Freistoß bei der Klub-WM: Sprühdose!
Testgebiet Klub-WM: Beim 3:0-Sieg des FC Bayern München über Guangzhou Evergrande wird Torlinientechnologie eingesetzt. Und der Schiedsrichter sprüht eine Linie, um den Abstand der Mauer vom Schützen zu messen. Die "Spielerei" (Beckenbauer) hat seine Vor- und Nachteile.
Agadir - Was hat der Schiedsrichter da in der Hand? Haarspray? Deo? "Pfefferspray", scherzte Experte Mehmet Scholl in der ARD.
Spaß beiseite: Viele Fernsehzuschauer, die das Klub-WM-Halbfinale zwischen Guangzhou Evergrande und dem FC Bayern ansahen, fragten sich: Was macht der Unparteiische Bakary Gassama da bloß bei jedem Freistoß mit Spieler-Mauer?
Die Lösung: Er sprühte mit einer Spraydose eine Linie auf den Rasen, um den Abstand zum Freistoßschützen zu markieren – die Klub-WM ist Fifa-Testgebiet. "Auf den ersten Blick ist es ungewohnt und ein bisschen lustig, wenn der Schiedsrichter mit so einem Spray herumläuft", sagt Toni Kroos.
Warum man das Spray einsetzt? 9,15 Meter Abstand stehen im Fifa-Regelbuch, doch Fußballer neigen dazu, bei der Mauerbildung nach vorne zu trippeln. Geht mit dem Freistoßspray nicht mehr! "Es schränkt die Raffinesse der Spieler ein", sagte Scholl.
"Ich halte es nicht für schlecht, diese Spielerei", meinte auch Franz Beckenbauer. "Der Schiedsrichter setzt eine Duftmarke, da darf man nicht drüber gehen."
Sind dann überall Striche? Nein, aufgrund der chemischen Zusammensetzung löst sich der weiße Schaum nach 60 Sekunden wieder auf. Getestet hatte der Weltverband das Spray bei der U17- und U20-WM. In Südamerika wird es ebenfalls schon eingesetzt. Die Bundesliga dürfte nun auch, die Fifa stellt es nach der abgeschlossenen Testphase frei.
Kroos ist skeptisch: "Ich glaube, dass uns das nicht entscheidend weiterbringen wird." Beckenbauer meint: "Es verzögert das Spiel, schnell ausführen geht dann nicht mehr." Ähnlich sieht’s auch Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer: "Wenn’s 18, 20 Meter vor dem Tor ist, halte ich das für sinnvoll. Bei seitlichen Freistößen ist es nur eine Zeitverschwendung."
Das Spiel war auch Bayerns erster Berührungspunkt mit der Torlinientechnologie "GoalControl" – übrigens aus Deutschland. Den Zuschauern vorm Fernseher und im Stadion (per Video-Leinwand) wurde so durch Auswertung von sieben Kamerabildern klar gezeigt, dass Kroos’ Lattenkracher (25.) vor der Linie aufgekommen war.
Das Torliniensystem erstellt die Wiederholungen automatisch. Das in Würselen beheimatete Unternehmen "GoalControl" wird auch die Stadien bei der WM 2014 mit seiner Technik ausstatten.