Sebastian Elwing: Rückkehr zur Hassliebe

München - Zweifler, Kritiker, Unkenrufer, Anti-Lobbyisten. Damit musste sich Sebastian Elwing in seiner Karriere immer herumschlagen. Das war zu seiner Zeit beim EHC München (2008 bis 2012) so, das ist nun bei den Eisbären Berlin nicht anders. Sein fahrig-zappeliger Torwart-Stil (Keeper-Legende Peppi Heiß bezeichnet es mal als „kein Stil, nur erfolgreich“) polarisiert. So sehr, dass er sogar bei den Eisbären von seinem Coach Jeff Tomlinson fertiggemacht wurde.
Nach der Verletzung von Stammtorwart Rob Zepp entblödete sich der Ober-Eisbär nicht, zu verkünden, dass der Qualitäts-Unterschied zwischen Zepp und Elwing „deutlich“ sei. Dafür musste der Coach nach den Siegen gegen Ingolstadt und Straubing, bei denen Elwing mit Glanzparaden en masse geglänzt hatte, öffentlich Abbitte leisten. „Das war ein Fehler, ich wollte Elwing nicht herabwürdigen“, sagte Tomlinson. Doch die Fans in Berlin, sie präsentieren sich als „Elle“-Lobbyisten, sie feierten ihn, der bei den Jung-Eisbären sein Handwerk gelernt hatte, mit den Sprechchören „Da steht ein Eisbär im Tor – Sebastian Elwing“. Eine Geste, die dem 33-Jährigen die Freudentränen in die Augen trieb: „Das war ein besonderer Moment, danke!“
Jetzt am Freitag (19.30 Uhr) wird er an alter Wirkungsstätte in der Olympiaeishalle gegen den EHC wieder sein Können zeigen. Auch dort hegten die Fans eine Art Hassliebe zu Elwing. Teilweise feierten sie ihn und seine Zuckungsparaden frenetisch, aber auch dort gab es unschöne Momente, als etwa die Fans während eines Spiels in Sprechchören die Einwechslung von Fanliebling Joey Vollmer in den EHC-Kasten forderten. Nach vier Jahren in München wechselte er nach Berlin zurück. Trotz des Versprechens, dass die Einsätze zwischen ihm und Jochen Reimer aufgeteilt wurden, spielte Elwing in München kaum. Also ging er und wurde mit den Berlinern gleich Meister.
Der Wechsel fiel ihm nicht leicht. Denn Berlin ist nicht nur die Geburtsstadt Elwings, der hier auch seine ersten Eishockeystationen durchlief. Es ist auch ein Ort voller Trauer, Tränen, wo er seinen Bruder und seine Mutter verlor.
Lange Zeit mied er Berlin. Doch jetzt istdie Hauptstadt wieder seine Heimat, die Heimat seiner Familie, Tochter Ebba kam dort vor einem Jahr zur Welt. Der Kreis hat sich für ihn geschlossen – sportlich und persönlich.