Ist nach 20 Jahren Schluss? Dönerladen bei München soll Tram weichen

Seit 20 Jahren betreibt Necmi Pecenek einen Dönerladen in Johanneskirchen. Jetzt soll er wegen einer neuen Tram weichen. Dabei ist unklar, wann die Baustelle beginnt. Das sind die Hintergründe.
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Viele Handwerker holen sich an der Grillstation Johanneskirchen einen Döner in der Mittagspause. Doch womöglich ist es damit bald vorbei.
Viele Handwerker holen sich an der Grillstation Johanneskirchen einen Döner in der Mittagspause. Doch womöglich ist es damit bald vorbei. © Sigi Müller

München – Drei Schreiner mit Metermaß in der Hosentasche und festen Schuhen beißen am Stehtisch in der Sonne in ihren Döner. Einen Tisch weiter sitzt ein Mann in einer dicken Engelbert-Strauss-Jacke vor seinem Döner-Teller mit Pommes. Und in der Schlange vor dem blauen Imbisswagen warten noch ein paar Männer, die Farbspritzer auf ihren Hosen haben. An diesem Montag um kurz nach 12 Uhr ist viel los an der Grillstation in Johanneskirchen, wo es Döner und Hendl gibt und Kaffee für einen Euro.

Jeden Tag kommen zu ihm um die 300 Gäste, sagt Necmi Pecenek. Seit 21 Jahren betreibt er die Grillstation, die ganz am Ende der Johanneskirchner Straße steht. Als er anfing, war Pecenek 20 Jahre alt, ein Jahr zuvor war er aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Heute hat er neun Mitarbeiter, zahle jedes Jahr 60.000 Euro Gewerbesteuer an die Stadt. Und obwohl sein Imbiss gut laufe, obwohl er gerne noch lange weiter machen möchte, ist es womöglich schon Ende des Jahres vorbei. Warum?

Necmi Pecenek betreibt seit über 20 Jahren die Grillstation.
Necmi Pecenek betreibt seit über 20 Jahren die Grillstation. © Sigi Müller

Die Stadt will in der Johanneskirchner Straße bis zum Bahnhof eine Tram-Linie bauen. Die Grillstation steht genau dort, wo die Wendeschleife hin soll. Seinen Vertrag wollen die Stadtwerke deshalb nach Ende Juni nicht mehr verlängern. Sie bieten ihm zwar einen Ersatzstandort an – doch auch da soll Ende des Jahres Schluss sein.

„Klar verstehe ich, dass ich mein Geschäft nicht weiter machen kann, wenn hier eine Baustelle ist“, sagt der 41-Jährige. Allerdings ist fraglich, wann wirklich die Bagger anrollen.

700 Meter Tram sollen 60 Millionen kosten 

Denn zur Tram Johanneskirchen muss man wissen: Beschlossen hat der Stadtrat die Strecke schon 2022. Eigentlich sollte sie ein Teil der Tram-Nordtangente sein, die durch den Englischen Garten und über die Leopoldstraße verlaufen sollte. Doch von diesen Plänen ist inzwischen nichts mehr übrig – außer den 700 Metern von der Cosimastraße bis zum Bahnhof Johanneskirchen.

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Die Stadtwerke hätten eigentlich Ende September 2023 mit dem Bau für diesen Abschnitt beginnen wollen. Damals bereiteten sie schon die ersten Baumfällungen vor. Doch aufgebrachte Anwohner und der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper wandten sich an die Regierung von Oberbayern. Die CSU monierte damals den fehlenden Lärmschutz für die Anwohner – und die hohen Kosten. Die 700 Meter lange Tram-Linie soll nämlich um die 60 Millionen Euro kosten. Und plötzlich stoppte die Regierung von Oberbayern alles. Denn die Stadtwerke hatten keine Genehmigung für die Baustelle.

Es ist offen, wann die Baustelle beginnt

Inzwischen sind fast eineinhalb Jahre vergangen. Doch das Planfeststellungsverfahren ist noch immer nicht beendet. Es gibt also immer noch keine Genehmigung dafür, mit der Baustelle zu beginnen. Laut der Regierung von Oberbayern ist völlig offen, wann das der Fall sein wird.

Bis vor ein paar Tagen durften Behörden und Grundstückseigentümer Einwände gegen das Projekt abgeben. Als Nächstes muss die Regierung von Oberbayern einen Erörterungstermin festsetzen, bei dem alle eingegangenen Stellungnahmen und Einwände geprüft werden.

Die MVG rechnet damit, den Planfeststellungsbeschluss im Herbst 2025 zu erhalten. „Sobald dieser vorliegt, können wir mit den Maßnahmen beginnen“, antwortet ein MVG-Sprecher auf eine Anfrage der AZ. Die Regierung von Oberbayern hingegen will sich nicht festlegen: Wann und wie entschieden werde, sei offen.

"Ich bin denen ein Dorn im Auge"

Trotzdem soll Pecenek seine Grillstation schon Ende Juni abbauen. Warum? „Ich bin denen ein Dorn im Auge“, meint Pecenek. Denn die CSU – und die ist schließlich grundsätzlich gegen die neue Tram-Linie – hat dafür gekämpft, dass Pecenek bleiben darf. Schon damals, kurz bevor die Tram-Baustelle ursprünglich beginnen sollte, drohte seinem Imbiss das Aus.

Insgesamt hat Necmi Pecenek  neun Mitarbeiter - fünf davon haben am Montag dort gearbeitet. Auch ihre Zukunft ist ungewiss.
Insgesamt hat Necmi Pecenek neun Mitarbeiter - fünf davon haben am Montag dort gearbeitet. Auch ihre Zukunft ist ungewiss. © Sigi Müller

Auf einem seiner Tische habe er damals eine Unterschriften-Liste ausgelegt, erzählt Pecenek. Innerhalb eines Monats hätten um die 2000 Menschen unterschrieben. Von der CSU bis zur Linken forderte eine breite Mehrheit im Bogenhausener Bezirksausschuss, dass der Imbiss bleiben soll und dass die Stadt einen Ersatzstandort finden muss. Allerdings hat der nun bloß eine kurze Dauer.

So reagiert die MVG

„Wir konnten unter intensiven Bemühungen dem Imbiss-Betreiber bis Ende des Jahres einen Ersatzstandort anbieten“, schreibt der MVG-Sprecher. Allerdings sei kein längerfristiger Standort für die Grillstation möglich, da die Fläche von den technischen Einrichtungen, den Betriebsanlagen und den Einrichtungen für die Fahrgäste ausgeschöpft sei. Außerdem kündigt der Sprecher an, den Imbiss-Betreiber „bei den Bemühungen um einen längerfristigen Ersatzstandort“ zu unterstützen.

Tatsächlich ist in den Plänen für die Wendeschleife eine Fläche für einen Imbiss eingezeichnet. Allerdings befinde sich diese auf privatrechtlichen Grund, teilten die Stadtwerke Pecenek schriftlich mit. Er müsste „zu einem gegebenen Zeitpunkt“ Gespräche mit den Eigentümern führen. Nur: Wann soll das sein, wenn nicht einmal klar ist, wann die Baustelle beginnt?

Pecenek schaut sich derweil auch nach anderen Standorten um – bisher ohne Erfolg. „Ich will unbedingt in der Gegend bleiben“, sagt er. „Hier sind meine Stammkunden, hier ist mein Zuhause.“ 

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  • JerryH am 14.04.2025 17:49 Uhr / Bewertung:

    Nichts gelernt!! Es gibt nichts besseres als ein Bus.Der braucht im Prinzip nur eine Straße. Keine Schwellen keine Schienen keine Stromleitungen Oberirdisch.
    Wenn ein Unfall oder ein technischer Defekt ist stehen nicht X Züge hinter dem 🚌.
    Sondern die können ausweichen und auch hinzugezogen werden ohne den Schienenwahnsinn den kein Mensch braucht.
    Freilich kann man eigene ggf. zusätzliche Busstraßen wenn die Fläche vorhanden ist bauen. Dass hätte auch für 🚕 Taxis Rettungsdienste , Feuerwehr, Polizei den Vorteil darauf fahren zu können.
    Für eine Stadt gibt's nichts besseres für den ÖPNV und spart Milliarden.
    Strombusse mit Akku 🔋 🔋 🔋 sind genauso einzusetzen wie Gas und Diesel betrieb.
    Aber es wird einfach nicht gewollt wegen der 4 X weil,weil, weil, und wenn es dann noch immer nicht reicht nomoi weil.
    Empfinde den Fehler.!!!

  • kartoffelsalat vor 13 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von JerryH

    Ich empfinde hier reichlich Fehler.

    Eine Tram ist leistungsfähiger, energiesparender, platzsparender, schneller und weniger personalintensiv als so ein Bus.

    Und bevor öffentliche Gelder investiert werden, wird genau diese Vergleichsrechnung gemacht anstatt einfach ein bisserl empfunden.

  • Gelegenheitsleserin vor 7 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von JerryH

    @JerryH
    "Es gibt nichts besseres als ein Bus."

    Sagen Sie das auch noch, wenn Sie mit dem Bus im Stau stehen?

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