Kein «großer Bahnhof» für DFB-Team in Berlin

Berlin (dpa) - Berlin, Berlin, wir fahren nicht nach Berlin. Die Fußball-Nationalmannschaft hat sich entschieden: Die erhoffte Dankes-Party gemeinsam mit den Fans auf Deutschlands größter Festmeile in Berlin fällt nach dem Halbfinal-K.o. bei der WM gegen Spanien aus.
von  Abendzeitung
Arne Friedrich, Mario Gomez und Per Mertesacker (v.l.) wollen nur noch in den Urlaub.
Arne Friedrich, Mario Gomez und Per Mertesacker (v.l.) wollen nur noch in den Urlaub. © dpa

Berlin (dpa) - Berlin, Berlin, wir fahren nicht nach Berlin. Die Fußball-Nationalmannschaft hat sich entschieden: Die erhoffte Dankes-Party gemeinsam mit den Fans auf Deutschlands größter Festmeile in Berlin fällt nach dem Halbfinal-K.o. bei der WM gegen Spanien aus.

Co-Trainer Hans-Dieter Flick bat um Verständnis für die Entscheidung des DFB-Teams. «Das muss man den Spielern auch zugestehen», sagte er im deutschen Quartier in Erasmia. Regeneration und Urlaub hätten nach neun langen Wochen Vorrang. Der Berliner Senat bedauerte die Absage, zeigte aber auch Verständnis.

Bastian Schweinsteiger hatte als Erster schon die Richtung vorgegeben. Die Feierlaune war gedämpft. Er sei schon zweimal bei der WM 2006 und EM 2008 am Brandenburger Tor zur Fan-Feier gekommen. «Aber irgendwie habe etwas gefehlt.» Flick sagte es deutlicher, ein drittes Mal ohne Pokal habe die Mannschaft nicht vor die Fans treten wollen.

Auch Kapitän Philipp Lahm warb um Verständnis für den Verzicht auf die zusätzliche Berlin-Reise. Zugleich bedankte er sich im Namen der gesamten Mannschaft bei den Millionen Fans für die große Unterstützung. Die Bilder von den begeisterten schwarz-rot-goldenen Anhängern habe die Mannschaft auch am Kap mit zu den Erfolgen getragen. «Wir haben das aufgesogen, man kann den Fans nicht genügend danken.»

Der Kapitän erinnerte auch an die großen Szenen bei den Abschluss- Partys am Brandenburger Tor. «Wir hatten es nach der WM 2006 und der EM 2008. Und das große Ziel der Mannschaft hier war mehr als das Spiel um Platz drei. Es wäre unpassend, sich zwei Tage nach dem Spiel um Platz drei feiern zu lassen.»

Mit der größten Fanmeile Deutschlands hatte sich der Berliner Senat beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) bemüht, das Team nach der für Montag erwarteten Landung in Frankfurt/Main noch einmal nach Berlin zu bitten. Hier hatten bei deutschen Spielen auf der Straße des 17. Juni zusammen mehr als 1,5 Millionen Fans gefeiert. Viele hunderttausend waren auch zu der ersehnten letzten Party erwartet worden.

Berlins Innen- und Sportsenator Ehrhart Körting bedauerte die Absage der Nationalmannschaft. «Es ist schade, dass sie nicht kommen», sagte Körting laut einer Sprecherin. «Es ist ein tolles Team. Es hätte einen Empfang in Berlin verdient und ich bin mir sicher, die Menschen würden ihm zujubeln.»

Senatssprecher Richard Meng sagte, die Entscheidung der Nationalmannschaft entspreche den Erwartungen nach den Vorgesprächen. «Wir haben immer gesagt, wenn sie kommen wollen, sind sie herzlich willkommen. Ich kann es aber gut verstehen, dass sie nach der Niederlage gegen Spanien sich nicht feiern lassen wollen.»

Von der Fanmeile aus waren wie schon 2006 die Bilder um die ganze Welt gegangen. Berlins Tourismuschef Burkhard Kieker nannte die Fanmeile in einem dpa-Gespräch «eine unbezahlbare Marketingkampagne». Und ergänzte: «Sie ist unsere Champs Elysées und ein Luxusgut.» Wie die Feiern zu Silvester und zum Mauerfall-Jubiläum hätten auch die Fußballfeste bei den Live-Übertragungen und bei den Auftritten der Nationalspieler dazu beigetragen, dass sich Berlin «seinen Platz unter den beliebtesten Tourismuszielen Europas erobert hat».

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