Nach Fährungluück: Haftbefehl für Kapitän beantragt

Zwei Tage nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre "Sewol" mit möglicherweise fast 300 Toten ist für den Kapitän ein Haftbefehl beantragt worden.
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Dramatische Rettungsaktion vor der Küste Südkoreas: Helfer bringen Passagiere von Bord der "Sewol".
AFP PHOTO / South Korea Coast Guard Dramatische Rettungsaktion vor der Küste Südkoreas: Helfer bringen Passagiere von Bord der "Sewol".

Zwei Tage nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre "Sewol" mit möglicherweise fast 300 Toten ist für den Kapitän ein Haftbefehl beantragt worden.

Jindo - Das Ermittlerteam von Polizei und Staatsanwaltschaft habe für drei Besatzungsmitglieder Haftbefehle beantragt, darunter Kapitän Lee Joon Seok, sagte ein Vertreter der Küstenwache am Freitag. Einer der Geretteten, der Vize-Direktor der am meisten betroffenen Oberschule, beging offenbar Selbstmord.

Welche Vorwürfe gegen die drei Besatzungsmitglieder erhoben werden, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Nach den ersten Ermittlungen wurde die Fähre zum Unglückszeitpunkt nicht vom Kapitän, sondern vom dritten Offizier gesteuert. Kapitän Lee habe sich zu diesem Zeitpunkt "hinten" im Schiff befunden, sagte Staatsanwalt Park Jae Eok. Experten vermuten, dass das Schiff auf einen Felsen lief oder eine scharfe Kurve fuhr, wodurch die Ladung – darunter mehr als 150 Autos – verrutschte, was das Schiff zum Kentern brachte.

An Bord der 6825-Tonnen-Fähre waren 475 Menschen, als sie am Mittwochmorgen verunglückte. Der Kapitän und die meisten der 28 Besatzungsmitglieder konnten sich retten. Von Hinterbliebenen wurde inzwischen Kritik laut, dass die Besatzung das sinkende Schiff verlassen habe, während viele Passagiere noch an Bord waren. Bislang konnten nur 179 Insassen der Fähre gerettet werden, 28 Leichen wurden geborgen. Für die am Freitag noch immer 268 Vermissten gab es nur geringe Überlebenschancen.

Tauchteams versuchten am Freitag verzweifelt, Zugang zum Schiffswrack zu finden. Zwei Tauchern sei es gelungen, eine Tür aufzustemmen und in den Frachtbereich der Fähre zu gelangen, sagte ein Vertreter der Küstenwache. Allerdings wurden diese Taucher ebenso wenig fündig wie ein weiteres Zweier-Team, das in die Kabinen gelangte. "Die Sichtbarkeit tendiert gegen Null", sagte einer der Taucher. "Man kann gerade noch seine Hand vor den Augen erkennen."

Unter den Passagieren der Fähre waren mehr als 300 Schüler eine Oberschule in Ansan südlich von Seoul. Ihr Vize-Direktor Kang Min Kyu wurde auf der Insel Jindo an einem Baum hängend gefunden, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Der 52-Jährige war unmittelbar nach dem Unglück gerettet worden, konnte das Unglück aber offenbar seelisch nicht verkraften. "Allein zu überleben, schmerzt zu sehr", schrieb der Pädagoge den Angaben zufolge in einem Abschiedsbrief. "Ich übernehmen die volle Verantwortung, ich habe mich für den Schulausflug eingesetzt."

 

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