhalb der Chefetage des TSV 1860 erlauben. Zum einen geht es dabei um Hintergründe der Entlassung von Ex-Coach Michael Köllner, zum anderen erscheinen dadurch auch die kurz darauf ausgesprochenen Abmahnungen an Pfeifer und Gorenzel in einem neuen Licht.

Bekannt war bislang zum Köllner-Rauswurf, dass Reisingers e.V.-Seite die Trennung unterstützte, ganz im Gegensatz zur Investorenseite, die trotz aller Turbulenzen am damaligen Löwen-Dompteur, der mittlerweile Trainer des FC Ingolstadt ist, hatte festhalten wollen.

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Neu ist Folgendes: Nämlich eine klare Erwartungshaltung des 1860-Präsidenten schon zwei Wochen vor Köllners Freistellung – und damit verbunden, eine Attacke auf das Führungsduo der KGaA. In einer E-Mail an seine beiden Vize-Präsidenten Hans Sitzberger und Heinz Schmidt machte Reisinger seinem Ärger Luft und schilderte klar seine Absichten.

Vorausgeschickt sei, dass dies längst nicht der einzige Vorgang ist, in dem das Präsidium unterschiedliche Auffassungen zu bestimmten Themen vertrat oder vertritt – das ist nach AZ-Informationen zudem schriftlich dokumentiert.

Robert Reisinger über Gorenzel und Pfeifer: "Ich fühle mich von beiden nur noch hintergangen"

Reisinger begann die am 16. Januar 2023, also einen Tag nach seinem 59. Geburtstag, versendete Mitteilung an seine e.V.-Mitstreiter ohne formellen Gruß mit: "Hallo, folgende Mail würde ich gerne noch heute Abend an die beiden Geschäftsführer (Pfeifer und Gorenzel, Anm. d. Red.) senden." Und weiter: "Ich fühle mich von beiden nur noch hintergangen." Wütende Wünsche - ganz offensichtlich hatte sich da ordentlich Brass angestaut.

Der Präsident schildert in der Folge seine an Gorenzel und Pfeifer adressierten Gedanken - beginnend mit dem Österreicher, der im Frühsommer vergangenen Jahres die Flucht in die Wahl-Heimat ergriff. "Es erweckt den Eindruck", schrieb Reisinger, "als würden Sie den Wunsch des Präsidiums, Herrn Köllner zu beurlauben, auf diesem Weg eine Absage erteilen."

Am Samstag zuvor hatte Sechzig das erste Drittliga-Spiel 2023 bei Waldhof Mannheim (1:3) verloren, wodurch der Druck auf den damaligen Coach deutlich gestiegen war. Auch Teile der Fans hatten damals ihren Unmut schon im Stadion geäußert. Reisinger weiter: "Nehmen Sie zu Kenntnis, dass wir es Anbetracht der Situation rund um den Trainer Köllner für besser erachten, die nächsten Spiele ohne Trainer oder mit einem Trainer aus dem NLZ an der Seitenlinie zu bestreiten, als den Status quo zu erhalten."

Ganz so schnell ging es nicht. Köllner durfte mit den Löwen am folgenden Wochenende noch Zwickau (3:1) besiegen, ehe das Duell mit Dresden (1:2) am 30. Januar sein Aus besiegelte. Gorenzel übernahm vier wenig erfolgreiche Spiele lang bis zur Einstellung Maurizio Jacobaccis das Trainer-Amt. Davor lag noch ein demonstrativer Besuch Hasan Ismaiks in München, der ein klares Bekenntnis zu Köllner abgab – es war übrigens der bis heute letzte Abstecher des Investors an die Isar.

Reisinger formulierte im Januar 2023 Kündigungsmails an Günther Gorenzel und Marc-Nicolai Pfeifer

Reisinger übte zuvor in erwähnter Mail nicht nur Kritik, sondern wollte offenbar Gorenzel und Pfeifer auch über die bevorstehende Kündigung informieren. An Gorenzel sollte gehen: "Sehr geehrter Herr Gorenzel, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass ich es mittlerweile bedauere, den Wunsch des Mitgesellschafters, Ihnen die Kündigung zum 30.6.2023 bis 31.12.2022 auszusprechen, nicht nachgekommen bin. Fühlen Sie sich also bereits heute zum 30.6.2024 gekündigt. Selbst wenn der Mitgesellschafter wider Erwarten ihre Tätigkeit nicht zu kündigen wünscht, werden wir diese Kündigung kraft unseres Amts und 50+1 aussprechen und durchsetzen."

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Pfeifer sollte ebenfalls gekündigt werden, allerdings wohl aus einem ganz anderem Hintergrund: "Sehr geehrter Herr Pfeifer, auch Ihnen gegenüber sprechen wir bereits heute die Kündigung zum 30.6.2024 aus. Hätten Sie uns bereits vor dem 31.1.2022 informiert, dass Sie sich an die getroffene Vereinbarung, die Redakteure des sechzger.de an Spieltags-Pressekonferenzen teilnehmen zu lassen, nicht gebunden fühlen, hätten wir die Kündigung bereits zum 31.12.2022 zum 30.6.2023 ausgesprochen."

Veto von Hans Sitzberger und Heinz Schmidt verhinderten Kündigungen von Gorenzel und Pfeifer

Diese Worte legen also nahe, dass seitens Reisinger die Trennung von Pfeifer mit der – formal korrekten – Nichtzulassung eines dem e.V. nahestehenden Fanblogs begründet werden sollte. Weil kein Mitarbeiter von "sechzger.de" einen Presseausweis vorlegen konnte, entsprach der Ausschluss den Drittliga-Statuten des DFB. Diese Entscheidung wurde übrigens, nachdem kurz darauf das entsprechende Dokument vorgelegt werden konnte, wieder aufgehoben.

Die AZ hat Reisinger um eine Stellungnahme zu den Vorgängen gebeten, der Löwen-Präsident wollte sich inhaltlich dazu nicht äußern.

Dass die beiden Geschäftsführer über ihre geplante Kündigung nicht bereits im Januar 2023 informiert wurden, verhinderte nach AZ-Informationen das Veto der beiden Vize-Präsidenten Hans Sitzberger und Heinz Schmidt. Rückblickend entspricht der heutige Status Quo an der Grünwalder Straße jedoch dem, was sich Reisinger ausweislich der Korrespondenz vom Januar 2023 schon vor einem Jahr gewünscht hatte. Gorenzel ist Geschichte, Pfeifer wird es trotz positiver Geschäftszahlen und Unterstützung durch zahlreiche Sponsoren sowie der Investorenseite spätestens zum 30.6.2024 sein.

Der Vertrag von Gorenzel-Nachfolger Christian Werner soll nach AZ-Infos bis Sommer 2025 laufen. Wenn ihn nicht vorher eine E-Mail erreicht.

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  • Kaiser Jannick am 26.01.2024 16:04 Uhr / Bewertung:

    Liebe Foristen-Kollegen,

    man kann immer Sachverhalte kontrovers diskutieren, anderer Meinung sein usw. Dafür ist der Diskussionsbereich ja auch da.

    Aber es sollte immer sachlich, ohne jedwede persönlichen Beleidigungen/Animositäten etc. abgehen.

    Wenn also immer dieselben Foristen meinen, dass es ohne derartige Zusätze wie "e.V-Lemminge", "Reisinger-Anbeter", "VR-Schergen", "GWS-Stinkstiefel" etc. nicht geht, zeigen diese nur, dass sie nicht in der Lage sind, vernünftig mit Argumenten wie Erwachsene zu diskutieren. Insofern sind solche Leute leider diskussionsunfähig.

    Und noch einmal:
    ich sehe RR durchaus kritisch, ich mag ihn persönlich gar nicht, aber er ist zum einen im Vergleich zu HAM das deutlich kleinere Übel und zum anderen ist es in diesem Fall Sitzberger, der den erweiterten E-Mailverteiler (neben den drei Präsidenten) auf seine beiden Firmen-Accounts haben wollte. Also waren die Verteiler RR, Schmidt und drei Mal Sitzberger.

    Ich wünsche uns allen einen Sieg am Sonntag!

  • Kaiser Jannick am 26.01.2024 12:53 Uhr / Bewertung:

    Nein, glaubwürdig ist das insgesamt nicht, was Sitzberger jetzt zu seiner Verteidigung vorbringt. Wie an anderer Stelle schon erwähnt wurde, war er seit Monaten sehr unzufrieden mit der neuen Aufgabenverteilung und über Kreuz mit RR, den er wohl gerne als Präse mit Hilfe von HAM beerbt hätte. Man darf sich nie mit HAM einlassen, q.e.d.

    Denn es liegt auf der Hand, wer für anonym gestreute Gerüchte, rechtswidriger Zuspielung von vertraulichen Infos usw. zuständig sein könnte. Man braucht sich nur die entscheidende Frage: "cui bono", also "wer hat einen Vorteil davon und wem könnte es schaden", stellen.

    Wer hätte also Grund dazu, RR schaden zu wollen? Vize Schmidt wohl kaum, wohl aber weit eher Sitzberger, die Gründe hierfür haben andere Foristen schon erklärt.

    Und wenn schon mal der gesamte 9-köpfige VR sich einig ist und Sitzberger das Vertrauen entzieht, liegen hierfür sicherlich handfeste Gründe vor.

    Schade, dass dieser Maulwurf das bißchen Ruhe seit 2024 bewusst zerstört hat.

  • Soisses1860 am 26.01.2024 13:09 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Kaiser Jannick

    Sitzberger ist der einzige, der glaubwürdig ist!!!! Kein RR, kein VR!!!

    Und nach seiner Schilderung gab es nicht „den“ Maulwurf, sondern wohl RR selbst, der unachtsam große Verteiler wählt.

    Also stell dich den Dingen und verharrr nicht weiter bei der Verbreitung von Fakes, nur weil es möglicherweise dein Weltbild zerstört.

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