Der Motoren-Marathon
Am Samstag beginnen die 24 Stunden von Le Mans. Alles sieht nach einem Zweikampf zwischen Audi und Peugeot aus. Den gewinnt aber nicht unbedingt der Schnellste.
Dänemark beginnt gleich hinter dem Circuit Alain Prost und endet wenige Meter vor der Audi-Racing Arena in Le Mans. Mehr als 20.000 Menschen kampieren hier im Dänencamp, einer riesigen Zelt-, und Wohnwagenstadt, aufgebaut neben der Strecke. „Danish Drinking Team steht“ auf einigen Wohnwagen, der Nachschub kann mit Kronen bezahlt werden.
Freitagmittag haben die Bierverkäufer wenig zu tun. Gerade hat Tom Kristensen die Zeltstadt betreten, der Held der Massen. Der 43 Jahre alte Däne ist mit acht Siegen Rekordchampion bei den am Samstag beginnenden 24 Stunden von Le Mans. Seit Jahren ist der Fanklub des Audi-Piloten der Größte.
Seine Mechaniker dagegen werden Donnerstagnacht nicht nur innerlich über ihn geflucht haben. Keine zehn Sekunden vor dem Ende der dritten und letzten Qualifikation hatte Kristensen zu viel riskiert und beim Anbremsen die Kontrolle über seinen Audi R 18 verloren, war abgeflogen und recht heftig in die Reifenstapel geknallt. Die Seitenpartie des Autos sah ziemlich ramponiert aus. Für die Mechaniker bedeutete der Unfall eine recht kurze Nacht. Schlaf ist in Le Mans für die Beteiligten sowieso eher ein Fremdwort.
Auch Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich und Kristensens Teamchef Ralf Jüttner hatten zunächst ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Ist doch die Qualifikation für einen Rennmarathon wie Le Mans eher unbedeutend. Zuletzt hatte Audi 2006 die Pole Position, gleichzeitig haben die Ingolstädter aber neun der letzten elf Rennen gewonnen.
Dennoch Freude sich die Bosse über die Pole-Position, die Benoit Treluyer für sein Team mit Marcel Fässler und Andre Lotterer errungen hatte. Die Vorjahressieger um Mike Rockenfeller, Timo Bernhard und Romain Dumas wurden Zweite. Kristensen holte für das Veteranenteam mit Dindo Capell (46) und Alan McNish (41) Platz fünf. „Wir scheinen ein schnelles Auto zu haben. Wir haben eine gute Basis für das Rennen“, lautete der recht nüchterne Kommentar Ullrichs.
Er weiß, dass während der 24 Stunden viel passieren kann, dass es vor allem auf Zuverlässigkeit ankommt. Letztes Jahr feierte Audi einen historischen Dreifachsieg, obwohl die Peugeots schneller gewesen waren. Doch die Franzosen brachten kein einziges Auto ins Ziel.
Auch dieses Jahr werden Audi, das mit einem komplett neuem Sportwagen-Prototyp mit einem sparsamen sechs Zylinder-Diesel antritt, und Peugeot mit ihren Achtzylinder-Diesel den Sieg unter sich ausfahren. Zwar sind insgesamt 56 Autos und somit 168 Fahrer dabei, doch die meisten starten in den drei unteren und langsameren Klassen. BMW etwa ist mit zwei M 3 dabei und hat gute Chancen auf den Sieg in der drittklassigen GT-Wertung. Doch die aufgebohrten M 3 brauchen mehr als 30 Sekunden mehr für die 16 Kilometer lange, teils über normalen Landstraßen führende Strecke.