WM ohne Drogba und Ferdinand - Italien außer Form

Hamburg (dpa) - Schock für England und die Elfenbeinküste: In Abwehr-Stratege Rio Ferdinand und Stürmer-Star Didier Drogba fallen bei beiden Mitfavoriten die Kapitäne für die Fußball-WM verletzt aus.
Eine Woche vor dem ersten Anstoß in Südafrika zog sich Afrikas Spieler des Jahres Drogba beim 2:0-Erfolg der Ivorer im Test gegen Japan einen Ellbogenbruch zu und kann nach eigenen Angaben nicht am Turnier teilnehmen. Ferdinand verletzte sich im Training am linken Knie und verließ das Krankenhaus in Rustenburg nach einer Untersuchung auf Krücken. Wie Trainer Fabio Capello bestätigte, ist der Einsatz des 31 Jahre alten Innenverteidigers von Manchester United in Südafrika unmöglich.
In Drogba fällt bereits der dritte Chelsea-Profi nach Michael Ballack und dem Ghanaer Mickael Essien für die Weltmeisterschaft aus. Der 32 Jahre alte Torjäger der Elfenbeinküste zog sich die Verletzung nach einem Zweikampf in der 18. Minute zu und wurde nach seiner Auswechslung umgehend ins Krankenhaus gebracht. «Er sagte mir: Der World Cup ist vorbei», sagte Teamkamerad Kolo Touré. Drogba hatte in der abgelaufenen Saison 29 Tore in der Premier League erzielt.
Sein Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson hat die Hoffnung auf eine Wunderheilung indes noch nicht aufgegeben. Drogbas WM-Teilnahme sei «immer noch eine Möglichkeit». «Natürlich mache ich mir jetzt Sorgen. Er ist unser Kapitän und einer der besten Spieler der Welt», sagte der Schwede.
Das Malheur von Ferdinand passierte bei einem Tackling seines Mitspielers Emile Heskey kurz vor dem Ende der ersten Trainingseinheit der «Three Lions» im südafrikanischen Royal Bafokeng Sports Campus. Capello nominierte Michael Dawson von Tottenham nach. Das Amt des Kapitäns wird Steven Gerrard übernehmen.
Sportliche Sorgen plagen auch den Welt- und Europameister. Während sich das deutsche Team von Joachim Löw nach dem 3:1 gegen Bosnien über die letzten freien Tage vor dem Start ins Abenteuer WM freute, rätseln die Fans in Italien und Spanien über die Form ihre Mannschaften. Die «Azzurri» verloren ein Testspiel in Brüssel gegen Mexiko mit 1:2, Spaniens «seleccion» sah beim mühsamen 1:0 gegen Südkorea in Innsbruck kaum besser aus.
Deutschlands Vorrundengegner absolvieren noch ihre WM-Generalproben. Australien, am 13. Juni in Durban erster Kontrahent für Löw und Co, probt gegen die USA den Ernstfall. Bei seinem Länderspiel-Debüt für Ghana will sich Kevin-Prince Boateng für die Startelf empfehlen - und Serbien sucht gegen Kamerun verzweifelt nach seiner Form. Gegen Neuseeland (0:1) und Polen (0:0) erwies sich zuvor die Abteilung Attacke der Balkan-Kicker als ausgesprochen harmlos.
Besser stehen die Vorzeichen bei den «Socceroos», die sich nach Erfolgen gegen Neuseeland (2:1) und Dänemark (1:0) gegen die USA in Roodepoort den Feinschliff holen wollen. Fehlen wird zwar noch Harry Kewell, der Stürmerstar scheint nach überstandener Leistenverletzung aber fit für die WM zu sein. Gegen Lettland möchte Kevin-Prince Boateng sein Debüt für Ghana geben. «Er wird vermutlich von Beginn an dabei sein», versprach Coach Milovan Rajevac. Mit seinem Foul im englischen Pokalfinale hatte Boateng DFB-Kapitän Michael Ballack um die WM-Teilnahme gebracht.
«Quo vadis Italia?», fragen sich derweil die Tifosi. Zehn Tage vor seinem WM-Auftaktspiel in Kapstadt gegen Paraguay weiß der Titelverteidiger noch immer nicht, wo er steht. «Ich hatte schon gedacht, wir wären etwas weiter», räumte Trainer Marcello Lippi nach der ersten Niederlage gegen Mexiko ein. Gleichzeitig bemühte sich der Weltmeistermacher aber um Gelassenheit: «In ein paar Wochen müssen wir in Top-Form sein, und das werden wir auch.» Leonardo Bonucci (89.) konnte für den Favoriten nur noch den Ehrentreffer erzielen. Im letzten WM-Test in Genf gegen Ottmar Hitzfelds Schweizer erhofft sich Lippi eine klare Steigerung.
Auch die hoch gehandelten Spanier sind in der jetzigen Verfassung nicht unbedingt ein WM-Titelkandidat. Erst ein Traumtor von Jesús Navas vier Minuten vor Schluss bescherte dem Team von Vicente del Bosque den schmeichelhaften Erfolg gegen Südkorea. Schon beim 3:2 gegen Saudi-Arabien war das Team nur knapp an einer Blamage vorbeigeschrammt. «Die letzten beiden Spiele waren nicht gerade blendend, aber die Mannschaft gewinnt trotzdem», urteilte das Fachblatt «Marca».