"Tatort - Zurück ins Licht": Seelische Abgründe und esoterischer Humbug

AZ-Kultkritikerin Ponkie hat sich den neuen Tatort "Zurück ins Licht" angesehen - und war größtenteils angetan. (Achtung: Spoiler!)
Der Einblick in die Frust- und Lustbetten der Ermittler wird bei den Tatort-Autoren zunehmend beliebter. Im neuen Bremer Fall fühlt sich Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) zu der exzentrischen BKA Ermittlerin Linda Selb (Louise Wolfram) magisch hingezogen. Ihre plötzliche unromantisch-
rationale Kinderplanung macht ihn allerdings etwas nervös. Da es Kollegin Selb mit der Treue nicht so genau nimmt, vögelt Stedefreund die Männer-verschlingende Hauptverdächtige in der freien Natur - Kommissare sind auch nur Menschen.
Ein abgetrennter Finger in einem Auto voller Blutspuren führt die Hauptkommissare Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund zu Maria Voss (Nadeshda Brennicke), deren Ex-Chef spurlos verschwunden ist (Regie: Florian Baxmeyer, Buch: Christian Jeltsch und Olaf Kraemer).
Nach einem schweren Autounfall lernt Maria mit unmenschlicher Willenskraft wieder zu laufen und kehrt "zurück ins Licht". In ihrem esoterischen Teelicht-Trophäenzimmer, wo sie ihre gefälschten Zeugnisse und übergroße Erfolgstafeln aufbewahrt, baut sie sich eine imaginäre Erfolgskarriere auf. Um in der Männerwelt die Beste zu sein, kämpft sie sich mit ihrer Schmollmund-Anmache und einiger schräger Betrugspolitik in die Chef-Etage eines Pharmaunternehmens.
Als Stedefreund merkt, dass ihr übersteigerter Narzissmus ein schwerer Psychose-Dachschaden ist, bricht das Lebenslügen-Kartenhaus der perfekten Scheinwelt langsam in sich zusammen und endet mit dem Suizid der Mörderin - ein intelligenter Einblick in die Abgründe der Karrieremenschen-Seele, theatralisch mit viel esoterischem Humbug. Stedefreund reicht es erst einmal mit den starken Frauen - er bleibt solo.