Gastro-Kette expandiert in München: Drittes Lokal Block House am Rindermarkt eröffnet

Die Steak-Kette Block House hat ein neues Lokal am Rindermarkt. Die AZ hat mit dem Chef der Block-Gruppe über Rinderzucht in veganen Zeiten und die Lage der Gastronomie gesprochen.
Ruth Frömmer
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Stephan von Bülow (66)  ist persönlich zur offiziellen Eröffnung nach München gekommen. Im neuen Restaurant am Rindermarkt finden 169 Gäste Platz.
Stephan von Bülow (66) ist persönlich zur offiziellen Eröffnung nach München gekommen. Im neuen Restaurant am Rindermarkt finden 169 Gäste Platz. © Daniel von Loeper

München - Viele Jahre betrieb Maredo am Rindermarkt ein Steakhaus, bis die Kette in der Corona-Pandemie Insolvenz anmelden musste. Nun gibt es eine Nachfolgegastronomie. Die Block-Gruppe hat das Lokal übernommen, aufwendig saniert, am Donnerstag eröffnet – und sogar von Domkapitular Hans-Georg Platschek feierlich segnen lassen.

1968 hat Eugen Block in Hamburg das erste Block House, ein Steakhaus nach amerikanischem Vorbild, gegründet. Inzwischen gibt es die Restaurants in ganz Europa. Das Lokal am Rindermarkt ist in Deutschland die Nummer 46 und in München die Nummer drei. Das Konzept: hochwertiges Rindfleisch und in jedem Restaurant die gleiche Speisekarte und Einrichtung. Das klingt fast fad. Die AZ hat versucht herauszufinden, was den Erfolg der Systemgastronomie trotz Krise ausmacht und mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Block House Restaurantbetriebe AG  gesprochen.

Block House expandiert in München: Drittes Restaurant hat eröffnet

AZ: Es gibt schon zwei Block-House-Restaurants in München. Warum noch eines?
STEPHAN VON BÜLOW: Weil die zwei, die wir haben, hervorragend laufen. Da bietet sich ein drittes geradezu an.

Corona, Inflation, Fachkräftemangel: die Zeiten für die Gastronomie sind angespannt. Ist es in der Systemgastronomie anders?
Nein. Wir sind davon genauso betroffen wie andere. Ich finde es schade, dass die Vielfalt in der Gastronomie so zerstört wird. Gerade die kleinen, die nicht die Finanzkraft im Rücken haben, sind gezwungen, aufzugeben. Die Abschaffung der Mehrwertsteuer-Absenkung trifft die Branche sehr massiv.

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Block House: Mehrkosten sollen nur teilweise an den Gast weitergegeben werden

Wie ist Block House durch die Krise gekommen? Mussten Sie Restaurants schließen?
Nein. Wir haben die meisten Mitarbeiter behalten. Aber natürlich hat Corona auch bei uns Spuren hinterlassen. Danach kam der Ukraine-Krieg mit den daraus resultierenden Preissteigerungen. Wir verstehen uns als Gastronomie für jedermann, damit das auch in Zukunft so bleibt, haben wir die Kosten nur teilweise weitergegeben. Aber es ist eine harte, harte Zeit und die ist noch nicht vorbei.

Wie geht ein Steakhaus mit dem Trend Richtung vegane Ernährung um?
Wir kümmern uns um alle Ernährungstrends. Wir stellen fest, dass nur zwei Prozent der Bevölkerung echte Veganer und 15 Prozent Vegetarier sind. Wenn man in die Medien schaut, hat man oft das Gefühl, dass ein Großteil sich nur noch vegan ernährt.

Vegan leben nur zwei Prozent, die meisten sind inzwischen Flexitarier

Also hat sich eigentlich gar nichts verändert?
Was sich massiv verändert hat, sind die Flexitarier, die mal Fleisch, mal Fisch essen und sich bewusst abwechslungsreich ernähren. Das ist das, was wir sagen: Man muss nicht täglich Fleisch essen, das ist gar nicht gesund. Aber wenn man Fleisch isst, dann sollte man darauf achten, wo es herkommt.

Haben Sie in den letzten Jahren Ihr Konzept verändert?
Wir beziehen nach wie vor 95 Prozent unserer Steaks aus Südamerika. Dort stehen die Rinder 365 Tage im Jahr auf der Weide. Tierwohl war für uns das wichtigste Thema, als wir 2014 angefangen haben, unsere eigene Rinderaufzucht in Mecklenburg-Vorpommern aufzubauen. Die Tiere sind ein halbes Jahr auf der Weide. Im Winter stehen sie bei uns im Stall auf Stroh und haben die Möglichkeit rauszugehen. Die Rinder fressen ausschließlich Gras und regionales Futter. Die Kälber bleiben ein halbes Jahr lang beim Muttertier.

Fleisch ist nach wie vor, das, was am meisten bestellt wird.
Fleisch ist nach wie vor, das, was am meisten bestellt wird. © Daniel von Loeper

Block-House-Chef: "Bei uns werden auch Veganer auf der Speisekarte fündig"

Also nichts Veganes auf der Speisekarte?
Doch. Zu uns kommen viele Gruppen. Da ist immer jemand dabei, der sich vegetarisch oder vegan ernährt und der wird auf unserer Speisekarte auch fündig. Aber unser Markenkern ist und bleibt Rindfleisch.

Systemgastronomie steht für Einheitlichkeit. Ist der Gast tatsächlich so berechenbar?
Der Gast weiß, was er bei Block House bekommt. Ob auf Sylt oder Mallorca, bei uns bekommt der Gast genau die hohe Produktqualität und den guten Service wie in all unseren Block House Restaurants. Auch die Einrichtung hat Wiedererkennungswert und das zahlt sich aus.

Teure Mieten in den Innenstädten: Das führt zu einheitlicher Gastronomie

Was entgegnen Sie dem Vorwurf, dass die Individualität in den Innenstädten durch die Systemgastronomie verloren geht?
Es ist in der Tat ein Problem, dass man in einem Einkaufszentrum manchmal gar nicht mehr weiß, in welcher Stadt man ist, weil es überall die gleichen Marken gibt. Das darf uns in der Gastronomie nicht passieren. Wir arbeiten in Verbänden hart daran, dass wir die Vielfalt erhalten. Das Problem: Die Mieten in den Innenstädten sind so teuer und das Investitionsvolumen aufgrund der behördlichen Auflagen extrem hoch. Ein kleiner Gastronom steht vor großen Herausforderungen, um sein eigenes Restaurant zu eröffnen.

Wieviel haben Sie in das neue Block House investiert?
Drei Millionen Euro. Das kann sich ein Start-up-Gründer in der Gastronomie nicht leisten. Deshalb müssen wir mit der Politik daran arbeiten, dass es einfacher wird, eine Gastronomie zu gründen. Bürokratische Auflagen müssen abgeschafft werden. Die sind zum Teil völlig überflüssig, aber extrem teuer.

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Zehn Prozent des Jahresgewinns fließt an Block-House-Mitarbeiter zurück

Was investieren Sie in Ihre Mitarbeiter?
Wir legen großen Wert darauf, eine gute und verlässliche Arbeitgebermarke zu sein und haben eine lange Betriebszugehörigkeit, was in der Gastronomie nicht selbstverständlich ist. Manche sind seit über 30 Jahren bei uns. Zudem binden wir unsere Mitarbeiter in Entscheidungen mit ein, tauschen uns aus und nehmen sie bei Entscheidungen mit. Zehn Prozent unseres Jahresgewinns gehen zurück an die Mitarbeiter. Und Essen und Trinken ist für sie kostenlos.

Andere Systemgastronomien wie McDonald's, Hans im Glück und L'Osteria expandieren gerade massiv. Sie auch?
Nein. Unsere Strategie ist, mit ein bis zwei Restaurants pro Jahr zu wachsen. Wir wollen bedachtes Wachstum. Wenn man 20 Restaurants auf einen Schwung eröffnet, muss man auch das Kapital dafür haben. Das Geld muss man sich ja irgendwo besorgen, sich verschulden. In einer Krise, wie wir sie gerade haben, ist es schwer, die Schulden zu bedienen. Deshalb wachsen wir gesund, organisch und stabil. Die Restaurants, die wir aufmachen, haben wir uns sehr genau ausgesucht.

Das Lokal am Rindermarkt leitet Anthony Jeya-Kumar. Er arbeitet schon seit 35 Jahren bei Block House und kennt die Abläufe genau.
Das Lokal am Rindermarkt leitet Anthony Jeya-Kumar. Er arbeitet schon seit 35 Jahren bei Block House und kennt die Abläufe genau. © Daniel von Loeper

Sparen in der Gastronomie? Bei Block House geben die Münchner pro Kopf mehr aus

Apropos Geld: viele Wirte berichten, dass ihre Lokale zwar gut besucht sind, aber pro Kopf weniger konsumiert wird. Bei Ihnen auch?
Das kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil: der Durchschnitts-Bon ist gestiegen.

Wer geht in einem Block House essen?
Alle. Handwerker, Vorstandsvorsitzende, Kaufleute, Familien, Sportgruppen und Kindergeburtstage. Und das soll auch so bleiben. Deshalb bereitet es uns extreme Kopfschmerzen, dass die Steuersenkung wegfällt. Jetzt stellt sich die Frage: Wie geht man mit den Preisen um? Wir wollen, dass sich alle unsere Gäste auch weiterhin einen Block-House-Besuch leisten können.

Jim Block: Expansionspläne auch für München

Sind die Münchner Gäste anders als die in Hamburg?
In Hamburg sind wir ein Stadtteil-Versorger. Da essen die Leute mittags unser Lunch-Angebot und kommen abends mit der Familie. In München sind wir das Steakhaus, hier essen die Leute die großen Steaks. Deshalb liegt der Durchschnittsbon in München höher als in Hamburg.

Sie betreiben auch die Burger Kette Jim Block. Warum nicht in München?
Block House war bisher immer unser Kerngeschäft und Jim Block lief nebenbei, aber sehr erfolgreich. Die gute Nachricht ist: Wir arbeiten daran, auch nach München zu kommen.

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47 Kommentare
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  • Optimist99 am 29.11.2023 11:07 Uhr / Bewertung:

    @Analyst: Meinen Kommentar NICHT verstanden? Ich suche NICHT nach einer Speisekarte von Block House. Werde dort auch nicht hingehen. Grund:
    Investitionen von 3 Mio. EUR, d.h. bei kalkulatorischem Zinssatz von 4% = 120.000 EUR p.a., Lokalpacht für 500 qm bei (geschätzter) Miete von 50 EUR/qm/Monat = 300.000 EUR p.a., Energie-, Personalkosten (inkl. Üppiger Managergehälter) ….. etc. Da kann man sich ausmalen, welch mickriger Anteil der Restaurantrechnung (Managersprech: „Bon“) auf die Speisezutaten (Fleisch etc.) entfällt. Wer aufs „Ambiente“ & aufs Bedientwerden verzichten kann: Bessere Zutaten im Einzelhandel kaufen, Freunde/innen einladen, selber kochen. Dann reichts auch noch für einen schönen Urlaub in Argentinien zum Steaks vor Ort zu verzehren grinsen

  • Geradeaus-Denker am 29.11.2023 00:32 Uhr / Bewertung:

    Wie unverschämt ist das denn? Alle prophezeien den Weltuntergang der Gastronomie und die eröffnen ein neues Lokal. Ganz schön frech! Deshalb wünsche ich viel Erfolg!

  • Optimist99 am 28.11.2023 19:23 Uhr / Bewertung:

    Gott-sei-Dank, endlich mal eine positive Gastro-Nachricht: eine RestaurantERÖFFNUNG. Wo doch so viele wegen der Rückkehr zur 19%-MWSt aufgeben müssen.
    Ein Bericht über die Qualität der Speisen hätte mich mehr interessiert, als merkwürdige Aussagen eines Managers: Einerseits kritisiert er, dass die Individualität durch die Systemgastronomie (dazu zählt auch Block House) verloren geht („.. dass man in einem Einkaufszentrum manchmal gar nicht mehr weiß, in welcher Stadt man ist, weil es überall die gleichen Marken gibt. Das darf uns in der Gastronomie nicht passieren“), andererseits ist er für eine Restaurantkette tätig, deren Konzept „in jedem Restaurant die gleiche Speisekarte und Einrichtung“. Die Waldabholzungen wegen Rinderzucht in Südamerika lässt er lieber mal unerwähnt. Ebenso den langen, klimaschädlichen Transport.
    Müsste er nicht von (Vegetierenden) Vegetarenden und Flexitarenden reden? grinsen
    Dank an die Kommentierenden für die zahlreichen Fleisch-Zuberreitungshinweise!

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