Abdoulaye Ba, die neue Identifikationsfigur beim TSV 1860
Neuzugang Abdoulaye Ba ist bereits ein absoluter Leistungsträger bei 1860, doch bisher hat ihn der Verein nur ausgeliehen. Der Senegalese hofft, dass er in München endlich ein sportliches Zuhause findet.
München - Der Löwe ist für Abdoulaye Ba ein ewiger Wegbegleiter. Sieben Länderspiele hat der 1,97-Meter-Mann für die "Löwen von Teranga" absolviert. So wird die senegalesische Nationalmannschaft genannt. Das Konterfei eines Löwen ist nicht zuletzt Teil des Emblems der "Fédération Sénégalaise de Football", des Fußballverbands des westafrikanischen Landes.
Ein Rückblick: In der Winterpause erklärte 1860-Investor Hasan Ismaik, "echte Löwen" geholt zu haben. Unter den Neuen: Abdoulaye Ba. Keine Frage, der jordanische Geldgeber, der gesamte Klub brauchen nach Jahren der Tristesse wieder Spieler, mit denen sich die Fans identifizieren können.
Ba mit einem Liebesbekenntnis
Abdoulaye Ba ist wie geschaffen für dieses Kriterium. Der 26-Jährige beweist Gespür dafür, den Fans zu signalisieren, dass er einer von ihnen sein will. Exemplarisch der Jubel beim Sieg gegen die Würzburger Kickers (2:1). Ba hatte gerade willensstark das 1:0 eingeköpft. Seine Kollegen waren schon auf dem Weg in Richtung Mittelkreis, da stand der Torschütze noch immer vor der Nordkurve. Er machte ein, zwei Schritte auf die Ränge zu, riss plötzlich mit beiden Händen das Löwen-Emblem auf seinem Trikot in die Höhe.
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Es war ein Liebesbekenntnis, wie es den Sechzig-Fans lange nicht entgegengebracht wurde. Eine Story wie gemacht für Sozialromantiker. Doch es steckt auch Pragmatismus dahinter. Denn: Ba ist bislang nur bis Saisonende ausgeliehen. Zwar haben sich die Giesinger eine Kaufoption gesichert, doch die Neuen Christian Gytkjaer, Amilton und Frank Boya wurden eben fest verpflichtet. Dabei will Ba nach einer schier endlosen Odyssee endlich ankommen.
Der TSV 1860 ist seine siebte Leihspielerstation
Der Löwe will endlich eine neue Heimat finden. Schon unmittelbar nach seiner Ankunft in Giesing hatte der Verteidiger der AZ erklärt, dass er hier lange bleiben wolle. Keine Selbstverständlichkeit: Schließlich ist er von Champions-League-Teilnehmer FC Porto ausgeliehen. Ist die 2. Liga da kein persönlicher Abstieg? Im Gegenteil! 2010 kam Ba aus der Jugend zu den Profis des FC Porto, den Durchbruch schaffte er nie, wurde sage und schreibe sechs Mal ausgeliehen. Der TSV 1860 ist seine siebte Station als Leihspieler. Geht es nach ihm, soll es seine vorerst letzte bleiben.
Bei den Löwen-Fans ist er als Leader längst akzeptiert – und auch bei den Mitspielern. "Er hat eine super Ausstrahlung, spielt den Ball auch unter Druck hinten raus. Mit seiner Kopfballstärke ist er enorm wichtig für uns", sagte Michael Liendl: "Er strahlt was Positives aus, das überträgt sich auf die Mannschaft. Er ist ein wichtiger Eckpfeiler." Er versuche immer, zu pushen, meinte Maximilian Wittek. "Beim 1:0 hat man gesehen, dass er das Tor unbedingt wollte, wie er sich da hochschraubt."
Der Vertrag fehlt
Es war nicht die einzig bemerkenswerte Szene. Einmal stand Ba – die Sechzger waren gerade im Spielaufbau – zwischen Keeper Stefan Ortega, Sebastian Boenisch und Lumor, dem etliche Stockfehler und Fehlpässe unterliefen. Energisch machte er allen eine Ansage. Sie akzeptierten. Es dürfte sinnbildlich für sein Standing sein. "Wir haben die Aufgabe, diesen Verein wieder dahinzuführen, wo er hingehört. Das werden wir gemeinsam schaffen", meinte Sechzig-Coach Vitor Pereira auf Nachfrage der AZ. Kein Zweifel: Ba ist sein Vertrauensmann auf dem Platz, der Boss bei der Mission Bundesliga. Jetzt fehlt nur noch ein Vertrag, damit die Liebesbeziehung von Dauer ist.