Russland-Abenteuer: Bayerns Basketballer wollen die Trendwende schaffen

München/St. Petersburg - Als die Basketballer des FC Bayern am Montagnachmittag ins Flugzeug Richtung Russland stiegen, taten sie das mit einem Schuss Zuversicht und Hoffnung im Gepäck. Was sie sich von dem Trip zu Unics Kasan und Zenit St. Petersburg, wo heute (18 Uhr) und am Donnerstag (19 Uhr) der erste Doppelspieltag der Euroleague ansteht, erwarten? "Zwei Siege", sagte Darrun Hilliard, der vergangene Saison noch in Moskau für ZSKA spielte, vor dem Abflug, "wir wollen eine Serie starten."
Nach den ersten beiden Spieltagen - mit der knappen Niederlage in Tel Aviv (68:69) sowie der etwas deutlicheren gegen Barcelona (72:80) - stehen die Münchner in der europäischen Königsklasse ohne Erfolg da. Man könne "noch nicht sagen, dass wir jetzt schon unter großem Druck wären", sagte Spielmacher Zan Mark Sisko, "aber wir müssen jetzt schon langsam anfangen, ein paar Spiele zu gewinnen." Ein Selbstläufer wird das aber auch bei den beiden russischen Topklubs keinesfalls. Nicht nur Chefcoach Andrea Trinchieri erwartet vielmehr "eine harte Woche" bei Bayerns Russland-Abenteuer.
Nach Schilling ist auch Djedovic zurück beim FC Bayern Basketball
Es gibt aber bei den von Verletzungen und Coronafällen gebeutelten Bayern durchaus Grund zu vorsichtigem Optimismus. Nach Gavin Schilling kehrte beim Heimsieg am Sonntag gegen Braunschweig (96:80) auch Nihad Djedovic nach langer Zwangspause zurück. Dabei gelangen dem Kapitän elf Punkte, die er alle von der Freiwurflinie erzielte. "Es war großartig, dass Gavin und Nihad uns ein paar Minuten gegeben haben", sagte Trinchieri. Djedovic fehle "noch ein bisschen der Rhythmus und die Athletik, aber mit seiner Erfahrung war er trotzdem sehr hilfreich". Das dürfte der Rekordspieler des FCBB nun beginnend mit den Partien in Russland wieder mehr werden.

Bei Co-Kapitän Vladimir Lucic, der vor dem Braunschweig-Spiel wieder individuell arbeitete, ist Trinchieri noch deutlich zurückhaltender. "Lucic war heute nicht dazu fähig, zu spielen", sagte der 53-Jährige, "bei ihm habe ich noch große Zweifel. Wenn er überhaupt mit nach Russland fliegen kann, wir müssen von Tag zu Tag entscheiden." Seinen Schlüsselspieler hätte Tinchieri, sofern es die kleinste realistische Möglichkeit dazu gibt, trotzdem lieber heute als morgen zurück - notfalls ohne vorherige Spielpraxis.
Lucis, Zpser, Obst und Radosevic fehlen noch
"Jeder weiß, dass Lucic ein sehr wichtiger Faktor für uns ist. Was für eine letzte Saison er hatte, welchen großen Einfluss er auf unser Spiel, alle Teamkollegen und eigentlich alle Situationen hatte", sagte Sisko, "wir freuen uns alle auf sein Comeback und auf die Rückkehr von allen anderen, die noch fehlen." Das sind die beiden Nationalspieler Paul Zipser und Andreas Obst sowie Leon Radosevic.
"Das darf keine Ausrede sein. Wir müssen das Beste aus dem machen, was wir haben", sagte Hilliard über die nach wie vor angespannte Personallage, "dann müssen andere Spieler Verantwortung übernehmen. Da gemeinsam durchzugehen, wird uns am Ende als Team besser machen." Zu diesem frühen Zeitpunkt sei es laut Hilliard trotz der Niederlagen "nicht schwierig, den Kopf oben zu behalten".
An den komplizierten Start im Oktober werde sich im April schließlich niemand mehr erinnern. Eine Trendwende in Russland würde jedenfalls helfen, die Auftaktniederlagen ein wenig vergessen zu machen.