Jens Lehmann: „Die Engländer haben jetzt schon Muffe!“
PORT ELIZABETH - Und die Briten-Blätter schreiben mal wieder über ihr Lieblibgsthema,„deutsche Kriegsführung“
Ausgerechnet eins dieser klassischen Ausgerechnet-Tore! Landon Donovan! Vor einem Jahr mit Hohn, Schimpf und Schande vom FC Bayern verjagt. Von Hermann Gerland als zu schlecht für die zweite Mannschaft des Rekordmeisters eingestuft. Ausgerechnet dieser Klinsmann-Zögling bescherte nun mit seinem Last-Second-Treffer für die USA gegen Algerien dem deutschen Team ein Achtelfinale gegen England. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen, Mister Donovan!
Franz Beckenbauer findet das Aufeinandertreffen mit den Briten prima: „Das ist ein Klassiker, auf den ich mich jetzt schon Freude.“ Vor ein paar Tagen hatte er noch den unansehnlichen Kick&Rush-Stil der Briten moniert. England ist eins der wenigen Teams, gegen das die deutsche Mannschaft eine negative Bilanz aufweist: 31 Spiele, 10 Siege, 15 Niederlagen. Dennoch sagt England-Kenner Jens Lehmann, der lange bei Arsenal im Tor stand: „Ich weiß, dass die Engländer jetzt schon Muffe haben.“
Coach Fabio Capello war in der Stunde des 1:0-Triumphs gegen Slowenien der nächste Gegner eher gleichgültig: „Ob Deutschland oder Serbien, das ist doch egal. Wir können gegen jede Mannschaft weiterkommen."
Die englische Presse aber macht schon Stimmung gegen das DFB-Team. „Get ready for German warfare“, schrieb das Massenblatt „The Sun“ gestern in ihrer Online-Ausgabe – „bereitet euch auf die deutsche Kriegsführung vor“. „Das ist doch seit 40 Jahren das gleiche“, meinte Franz Beckenbauer bei „sky“. Nämlich: „Die Engländer schreiben vor Spielen gegen Deutschland immer von Krauts, von Panzern und von Krieg. Das kennen wir.“
Angst jedenfalls, sagte Trainer Fabio Capello, habe man nicht: „Jetzt ist der Kopf frei. Wir haben keine Furcht mehr. Wir müssen offensiv auftreten und alle schlagen. Wir haben wieder den Spirit gezeigt. So muss man spielen, wenn man gewinnen will.“
Der Schütze des einzigen Tores blies ins selbe Horn: „Das Spiel war für uns wie ein Pokalfinale. Der Glaube war immer da“, jubilierte Jermain Defoe. Und Mannschaftskapitän Frank Lampard gab sich schon wieder sehr selbstbewusst: „Wir wollen nicht nur zwei Wochen in Südafrika bleiben, sondern einen Monat. Wir haben hier einen Auftrag.“
Der Mann, der den Briten zum Achtelfinale verhalf, vergoss derweil ein paar Tränen. „Ich habe viel durchgemacht", schluchzte Landon Donovan, „war in den letzten vier Jahren auf einer langen Reise.“ Nun geht die Reise weiter. tbc, F.M.