"Tatort: Unsichtbar" aus Dresden in der AZ-Kritik: Verzweigt und Verzwackt
Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung des Dresden-"Tatort: Unsichtbar". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 17.10.2021, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).
Hier kommt ein bisschen viel zusammen: Der Sohn (Alessandro Schuster) der Dresdener Kriminaloberkommissarin Gorniak (Karin Hanczewski) pubertiert wie die Hölle, so dass man sich fragt, warum die entnervte Mutter zum Abreagieren in einen Profi-Wutraum geht, um mit einem Baseballschläger auf bereitgestellte Gegenstände einzukloppen, statt einfach - zweifacher Effekt mit einfachem Einsatz - daheim die Kinderzimmereinrichtung kleinzuhauen. (Irgendwann erfahren wir: Wutraum muss sein, um der Täterin auf die Spur zu kommen!)
Dann fängt im Team ein junger neuer Gerichtsmediziner (Ron Helbig) an, der bei Kripo-Chef Schnabel (Martin Brambach) einen ähnlich schweren Einstand hat wie Ben Whishaw als neuer Waffenmeister M bei James Bond. Aber bald finden ihn alle prima, weil er offenbar kompetent ist und hilft, die Vergiftung einer Kollegin aufzuhalten.
"Tatort" aus Dresden: So richtig spannend wird es nicht
Die eigentliche Aufmerksamkeit soll natürlich dem eigentlichen Fall zukommen, aber der ist arg verzweigt und verzwackt, so dass diverse Menschen sterben oder verdächtig sein müssen, bei denen man sich fragt, warum sie überhaupt vorkommen. Denn so richtig spannend machen sie diesen ganzen Krimi (Buch: Michael Comtesse, Regie: Sebastian Marka) um eine späte Rache auch nicht. Wenn man das Drehbuch-Gestrüpp lichtet, zeigt sich: Es geht diesmal um Karin Gorniaks Vergangenheit.
Die Waffe jedenfalls sind Nano-Bots, und wie immer, wenn irgendwas mit Nano vorkommt, freuen sich die Ausstatter am Set, weil sie nichts zu tun haben: Diese Kleinstpartikel kann man eh nicht zeigen, also kann der Kommissar mit einem stinknormalen Hemd herumwedeln und sagen: Da sind Nano-Dings drauf, untersucht das mal, Kollegen.
Sehr praktisch beim Filmen, für den Zuschauer aber ein bisschen langweilig. Und hätte man die Handlung mehr auf den Gorniak-Teil zugeschnitten, hätte man die Psychologie der Tat mehr beleuchten können.
Dann aber hätten wir die zwei Liebhaber der ersten Toten nicht getroffen, die beiden wohl größten Schluffis der jüngeren Krimigeschichte.
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