Aus der Traum: Großartiger Haas scheitert an Federer

Thomas Haas hat bei seiner Halbfinal-Premiere in Wimbledon die befürchtete Niederlage gegen Roger Federer kassiert. Der Hamburger kämpfte vergebens - aber er eroberte die Herzen der Tennis-Fans im Sturm.
von  Abendzeitung
thomas Haas schmunzelt im Match gegen Roger FedereR
thomas Haas schmunzelt im Match gegen Roger FedereR © dpa

LONDON - Thomas Haas hat bei seiner Halbfinal-Premiere in Wimbledon die befürchtete Niederlage gegen Roger Federer kassiert. Der Hamburger kämpfte vergebens - aber er eroberte die Herzen der Tennis-Fans im Sturm.

Der „runderneuerte“ Thomas Haas schlug am Freitag im schwülen London prächtig auf, kämpfte entschlossen und bot dem fünffachen Champion aus der Schweiz lange Zeit Paroli. Doch die 2:02 Stunden lange Partie konnte er wie schon bei den French Open vor gut vier Wochen nicht gewinnen, weil der Schweizer beim 7:6 (7:3), 7:5, 6:3 die entscheidenden Ballwechsel souverän für sich entschied.

Auf dem Weg zum 15. Grand-Slam-Triumph, mit dem er den Amerikaner Pete Sampras als Weltrekordler ablösen würde, kann Federer am Sonntag in seinem siebten Wimbledon-Finale nur noch der Brite Andy Murray oder Andy Roddick aus den USA ein Bein stellen. „Beide sind mir recht“, sagte Federer, der gegen Roddick zweimal 2004 und 2005 im Finale stand und 2004 und 2005 gewann.

„Tommy hat unglaublich gut gespielt. Ich wusste seit Paris, wie gefährlich er ist“, sagte der Schweizer, der nach der Kurzschicht überaus zufrieden war. Haas war die ungeheure Anspannung schon auf die Stirn geschrieben, als er den Center Court bei seinem elften Wimbledon zum ersten Mal betrat. Kaum waren allerdings die ersten Bälle auf dem „Heiligen Rasen“ gespielt, zeigte der 31-Jährige seine ganze Entschlossenheit. „Ich habe das Gefühl, Wimbledon hat noch etwas gutzumachen bei mir“, meinte er vor dem Match angesichts seines Pechs in den vergangenen Jahren. So musste er vor zwei Jahren auch das Achtelfinale gegen Federer absagen, weil die Bauchmuskeln gerissen waren.

Somit blieben die beiden Halbfinals in Halle 2005 und 2006, die Federer wie neun der insgesamt elf Vergleiche gewann, die beiden einzigen Matches auf Rasen. In diesem Jahr verzichtete der 27-Jährige auf die Vorbereitung in Ostwestfalen, wo Haas seinen ersten Titel auf Gras holte. Dass dies nicht der Garant dafür ist, den Rasen-König zu bezwingen, musste Haas allerdings erst im Tiebreak erkennen.

Die ausgeglichene Partie bekam dort ihre Wendung, als Federer - wie von einer fremden Macht geleitet – urplötzlich das Tempo anzog und seinem Gegenüber eiskalt beide Aufschläge zum 6:3 abnahm. Wäre Haas danach früher ausgeflippt und hätte sich und andere beschimpft, so blieb er diesmal ruhig, beherrscht und auf den nächsten Punkt konzentriert.

„Roger ist mein Freund. Ich bin froh, dass ich ihn nicht geschlagen habe und er seinen ersten Sand-Titel holen konnte“, hatte Haas noch in Roland Garros gescherzt. Solche Geschenke verteilte er diesmal nicht. Auch der zweiten Durchgang war hartumkämpft, was dem Gesicht des Rasen-Maestro freilich nicht anzusehen war. Wie einst der „Eis-Borg“ blieb er stets Herr der Lage. Den einzigen Satz, dabei blieb es, verlor Federer gegen den Augsburger Philipp Kohlschreiber.

Auf der Tribüne wunderte sich auch Tennis-Legende Björn Borg über den zäh kämpfenden Haas, der bis zuletzt seine Chance suchte. Den fünffachen Champion aus Schweden wollte Federer im Vorjahr mit dem sechsten Triumph in Serie überholen, was ihm der Spanier Rafael Nadal verdarb. Diesmal sollen die Rekorde purzeln. „Das ist auch ein Grand dafür, warum ich Tennis spiele“, meinte der Dominator. Daran ändern konnte Haas nichts, der nach zehn Rasensiegen in Serie mit großem Anstand verlor. Sogar zu Späßen war er im dritten Satz noch aufgelegt, was ihm die 15 000 Zuschauer mit großem Jubel dankten.

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