Skateboard: Tyler Edtmayer hat bei Olympia-Debüt mit Handicaps zu kämpfen
Ein Olympia-Teilnehmer aus Lenggries? Ja, und? Gab's doch schon tausend Mal, na ja, wenigstens fast.
All die Gergs und Ertls haben dem kleinen Ort zu Füßen des Braunecks über Jahre hinweg olympisches Edelmetall beschert - im Winter. Nun aber kommt erstmals ein Sommer-Olympionike aus dem "Dorf der Weltmeister" beim Ringe-Sportfest zum Einsatz: Tyler Edtmayer, 20, seines Zeichens Skateboarder.
Skateboarding ist erstmals olympische Disziplin
Erstmals ist die Akrobatik auf dem schmalen Brett mit den vier Rollen in Tokio olympische Disziplin. Ähnlich wie vor Jahren beim Snowboarden sind auch in der Szene die Meinungen zum Thema Olympia gespalten.
Manche sagen "Skateboarding gehört auf die Straße", andere finden "Skateboarding ist kein Sport", und wieder andere glauben: "Im Skateboarding gibt es keinen Besten oder die Beste."
Skateboard-Legende Tony Hawk spricht von einer Win-Win-Situation
Viele fürchten, dass dem Skateboarden durch die Maschine Olympia etwas genommen wird. Andere argumentieren, dass dem Sport eine riesige Bühne geboten wird. Skater-Legende Tony Hawk spricht von einer Win-Win-Situation: "Es ist nicht nur eine einzigartige Möglichkeit für unseren Sport, sondern auch für die Spiele."
Es gibt auch Kritiker
Titus Dittmann, der Vater der deutschen Skateboard-Szene, steht der Sache etwas kritischer gegenüber. "Skateboarding braucht kein Olympia, aber Olympia braucht Skateboarding. Die Spiele sind alt geworden und Skateboarden gilt als zeitgeistig, als Lifestyle. Aber Olympia ist unaufhaltbar. Es wird uns nicht die Straße nehmen, wir müssen uns nicht im Skateboard-Verein anmelden und dürfen auch weiter zum Spaß skateboarden", sagt Dittmann: "Für die, die gerne Contests fahren und sich auf einer professionellen, sportlichen Ebene vermarkten möchten, ist Olympia ein Segen und die ideale Plattform sich und sein Skaten der weiten Welt zu zeigen."
Wenige Trainingsmöglichkeiten in der Region
Genau das wird Edtmayer tun. Der Blondschopf ist in Kalifornien geboren, Redondo Beach, vor den Toren Los Angeles'. Dort stand Klein-Tyler schon mit drei auf dem Skateboard. Zurück in Lenggries ist die Begeisterung für das Brett geblieben, nur gibt es in deutschen Landen aber praktisch keine Infrastruktur in Form von Skate-Parks.
Jahrelang chauffiert ihn Mama Amy deshalb über den Achenpass nach Innsbruck und später nach Brixlegg im Alpachtal, zu den einzigen adäquaten Trainingsmöglichkeiten für einen angehenden Skate-Profi. Denn dieses Ziel hat Tyler schon lange fest im Blick. Als er 17 ist und dank begleitenden Fahrens selbst Auto fahren darf, setzt sich die über 80-jährige Oma auf den Beifahrersitz - alles für Olympia.
Leberblutungen nach Skate-Sturz
"Er ist ein Wettkampf-Typ, war immer schon total ehrgeizig", sagt Mutter Amy über ihn, "aber erst mit zwölf haben wir gecheckt, wie gut er ist!" Mit 13 schafft Tyler seinen ersten McTwist, einen absurd gefährlichen Trick über knüppelhartem Beton.
In Schweden landete er mal mit Leberblutung im Krankenhaus, nachdem er sich bei einem Sprung den Ellbogen in den Magen gerammt hat. Ohne Schmerzen ist dieser Sport einfach nicht zu haben.
Trotz gebrochenem Arm: Edtmayer tritt an
Das bekam er auch bei einem Trainingsunfall in Tokio zu spüren. Er brach sich den Arm und tritt nun mit Bandage an. "Nicht mitzufahren, kam nicht infrage", sagt er, der für Olympia zuletzt sogar das Abitur hintanstellte.
Die Verletzung beeinträchtige "schon hart. Ich darf auf keinen Fall noch mal drauffallen", sagte Edtmayer, der erklärte, dass er durch die Verletzung "ganz anders auf dem Skateboard" stehe. Einfache Tricks seien nun "relativ schwer". Er sagt: "Jetzt ist dabei sein doch alles."
- Themen:
- Sport