FC Bayern: Gefährliche Kurvenlage

„Wer wollte Klinsmann denn haben? Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen!" Die „Schickeria“ greift wegen des Ex-Trainers Jürgen Klinsmann den Vorstand an. Auch Christian Lell wird ausgepfiffen.
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Der Fanschal gehört zu seinen wichtigsten Accessoires: Manager Uli Hoeneß im Stadion.
GES/Augenklick Der Fanschal gehört zu seinen wichtigsten Accessoires: Manager Uli Hoeneß im Stadion.

„Wer wollte Klinsmann denn haben? Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen!" Die „Schickeria“ greift wegen des Ex-Trainers Jürgen Klinsmann den Vorstand an. Auch Christian Lell wird ausgepfiffen.

MÜNCHEN Die Fans des FC Bayern gelten nicht als die Heißblüter der Liga. Immer wieder werden sie im eigenen Stadion vom Gäste-Block niedergesungen. Es ist ein überschaubarer harter Kern in der Südkurve, der wenigstens für etwas Betrieb sorgt in der Allianz Arena. Im ersten Nach-Klinsmann-Spiel ist die Kurve, deren Wille mit der Entlassung des Trainers ja nun erfüllt wurde, erneut auffällig geworden - diesmal mit Kritik an den Bossen.

FC Bayern: "Vorstand raus!"-Rufe

Mitte der zweiten Halbzeit entrollten die Südkurven-Fans ein fast spielfeldbreites Plakat mit der mürrischen Aufschrift „Wer wollte Klinsmann denn haben? Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen!" Unterstützt wurde der Text durch ein paar „Vorstand raus!"-Rufe, die jedoch schnell wieder verebbten.

Uli Hoeneß freilich hatte sie vernommen, der Manager bezog später Stellung: „Erstens muss man wissen, dass das unsere Freunde von der ’Schickeria’ sind.“ Eine Fan-Gruppierung, mit der der FC Bayern seit Jahren seine Müh und Not hat. Vor zwei Jahren verhängte der Verein nach einem Überfall auf Anhänger des 1. FC Nürnberg 73 Stadionverbote gegen Mitglieder der ’Schickeria’. Diese gelten immer noch. Beim FC Bayern heißt es, die Aktion sei eine gezielte Retourkutsche einer kleinen Randgruppe, die in einschlägigen Foren angekündigt gewesen sei.

Immerhin ist nun der Beweis erbracht, dass es beim FC Bayern keine Zensur gibt. Gegen Frankfurt noch hatten übereifrige Sicherheitskräfte ein „Klinsmann-raus“-Plakat konfisziert – was selbst Hoeneß damals nicht gut fand. Nun sagt er: „Wir haben die Verantwortung für diese Verpflichtung. Das ist ja in der Demokratie so, dass diejenigen, die Verantwortung haben, sie auch zu tragen haben.“

FC Bayern: Beckenbauer nennt die Proteste "Blödsinn"

Aufsichtsratschef Franz Beckenbauer war befremdet über das strittige Kurven-Plakat: „Zur Rechenschaft ziehen? Das ist doch Blödsinn! Es war ja keine böswillige Aktion von uns, den Jürgen Klinsmann zu verpflichten.“

Mit Hoeneß-Spezl Heynckes schien auch die Zuversicht in die Kurve zurückgekehrt zu sein: „Fünf Spiele, fünf Siege! Deutscher Meister, FCB!" plakatierten die Fans vor dem Anpfiff. Freuten sich über Unikum Hermann Gerland, pfiffen beim Gladbacher Elfmeter so markerschütternd wie selten, bedachten aber auch den mal wieder mäßig begeisternden Christian Lell mit gellenden Pfiffen – was den nicht besser machte. „Ein junger Spieler braucht Sicherheit“, sagte Trainer Heynckes, „diese hat er nicht. Dann kommen die Pfiffe nach einer misslungenen Flanke. Aber ein Spieler des FC Bayern muss so etwas abstreifen können.“

FC Bayern: Görlitz kommt zurück

Ob Heynckes auf die Pfiffe oder auf eine „Sprunggelenksverletzung“ (Hoeneß) reagierte – jedenfalls kam Oddo für Lell. Der vom AC Mailand ausgeliehene Italiener hat aber auch eher schlechte Karten bei Hoeneß: „Da haben wir Zeit bis Ende Mai und brauchen uns nicht den Kopf zu zerbrechen.“ Ähnlich unkompliziert liegt laut Hoeneß der Fall des an den KSC ausgeliehenen Andreas Görlitz: „Der Vertrag beginnt am 1. Juli, und wir gehen davon aus, dass er kommt.“ Die Probleme auf der rechten Verteidigerposition dürften jedoch weder mit Lell noch mit Oddo noch mit Görlitz gelöst sein. Auch dazu wird die Kurve eine Meinung haben.

Thomas Becker

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