FC Bayern: Plötzlich Chefsache – Wie sich Oliver Kahn bei der DFL einschalten soll
München/Frankfurt - Zusammen in eine erfolgreiche Zukunft: DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke hat für ein solidarisches Handeln bei der Bewältigung der "schwierigen Situation" im deutschen Fußball - und um die Mitarbeit von Oliver Kahn geworben.
"Es ist wichtig, dass wir vor dem Hintergrund der EM 2024 alle Kräfte im deutschen Fußball bündeln. Wir brauchen jetzt diesen Schulterschluss", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Fußball Liga (DFL) und 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Donnerstag in Neu-Isenburg. "Die einfachste Situation, sich einzubringen, speziell bei der DFL, ist die, für ein Amt zu kandidieren. Das hilft. Die einfachste, direkte, unkomplizierteste Lösung wäre, wenn der Oliver Kahn für das Präsidium kandidiert. Da würde ich mich persönlich sehr drüber freuen."
Gespräche mit Oliver Kahn, Bernd Neuendorf und Karl-Heinz Rummenigge
Er habe deshalb in den vergangenen Tagen Gespräche nicht nur mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf geführt, sondern auch mit Kahn, dem Vorstandschef des FC Bayern, und dessen Vorgänger Karl-Heinz Rummenigge. "Weil es mir wichtig ist, dass auch der größte und erfolgreichste deutsche Fußball-Klub immer in unsere Überlegung eingebunden ist", sagte Watzke, der zudem bekanntgab, dass die beiden Bundesliga-Manager Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) und Oliver Leki (SC Freiburg) nach dem Aus für die bisherige DFL-Chefin Donata Hopfen interimsweise als Doppelspitze bis zum 30. Juni 2023 fungieren werden.

Und dann? Watzke und Kahn, die Bosse von Dortmund und Bayern, könnten anschließend als mächtiges Duo fungieren. Plötzlich Chefsache - diese Idee gefällt auch Bayern-Präsident Herbert Hainer. Eine starke DFL sei für Bayern und für die gesamte Bundesliga "sehr, sehr wichtig", sagte Hainer bei DAZN und kündigte an: "Da müssen wir uns alle zusammenschließen, und der FC Bayern wird sich da sehr aktiv, vor allem Oliver Kahn in der Person als Vorstandsvorsitzender, einbringen in den Prozess, die DFL weiter zu stärken."
Die Münchner sind logischerweise daran interessiert, dass sich gerade in der Auslandsvermarktung etwas tut. Die englische Premier League etwa nimmt im Vergleich zur Bundesliga ein Vielfaches an TV-Geldern ein, das erschwert Bayerns Wettbewerbsfähigkeit in der Champions League. Es überrascht daher nicht, dass sich die Münchner aktuell in erster Linie um die Zukunft der DFL sorgen, beim DFB geben Präsident Neuendorf und Vize Watzke die Richtung vor.
Oliver Bierhoff hat sich zurückgezogen
Während Bundestrainer Hansi Flick bis zur Heim-EM 2024 weitermacht, hat sich der langjährige DFB-Direktor Oliver Bierhoff zurückgezogen. Neuendorf und Watzke fahnden nach einem Nachfolger, einen Namen können sie dabei streichen: Lothar Matthäus will keinen festen Posten beim DFB übernehmen. Wenn der Verband an seiner Meinung interessiert sei, könne man sich zwar gerne treffen, sagte der Rekord-Nationalspieler bei Sky, er werde sich aber nicht in das Tagesgeschäft des DFB einmischen, "das ist nicht meine Lebensplanung". Zuletzt war seine Meinung beim DFB offenbar kaum gefragt. Zwar habe Bierhoff in den vergangenen Jahren stets gesagt, mit ihm mal Kaffee in München trinken zu wollen, sagte Matthäus, aber "auf den Kaffee warte ich heute noch."
Für einen geeigneten DFB-Sportdirektor hält Matthäus seinen früheren Nationalmannschaftskollegen Fredi Bobic (51). Der aktuelle Geschäftsführer Sport von Hertha BSC habe "tolle Arbeit geleistet" und "kennt den DFB/DFL in- und auswendig". Bobic wäre eine "tolle Besetzung", meinte Matthäus. "Wir brauchen klare Wege in Zukunft beim DFB. Und vor allem brauchen wir Zusammenhalt." Beim DFB und bei der DFL.