Pierre Passé: An sich selbst gescheitert

München - Er kam, sah, verlor – und musste gehen. Pierre Pagé, der Louis van Gaal des Eishockeys, der Mann, der am liebsten Mond, Mars, Saturn und Jupiter von München aus gleichzeitig erkunden wollte, ist nicht mehr Trainer des EHC München, sondern wegbefördert auf den Posten Global Sports Director Hockey im Unternehmen Red Bull.
Zu groß waren Pagés Pläne, zu klein der Erfolg. Die Gründe, warum aus Pierre Pagé nun Pierre Passé wurde.
Sportlicher Erfolg: Pagé durfte schalten und walten und verpflichten, wen er wollte. Das tat er – und dann zwängte er den Spielern ein innovatives System auf, das alles auf den Kopf stellte, was die Spieler bisher praktiziert hatten. Es gab keine festen Positionen, jeder sollte alles spielen. Superstars wie Darren Haydar, eher lauffaul und zweikampfschwach, sollten checken. Der Erfolg blieb aus – das Scheitern in den Preplayoffs war für diese Truppe fast blamabel.
Sein Umgang: Pagé hat einen Hang zu cholerisch-hysterischen Ausbrüchen. Er faltete Superstars vor der Mannschaft zusammen, kanzelte sie damit ab, dass er sagte: Wenn ihr alles richtig gemacht habt, würdet ihr in der NHL spielen. Mit Raubein Sean O’Connor bewegte er sich am Rande einer physischen Auseinandersetzung, der Stürmer wurde ebenso freigestellt wie Jon DiSalvatore. Pagé machte die Spieler öffentlich rund („Urlauber“), musste einen Psychologen und Co-Trainer holen, um den Bruch mit dem Team zu kitten. Das geling nur kurz. Mit seinen Schuldzuweisungen an alle und jeden (wobei er selber nur 25 Prozent Verantwortung übernahm) schuf er eine Anti-Stimmung bei den Fans, Spielern, Mitarbeitern und Gönnern. Am Ende herrschte nur noch das große Schweigen – oder Brüllen. Seine beeindruckenden Eishockey-Visionen fanden keine Zuhörer.
Und so scheiterte Pagé am Ende an sich selbst.