Münchenstift-Chef Sigi Benker wird als abartiger Widerling beschimpft
München - Die Kritik von Münchenstift-Chef Sigi Benker an der Aufhebung des coronabedingten Besuchsverbots in Pflegeheimen zum Muttertag hat ihm einen regelrechten Shitstorm in den sozialen Netzwerken eingebracht. "Ich werde seither – neben viel Lob – mit zahllosen unschönen Kommentaren bombardiert", berichtet er der AZ. Kostprobe: Er sei "ein abartiger Widerling, der alte Menschen wegsperren möchte".
Münchenstift: Angehörige dürfen ihre Liebsten besuchen
Dabei machen die neun Alten- und Pflegeheime der Münchenstift, in denen 2.100 Pflegebedürftige leben, bereits seit eineinhalb Wochen das Gegenteil von Wegsperren – beim "Fensterln am Hof". Bei diesem Konzept dürfen Angehörige nach Voranmeldung jeweils eine halbe Stunde ihre Lieben im Heim besuchen.
Die Bewohner sitzen dabei am Fenster der ebenerdigen Cafeteria, an dem – zum Abstandhalten – ein Tisch steht. Draußen stehen die Besucher mit Mundschutz und können sich mit ihren Lieben unterhalten. Im Laimer Alfons-Hofmann-Haus sind auch Besuche draußen am Gartenzaun möglich.
Sigi Benker: "Jeder, der reinkommt, bringt alle in Gefahr"
Kritisiert hatte Benker allerdings, dass die Staatsregierung die Öffnung ausgerechnet zum Muttertagswochenende bestimmt hat – mit der Gefahr, dass Angehörige unkontrollierbar in großer Zahl die Häuser betreten könnten – und die Zimmer der Senioren, von denen viele Hochbetagte zur Corona-Hochrisikogruppe zählen. "Jeder, der rausgeht, und jeder, der reinkommt, bringt alle in Gefahr", sagte er der AZ.
Gestern hat sich auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Benkers Kritik angeschlossen. Landeschef Thomas Beyer sagte der "Augsburger Allgemeinen", man erwarte vom bayerischen Gesundheitsministerium "konkrete Hinweise zur Umsetzung, die bisher fehlen, um Infektionsrisiken zu verhindern".
Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kontert darauf: "Die Alten- und Pflegeheime haben es in der Hand, das Besucheraufkommen durch ihre Konzepte zu steuern."
Nach den Beschlüssen des Kabinetts darf ab Samstag eine "registrierte Kontaktperson oder ein Familienmitglied mit fester Besuchszeit" mit Maske und Mindestabstand seinen Angehörigen besuchen.
Angehörige müssen im Münchenstift einen Besuchstermin vereinbaren
In den Münchenstift-Häusern läuft das so: Man ruft im jeweiligen Haus an, reserviert für einen bestimmten Tag einen 30-Minuten-Termin und trifft sich dann zum Fensterln.
"Damit möglichst viele kommen können, haben wir die Cafeterias und Foyers umgebaut und teilweise auch im Garten zusätzliche 1,50 Meter lange Treffpunkt-Tische aufgebaut", erklärt Sigi Benker. "In jedem Haus können so rund sechs Besucher pro halbe Stunde kommen, das sind an einem Samstag oder Sonntag je nach Haus 70 bis 80 Besucher." Nach dem Muttertagssonntag wird es werktags Besuchszeiten ab dem frühen Nachmittag geben.
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