Krach im Stadtrat: IAA 2023 bleibt wohl auf ganz München verteilt

Die IAA auch 2023 in der Innenstadt abzuhalten, ist laut KVR nicht vertretbar. Allerdings kommt die Stadt aus den Verträgen womöglich nicht mehr heraus.
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Die "Open Spaces" in der Münchner Innenstadt werden wohl auch 2023 wieder für dir IAA genehmigt.
Die "Open Spaces" in der Münchner Innenstadt werden wohl auch 2023 wieder für dir IAA genehmigt. © Andre Spannl

München - Was muss bei der nächsten IAA anders laufen? Diese Frage hatte die AZ dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vor kurzem in einem Interview gestellt. Seine Antwort: Vor allem die Benutzung des öffentlichen Raumes müsse besser geregelt werden. Ob es beim nächsten Mal wieder hohe Gerüste und Tribünen am Odeonsplatz geben solle, stellte der OB damit in Frage.

IAA wird auch 2023 Stände in der Innenstadt haben

Doch es könnte schwer werden, diese Aufbauten bei der nächsten IAA 2023 zu verbieten. Aus geheimen Unterlagen, die der Abendzeitung vorliegen, geht hervor, dass die sogenannten "Open Spaces" eine Voraussetzung dafür waren, dass München den Zuschlag für die Messe 2021, 2023 und 2025 erhielt. Somit müsse der Umfang als auch die Zeitdauer als "gesetzt gelten", schreibt das Wirtschaftsreferat in seiner Stellungnahme. Heißt also: An den Messeständen in der Innenstadt lässt sich nicht rütteln.

Im Münchner Rathaus sorgt das für Streit: Denn das Kreisverwaltungsreferat hält die Innenstadt als Veranstaltungsort für die IAA für "nicht geeignet", heißt es in den Unterlagen. Auflagen wurden Konzernen allerdings kaum gemacht. Nur vor der Feldherrnhalle wurde die Höhe auf 21 Meter begrenzt.

Messe und Wirtschaftsreferat: Vertrag nicht ändern

Zumindest die Messe München würde an diesem Vertragswerk am liebsten nichts ändern. Denn dies hätte "schwerwiegende finanzielle Konsequenzen", schreibt das Unternehmen. Auch das Wirtschaftsreferat rät davon ab, "an den Vertragsgrundlagen zu rütteln". Das heißt: Auch 2023 soll die Autoindustrie in München 56.120 Quadratmeter bekommen - und zwar an den prominentesten Orten der Stadt wie dem dem Odeonsplatz und dem Königsplatz.

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Das Protestcamp auf der Theresienwiese, das bereits heuer lange für eine Genehmigung streiten musste, könnte es 2023 noch schwerer haben.

Kein Protestcamp auf der Theresienwiese mehr?

Auf der Theresienwiese können die Protestler beim nächsten Mal voraussichtlich nicht campieren, so geht es aus den Unterlagen hervor. Denn dann wird dort wieder das Oktoberfest stattfinden - für Protest ist dort dann kein Platz mehr. Doch wo sollen die Aktivisten dann hin? Eine Antwort liefert die Stadt in ihren Unterlagen nicht. Das Kreisverwaltungsreferat äußert jedoch starke Bedenken, ob eine IAA in der Innenstadt 2023 überhaupt machbar ist.

Es sei kaum vertretbar, die Innenstadt so weit zu belegen, dass "Gegenprotest in einem entsprechendem Rahmen faktisch unmöglich gemacht wird", schreibt das Kreisverwaltungsreferat in seiner Stellungnahme.

IAA wird 2023 mit anderen Groß-Events kollidieren

Gleichzeitig warnt die Behörde, dass die IAA 2023 mit anderen Veranstaltungen kollidiert, die heuer wegen Corona ausfielen: etwa das Streetlife Festival und der Corso Leopold, aber auch der Trachten- und Schützenumzug des Oktoberfests. "Insgesamt bleiben für andere Veranstaltungen kaum Örtlichkeiten", so das KVR. Und zwar für einen Zeitraum von drei Wochen - mindestens. Der Königsplatz war heuer Wochen nach der IAA nicht benutzbar, weil der Rasen so sehr beschädigt wurde. Dafür müsse bei der nächsten IAA eine Lösung gefunden werden, fordert das KVR.

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Außerdem warnt das KVR, dass es nicht genug Sicherheitspersonal für all diese Veranstaltungen gibt. Denn neben IAA und Oktoberfest finden dann auch die bayerischen Landtagswahlen statt. Leistbar sei dies nur mit personeller Unterstützung, schreibt das KVR. Denn schon in diesem Jahr absolvierten die Mitarbeiter laut dem KVR viele Überstunden. Ein zweites Mal sei dies nicht vertretbar.

Doch 2023 könnte sich der Aufwand noch einmal erhöhen. Denn das KVR geht davon aus, dass der Protest sich dann über die gesamte Stadt verteilt. Schon heute liegt der Verwaltung für den Zeitraum der IAA 2023 eine Versammlungsanzeige für die gesamte Innenstadt vor, so das KVR.

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19 Kommentare
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  • Der wahre tscharlie am 07.10.2021 16:39 Uhr / Bewertung:

    Besten Dank an unseren MP Söder!
    Zitat: "Nicht das beste Konzept für eine neue IAA hat schließlich den Standortwettbewerb gewonnen, sondern der beste Strippenzieher: Markus Söder."
    Und weiter:
    „Der Ministerpräsident hat sehr engagierte Gespräche geführt“, sagt Klaus Dittrich, Chef der Messe München"

    Und die Stadt München kommt jetzt aus den GEHEIMEN Verträgen nicht raus. Ich möchte nicht wissen, was da alles drin steht.

    Und was glaubt eigentlich die Automobil-Industrie? Dass ihnen die Stadt München gehört? In Riem gibts das Messe-Gelände. Also bleibt gefälligst dort. Dafür wurde es auch gebaut.
    Die öffentlichen Plätze gehören immernoch den Münchner Bürger*innen und nicht der Autoindustrie.

  • Kritischer Beobachter am 07.10.2021 13:41 Uhr / Bewertung:

    Warum müssen eigentlich alle anderen Messen auf dem Messegelände stattfinden, nur die IAA darf die ganze Stadt wochenlang blockieren. Der Königsplatz oder der Odeonsplatz waren ja nicht nur stundenweise gesperrt, sondern die vollen zwei Wochen. Ausgerechnet die rotgrüne Stadtspitze hat so demonstriert, dass das Auto in München weiterhin das privilegierteste Verkehrsmittel bleibt (insbesondere der besonders stromfressende SUV). Nur für eine Automesse werden wichtige Plätze wochenlang gesperrt, dem Fußgänger- und Fahrradverkehr große Umwege zugemutet. Man stelle sich vor, die Ludwigsstraße und die Sonnenstraße wären für den gleichen Zeitraum zu Fahrradstraßen erklärt worden. Schon der Gedanke wäre für die Stadtspitze undenkbar.

  • Der Münchner am 07.10.2021 15:20 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Kritischer Beobachter

    Gesperrt war für Fußgänger und Radfahrer gar nix! Ewas enger war's, aber man hat überall durch gekonnt!

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