Landtagswahl 2018: Koalition Freie Wähler und CSU?
München - "Gleich kommt der Einzug der Gladiatoren", raunt es leise durchs Unionsbräu in der Einsteinstraße. Dann betritt Hubert Aiwanger samt Gefolge den Gastraum. Es ist warm und stickig in dem voll besetzten Saal, in dem sich die Anhänger der Freien Wähler gestern Abend zur Wahlparty versammelt haben.
Eben war die Stimmung noch verhalten-schläfrig – die erste Begeisterungswelle ob der guten Zahlen war gerade abgeebbt –, nun macht sich jubelnde Aufbruchsstimmung breit.
"Wir müssen jetzt nur höllisch aufpassen", sagt der Niederbayer
Freie-Wähler-Chef Aiwanger kommt direkt vom Landtag, der nur wenige hundert Meter entfernt ist. "Wir sind mit einem deutlichen zweistelligen Ergebnis dabei", und "wir wollen Bayern davor bewahren, dass irgendwelche schwarz-grünen Spielchen hier Einzug halten", hatte er dort kurz zuvor gesagt.
In seiner Rede im Unionsbräu knüpft er daran an: "Gut, dass es die Freien Wähler gibt. Sonst hätten wir jetzt die Grünen an der Regierung", sagt der Niederbayer. "Wir müssen jetzt nur höllisch aufpassen, dass wir nicht von einem starken Koalitionspartner eingenudelt werden."
Immer wieder klatschen die Anwesenden mit "Bravo"- und "Hubert"-Rufen, mehrere Frauen fallen sich gegenseitig um den Hals. Dabei sind die Freien Wähler solch große Jubelgesten auf Landesebene nicht unbedingt gewöhnt. Sie sind, wie bei den vorherigen Wahlen, voraussichtlich wieder drittstärkste Kraft geworden – doch diesmal imstande, mit der CSU auf die Regierungsbank zu rücken.
Denn Ministerpräsident Markus Söder (CSU) muss sich nach dem krachenden Verlust der absoluten Mehrheit nach einem Koalitionspartner umsehen – und seine klare Priorität ist, wie er am Abend sagt, ein "bürgerliches Bündnis".
Was ganz in Aiwangers Sinne ist: "Wir werden eine vernünftige Politik in Bayern einführen, die sich wirklich um die Alltagsprobleme der Menschen kümmert", so der 47-Jährige zur AZ. Die Freien Wähler machten Politik für die "ganz normalen" Bürger. "Nicht für irgendwelche Lobbyisten, Ideologen oder für irgendwelche Hirngespinste von ,Bavaria One’ bis zu einer Kavallerie, die wir nicht brauchen."
"Wir müssen jetzt nur höllisch aufpassen", sagt der Niederbayer
Allerdings soll es keine Koalition um jeden Preis sein. Das Veto der Freien Wähler benennt Aiwanger ganz klar: keine dritte Startbahn für den Münchner Flughafen. "Wir werden für die nächsten fünf Jahre keine Startbahn akzeptieren", sagt er der AZ. Sollte die CSU daran festhalten, würden die Freien Wähler aus etwaigen Koalitionsverhandlungen wieder aussteigen. Auch gegen die Grünen wollen sie sich nicht ausspielen lassen.
Über Ministerämter will Aiwanger, der Bundesvorsitzender, Landesvorsitzender und Fraktionschef im Landtag in Personalunion ist, am Wahlabend lieber noch nicht sprechen. Wohl aber darüber, was seine Partei im Wahlkampf geleistet hat. Und so sagt der Agraringenieur und zweifache Vater: "Und zum Schluss: Ein dickes Bussi von mir an jeden einzelnen von euch. Ihr seid spitze! Ich bin stolz auf euch!"
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