Joachim Blacky Fuchsberger: Sein Karriere-Ende

Blacky Fuchsberger (86) erklärt hier das Ende seiner beispiellosen TV-Karriere. Er ärgert sich über den BR, über viel „Schwachsinn“ im Fernsehen – und er spricht über den Tod
von  Armin Lissfeld
Blacky als Soldat. Aus dieser Zeit stammt sein Spitzname.
Blacky als Soldat. Aus dieser Zeit stammt sein Spitzname. © NDR

AZ: Herr Fuchsberger, im Fernsehfilm „Die Spätzünder 2 – Der Himmel soll warten“ gehören Sie am Mittwoch, 20.15 Uhr in der ARD, zu einer Senioren-Rockband, die unbedingt noch einen Hit liefern will. Ein Filmtitel wie gemünzt auf Ihr Leben.

JOACHIM FUCHSBERGER: Aber nur der Untertitel! Mit dem eigentlichen Titel „Spätzünder“, den sich ein ungeschickter SWR-Redakteur ausgedacht hat, war ich nie einverstanden. Weil Spätzünder einer Diskriminierung von Senioren gleichkommt. Wir geben im Film allerhöchstens Spätblüher, aber keine Spätzünder. Spätzünder sind Menschen, die schwer von Begriff sind.

Klare Worte.

Es geht noch klarer: Viel ärgerlicher als der Filmtitel ist die Tatsache, dass die ARD den Film parallel zum Champions-League-Spiel des FC Bayern verzichtet, und ich bin am letzten Drehtag sogar vor Erschöpfung zusammen gebrochen. Und jetzt lassen sie diesen tollen Film gegen die Bayern anlaufen. Schlimmer geht's wohl nicht! Besonders ärgerlich für mich, da dies sicher mein letzter Film war.

Sie wollen aufhören?

Nach drei Herz-Operationen, sechs Stents, drei Bypässen, zwei Herzschrittmachern und einem bevorstehenden Rollstuhl kann da von ,wollen’ nicht die Rede sein. Seit dem letzten Schlaganfall ist endgültig Sense. Es sei denn, man bietet mir eine Hauptrolle im Bett an. Ich habe mich übernommen und leider nicht auf die Warnungen meiner Frau gehört.

Bezeichnend für Sie?

Es ist eines meiner Lebensmerkmale, dass ich ein Kontrollfreak bin, der stets alles selber macht. Ich bin zwar ein Demokrat, aber nur solange alles so geschieht, wie ich es will.

Und ausgerechnet so einer steuert jetzt auf den Rollstuhl zu?

Muss hart sein. Hat aber den Vorteil, dass ich den konsequenten Niedergang der Fernsehunterhaltung nicht mehr miterleben muss. Eigentlich leben wir im Land der Dichter und Denker. Aber wenn ich mir Schwachsinn wie diese Camp- oder Container-Geschichten anschaue, dann frage ich mich, was die dabei gedacht haben. Wir leben im Zeitalter des „gut genug“ – aber gut genug gab's für mich nie.

Wer wird denn heute Ihren Ansprüchen gerecht?

Nur wenige. Einer davon ist Jan Josef Liefers, mit dem ich in „Die Spätzünder“ zusammen arbeiten durfte. Ein Ausnahmetalent, genauso wie seine bezaubernde Frau Anna Loos. Ansonsten vielleicht noch Til Schweiger. Ich finde diese Einohr- und Zweiohrhasen zwar auch nicht alle gut, aber das ist zumindest ein Typ, der alles selber macht und seine Meinung sagt. Nicht so weichgespült und windschnittig wie viele andere Medien-Figuren.

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Boris Becker?

Hat mich nur interessiert, solange er fabelhaft Tennis gespielt hat. Was er ansonsten von sich gibt, ist nicht bemerkenswert. Was der da treibt mit dem Pocher und dem Raab, das ist mir so wurscht wie ein bayerischer Kropf. Das zeigt halt nur, wessen Geistes Kind er ist.

Traurig über den Verfall der Medien-Moral?

Macht den Abschied leichter und dient mit als Vorlage für mein nächstes Buch „Zielgerade“, an dem ich gerade mit Hochdruck arbeite. Die Kardinalfrage meines Buches lautet: Ist unsere Intelligenz groß genug, um das zu beherrschen, was unsere Intelligenz geschaffen hat.

Dazu sind Sie trotz Schlaganfall noch in der Lage?

Da habe ich in der Tat Glück gehabt. Ich bin in der Reha demütig und dankbar geworden, dass ich so glimpflich davon gekommen bin und noch in der Lage bin, klar zu denken und mich noch artikulieren kann. Ich habe in den zehn Monaten Krankenhaus nämlich furchtbare Dinge um mich herum gesehen.

Wie lautet die derzeitige medizinische Prognose?

Die habe ich gerade von behördlicher Seite zugestellt bekommen: ein Schwerbehindertenausweis mit hundert Prozent!

Trotzdem bleiben Sie für alle Welt der jugendliche Blacky.

Den die meisten sogar duzen. Den Namen hat mir eine junge Französin, der ich sehr zugetan war, während es Krieges verpasst, weil sie meinen Einsatznamen „Jackie“ falsch aussprach. Irgendwie ist der hängen geblieben, und plötzlich nannten mich alle so. Ich fand es ursprünglich gar nicht gut, denn so heißen sonst nur Schlagerstars oder schwarze Pudel. Aber mittlerweile ist das eine Marke, die zu meinem Leben gehört und mit der ich sogar von meiner Frau geweckt werde.

Hat ein bekennender Agnostiker eigentlich mehr oder weniger Angst vorm Tod?

Ich habe überhaupt keine Angst vorm Tod. Ich sehe den Tod wie den Boandlkramer beim „Brandner Kasper“, mit dem man bei Schnaps und Kartenspiel gern ein paar Jahre mehr rauszockt. Auf meinem Weg durch die Gesundheits- Institutionen ist er mir des Öfteren erschienen. Er saß mit der Peitsche auf dem Kutschbock und sagte zu seinem Gaul: „Den Alten entsorgen wir später!“

Was kommt danach?

Ich habe keine Vorstellung von einem Paradies oder dergleichen. Aber ich gebe zu: Was man nicht beweisen kann, kann man auch nicht verleugnen. Ich bewundere Menschen, die Kraft aus tiefem Glauben beziehen, ich kann das nicht. Dafür habe ich eine wunderbare Frau, an die ich glaube. Meine einzige Angst ist, dass einer von uns vor dem anderen gehen muss.

Keine Vision eines Wiedersehens mit Ihrem 2010 verstorbenen Sohn Tommy im Jenseits?

Dummes Zeug! Ich brauche den nicht im Jenseits wiedersehen, ich sehe ihn jeden Tag. Wie er lachend zur Tür reinkommt, am Tisch sitzt und wieder rausgeht. Tommy werde ich noch bis zur letzten Minute vor mir sehen.

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Mit Schmerz?

Leider heilt die Zeit keine Wunden. Es blutet zwar nicht mehr so stark, aber es bleiben die Narben und der Schmerz. Vereint werden nur unsere sterblichen Reste im Familiengrab am Grünwalder Waldfriedhof.

Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

Name, Geburtsdatum und vielleicht der Spruch: „Er war ein Kumpel“

Ihr größter Stolz?

Meine Ehe! Alles andere, was ich geleistet habe, war Gemeinschaftsarbeit mit vielen Kollegen, aber die 60 Jahre mit einer Partnerin muss man sich hart erkämpfen. Wir waren so schlau, uns frühzeitig darauf zu einigen, dass jeder das tut, was er am Besten kann. Meine Frau ist großartig im Organisieren und Verwalten dessen, was ich verdient habe. Dafür kann ich besser kochen. Bis heute stehe ich, wann immer ich kann, in der Küche. Wohlgemerkt nur bodenständige Hausmannskost! Kaviar oder Hummer habe ich Zeit meines Lebens immer abgelehnt.

Isst Ihre Frau alles, was Sie Ihr vorsetzen?

Ich koche nur, was ihr schmeckt. Und wenn es ihr mal nicht schmeckt, dann sagt sie mir das auch ungeschönt. Das ist es, was ich am meisten an ihr schätze: Sie sagt mir in allen Lebensbereichen immer schonungslos die Wahrheit. Wenn sie sagt, „das ist ganz gut“, dann ist es das höchste Lob, was ich mir vorstellen kann. Deswegen nenne ich sie auch meine Regierung. Sie ist die einzige Obrigkeit, die ich je in meinem Leben anerkannt habe.

Noch andere Lebensweisheiten?

Man muss das tun, woran man Freude hat, sonst kann man keinen Erfolg haben. Das höchste Glück auf Erden ist die Unabhängigkeit. Wenn man nicht Herr seiner Entscheidungen ist, dann wird das nix.

Wie ist das mit dem Tod?

Auch den kann man selber bestimmen, wie man am Beispiel von Gunter Sachs gesehen hat. Aber das ist nicht mein Plan.

 

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