Deutschland bewirbt sich um EM 2024
Nürnberg - "18 Jahre nach der einzigartigen WM 2006 ist dann die Zeit reif für ein neues Sommermärchen in Deutschland", sagte Niersbach vor seiner anstehenden Wiederwahl im Amt am Freitag. An den anwesenden UEFA-Präsidenten Michel Platini gerichtet ergänzte der DFB-Chef: "Das Turnier ist noch nicht offiziell ausgeschrieben, aber die UEFA soll das schon frühzeitig wissen, dass sie mit uns rechnen kann."
Über eine deutsche Kandidatur um die EM 2024 wird schon eine Weile spekuliert. Dass Niersbach nun bereits den Hut öffentlich in den Ring wirft, ist dennoch überraschend. Die UEFA wird das Turnier wohl erst im Jahr 2017 vergeben. Bislang können noch nicht einmal Bewerbungen in der Zentrale am Genfer See eingereicht werden.
Dennoch fand die Offensive Niersbachs sofort Anklang. "Es ist Zeugnis eines selbstbewussten Verbandes und reflektiert die Wertschätzung, die der Verband auch international bekommt", sagte IOC-Präsident Thomas Bach als Gast des Bundestages.
Platini reagierte freundlich schelmisch, aber auch seiner Rolle als UEFA-Chef entsprechend: "Lieber Wolfgang, ich habe die Botschaft verstanden, aber Achtung, ich bin neutral." Dennoch ist Deutschland ein ganz starker Bewerber. Die UEFA braucht für ihr auf 24 Mannschaften und 51 Spiele aufgeblähtes Turnier große und finanzstarke Gastgeber. Und die guten Verbindungen von Niersbach zu seinem Freund Platini sind hinlänglich bekannt.
Der DFB-Boss ist als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees zudem Vorsitzender der Wettbewerbskommission, die maßgeblich die EM-Planungen bestimmt. Gewählt wird der EM-Gastgeber vom Exekutivkomitee. Aber auch die EM 2020 wurde von Platini praktisch im Handstreich zu einem Pan-Europa-Event in 13 Ländern verwandelt. "Fußballpolitische Wahlscharmützel gehören der Vergangenheit an", sagte Platini. Gut möglich also, dass kein anderer Verband gegen den starken DFB kandidieren will.
Eine EM-Endrunde hatte bislang nur 1988 in Deutschland stattgefunden. Für die EM 2020 ändert sich an den DFB-Plänen offiziell nichts. München wird als Bewerberstadt ins Rennen geschickt. Ob in sieben Jahren drei Vorrundenspiele und ein K.o.-Match in der bayerischen Landeshauptstadt stattfinden sollen oder beide Halbfinals und das Endspiel, entscheidet die UEFA im September 2014. Durch die Ankündigung Niersbach scheidet der DFB aber praktisch für die Finaloption 2020 aus. Der deutsche Verband hatte ohnehin stets betont, die Türkei als Endspiel-Gastgeber in sieben Jahren unterstützen zu wollen.