Lehmann wütet und flüchtet

Unbeherrschtheit des Torwarts kostet den VfB den Sieg in Mainz. Er sieht Rot, irrt durchs Stadion - und nimmt einem motzenden Fan die Brille ab.
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Die fünfte Rote Karte seiner Karriere: Beim 1:1 in Mainz flog Jens Lehmann vom Platz, weil er dem Mainzer Bancé (am Boden) auf den Fuß stieg.
dpa Die fünfte Rote Karte seiner Karriere: Beim 1:1 in Mainz flog Jens Lehmann vom Platz, weil er dem Mainzer Bancé (am Boden) auf den Fuß stieg.

MAINZ - Unbeherrschtheit des Torwarts kostet den VfB den Sieg in Mainz. Er sieht Rot, irrt durchs Stadion - und nimmt einem motzenden Fan die Brille ab.

Der Ärger, für den Jens Lehmann (40) beim VfB Stuttgart sorgt, nimmt kein Ende. Im Gegenteil. Am Sonntag hat der Torwart für die nächsten Eklats gesorgt. Lehmann flog in Mainz nach einem Revanchefoul gegen FSV-Stürmer Aristide Bancé vom Platz und sorgte durch diese Unbeherrschtheit dafür, dass der abstiegsbedrohte VfB den Sieg noch aus den Händen gab. Den Elfmeter, den Lehmann per Tätlichkeit verursacht hatte, verwandelte Eugen Polanski in der 90. Minute gegen den eingewechselten VfB-Torhüter Sven Ulreich zum 1:1.

"Können Sie sich nicht einmal vernünftig benehmen?"

So weit, so schlimm. Aber der krude Lehmann-Auftritt fand seine Fortsetzung, als Lehmann das Stadion alsbald verließ. Er suchte allein, mit umgehängter Tasche, vor der Arena ein Taxi, während seine Mannschaft konsterniert in der Kabine saß und über zwei verlorene Punkte nachdachte. Lehmann änderte mehrmals die Richtung. Ein Kamerateam von „Sky“ filmte ihn dabei – und übertrug dann auch Lehmanns nächste Auseinandersetzung: Als ein Fan den Torhüter anmotzte („Können Sie sich nicht einmal vernünftig benehmen?“), nahm Lehmann ihm wortlos die Brille vom Gesicht und ging mit ihr weiter. Erst nach etlichen Schritten händigte er die Brille wieder aus. Statt im Teambus soll er die Rückreise im Taxi angetreten haben. Von diesen Vorgängen war noch nichts ins Stadioninnere gedrungen, als dort schon über Lehmanns Tritt diskutiert wurde. Der Mainzer Klubchef Harald Strutz wetterte: „Das zeigt seinen Charakter, das hat mit Sport nichts mehr zu tun. Er ist ein Mensch, der sich in Emotionen und Aggressivität aalt. Es geht ihm immer nur um sich selbst.“

Christian Gross, der neue VfB-Trainer, befand: „Die Szene mit Jens war unnötig. Ich kenne den Fußballer Lehmann recht gut, aber den Menschen Lehmann recht wenig. Ich werde mit ihm die Situation recht intensiv analysieren. Der Mannschaftserfolg steht bei mir über allem. Genau den hatte Lehmann mit seinem Verhalten torpediert. Der frühere Nationaltorhüter wird im letzten Vorrundenspiel gegen Hoffenheim nun auf jeden Fall fehlen. Wie er seine Karriere nach der Winterpause in Stuttgart fortsetzt, ist noch zu klären. Er hatte ja schon zuletzt Ärger mit seinen Chefs: Lehmann war abgemahnt und mit 40 000 Euro Geldstrafe belegt worden, weil er den Bossen unterstellt hatte, mit der Entlassung von Teamchef Markus Babbel auf den Druck „meist pubertärer“ Fans reagiert zu haben. Präsident Erwin Staudt fand dies „extrem vereinsschädigend“. Lehmann erklärte, er werde die Geldstrafe nicht zahlen. Am Sonntag hat er dem VfB erneut geschadet. Was droht ihm nun? Franz Beckenbauer plädierte bei „Sky“ so: „Man sollte ihn jetzt nicht vom Hof jagen. Es sind ja nur noch ein paar Monate bis zu seinem Karriereende.“

Michael Schilling, Oliver Trust

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