Musikparty zum WM-Auftakt
Johannesburg (dpa) - Südafrikas Charme-Offensive für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 setzt musikalisch auf einen bunten Mix der Stile. Zum feierlichen WM-Auftakt werden internationale Stars wie R.Kelly gemeinsam mit nationalen Musikern für Stimmung sorgen.
Der Kap-Staat hat eine reiche musikalische Tradition, die nicht nur Klassiker wie «The lion sleeps tonight» hervorbrachte, sondern auch Welthits wie «Patta Patta» (Miriam Makeba) oder «Asibonanga» (Johnny Clegg, «der weiße Zulu»). Musiker wie Hugh Masekela oder Abdullah Ibrahim werden international in der Jazz-Szene gefeiert - kein Wunder, war doch der Jazz in Südafrika, was der Rock 'n Roll in Europa war.
Waren es nach der demokratischen Wende dann eher die hämmernden Kwaito-Rhythmen, die aus den Townships nach Europa drangen, so brechen sich seit mehreren Jahren mit Musikern wie Simphiwe Dana oder Lira vom Jazz inspirierte Pop-Melodien Bahn. Frischen Wind in die Musikszene ihrer Heimat brachte damals auch die siebenköpfige Kapstädter Band «Freshlyground», die ihr jüngstes Album «Radio Africa» gerade auf den Markt brachte. Sie sollte gemeinsam mit dem Super-Star Shakira beim WM-Auftaktkonzert einem Milliardenpublikum einheizen - unter anderem mit dem WM-Song «Waka Waka».
Vor einigen Jahren klang ihr Sommer-Hit «Doo-bee-doo-bee» Südafrika-Touristen, Township-Bewohnern und Bergwerks-Managern monatelang in den Ohren. Schon beim Eröffnungskonzert für Robbie Williams' Welttournee in Durban hatte die aus Schwarzen und Weißen bestehende Band als Vorgruppe so viel Applaus erhalten, dass Beobachter völlig perplex waren. Die populäre Gruppe um die quirlige Sängerin Zolani Mahola gilt in ihrer Heimat längst als sympathische Hit-Truppe, die mit ihren Songs das Lebensgefühl einer neuen Generation verkörpert. Ihr Aufstieg seit 2002 ist so sensationell wie spektakulär.
Es ist eine der wenigen gemischtrassigen Bands eines Nach-Apartheid-Südafrikas, in dem Schwarz und Weiß noch immer eher neben- als miteinander leben. Und in dem das Streben nach Harmonie größer ist als je zuvor - obwohl sich Kunst und Kultur auch 16 Jahre nach der demokratischen Wende am Kap weiterhin als «weiß« oder «schwarz» ausdrücken. Die Musik von «Freshlyground» ist ein eigenwilliger Stile-Mix aus Rock, Jazz, Folk, Dance, Ethno und Afro-Pop, der rassen-übergreifend gleichermaßen in Ohren und Beine geht und zum Tanzen animiert. Sie überbrückt die Kluft zwischen den Rassen, die in Südafrika weiter klafft: Die Band findet begeisterte Fans sowohl in schwarzen Townships wie auch in weißen Vorort-Clubs.
Inspiriert wurde ihre Musik durch Afrikas Traditionen und die zahlreichen kulturellen Einflüsse, die das Land im Süden Afrikas in seiner Geschichte aufsaugte. Die mitunter sehr emotionalen Texte auf Englisch und auch in Xhosa - der Sprache von Nelson Mandelas Heimatregion - handeln von der Liebe, dem Alltag, dem Überlebenskampf und auch von der verheerenden Aids-Epidemie. Die Mitglieder verkörpern die Regenbogen-Nation in all ihren Widersprüchlichkeiten und Gemeinsamkeiten.
Geigerin Kyla Rose Smith stammt aus einem behüteten weißen Johannesburger Vorort-Haushalt, Sängerin Zolani Mahola aus einem Township nahe der Küstenstadt Port Elizabeth. Gitarrist Julio Sigauque ist ein Musikstudent aus dem Nachbarland Mosambik und Band- Mitbegründer Simon Atwell stammt aus Simbabwe. Die meisten von ihnen trafen sich als Studenten in Kapstadt, wo Keyboarder Aron Turetz-Schwarz eine zunächst namenlose Formation ins Leben rief. Sängerin Mahola schließlich brachte der Gruppe das gewisse Etwas. Als ein Name her musste, so die Band-Legende, fiel ihnen der Aufdruck einer Pfeffermühle ins Auge: «Freshlyground» stand drauf - Frisch gemahlen.
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