Die Königin des Stils: Die geheimen Dresscodes der Queen
Wer immer sie sah, erkannte die royale Formel: ein maßgeschneidertes, etwas über Knielänge gehendes Kleid, dazu ein passender Mantel, ein manchmal mehr, manchmal weniger extravaganter Hut. So kennt man den Stil von Queen Elizabeth II. schon seit Jahrzehnten.
200 Handtaschen der gleichen Marke
Weiter: eine eckige schwarze Handtasche der Londoner Marke Launer - etwa 200 Stück an der Zahl hatte sie davon im Kleiderschrank. Dazu schwarze Slipper mit komfortabel zu tragenden fünf Zentimeter hohem Absatz der Marke Anello & Davide, ein Paar Baumwollhandschuhe und eine dreireihige Perlenkette.

Stilikone bis ins hohe Alter
Für manche mag es aus der Zeit gefallen wirken, doch mit ihren oftmals farbenfrohen Kombinationen wurde die verstorbene Monarchin für viele auch zur Stilikone - und das bis ins hohe Alter. Und es zeigte sich: Hinter dem Dresscode steckte fast immer viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Niemals "overdressed" oder "underdressed" gekleidet und Anlass, Klima sowie Jahreszeit entsprechend, sah die Königin bis zu ihrem letzten Atemzug mit 96 Jahren nie deplatziert aus. Ihr Grund-Stil entspringt zwar den 1930er-Jahren, den sie während ihrer gesamten Regentschaft auch immer beibehielt.
Moderne Details
In den Details passte sich die Queen aber der zeitgemäßen Mode an. Besonders markant sind dabei die Farben ihrer Outfits. Es scheint kaum eine zu geben, in der die royale Stilikone nicht zu sehen war: von zarten Pastellfarben bis zu knalligen Neontönen. Keine Überraschung, wenn man bedenkt, dass die britische Königin sich anlässlich jährlich Hunderter Termine teilweise fünfmal am Tag umziehen musste.
Dabei war jedes Outfit mit Bedacht gewählt. Sowohl Farben als auch die berühmten Broschen der Monarchin wurden den Staatsbesuchen angepasst. Bei Reisen nach Irland trug sie natürlich Grün, Rot in Kanada. Doch auch subtilere Botschaften schickte sie: Am ersten Todestag von Prinz Philip, dem 9. April dieses Jahres, kleidete sie sich - passend zu dessen offizieller Garderobenfarbe Dunkelgrün - ebenso in einem Mantelkleid in diesem Farbton.
Und auch zum ersten öffentlichen Auftritt nach der fünfmonatigen Corona-Isolation trat die Queen grün gewandet auf, was viele als ein Zeichen der Hoffnung interpretierten. Doch nicht nur Stimmungen, sondern auch Kulturen respektierte die Queen stets mit ihrer Garderobe. So lief sie etwa bei einem Tempelbesuch in Indien 1997 ohne Schuhe, sondern nur mit weißen Söckchen über den Teppich.
Fast nur britische Marken
Bei den Marken blieb sich die Königin treu: Ausschließlich englische kamen für die royalen Outfits in Frage - mit einer Ausnahme. Die Kopftücher mussten von der französischen Luxus-Marke Hermès sein.

Auch die königlichen Broschen wählte sie stets mit Bedacht - nicht ohne kleine Seitenhiebe. So trug sie etwa am ersten Tag des Staatsbesuchs des damaligen US-Präsidenten Donald Trump 2018 ausgerechnet eine Blumenbrosche, die ein Geschenk von Vorgänger Barack Obama und seiner Frau Michelle war.
Am Tag darauf empfing die britische Königin Trump und seine Frau Melania auf Schloss Windsor - und trug während eines 30-minütigen Smalltalks eine von ihrer Mutter geerbte Brosche, welche diese 1952 zur Beerdigung ihres Mannes trug - offensichtlich also ein Schmuckstück, das mit einem traurigen Anlass verknüpft ist.
Die Modeberaterin der Queen

Über ihre Outfits entschied die Queen aber nicht alleine. Modisch beraten wurde sie von Angela Kelly, die seit 1994 ihre Ankleiderin war und seit 2001 auch selbst für sie designte. Dank ihrer identischen Schuhgröße lief Kelly sogar die Schuhe der Königin ein. Sie nahm aber nicht nur die Rolle der modischen Beraterin ein, sondern galt auch als persönliche Assistentin, Vertraute und Freundin der Queen.
Und auch das Thema Nachhaltigkeit, heute in aller Munde, war der Queen nicht fremd. "Ihre Majestät ist immer sparsam und möchte, dass ihre Kleidung so oft wie möglich angepasst und recycelt wird", schreibt Kelly in ihrem Buch "The Other Side of the Coin: The Queen, the Dresser and the Wardrobe".
Unabhängig in Sachen Make-up
In Sachen Make-up dagegen blieb die Königin lieber unabhängig. Sie schminkte sich fast ausschließlich selbst, einzig und allein zu den Dreharbeiten für die jährliche Weihnachtsansprache ließ sie sich professionell stylen. Der Nagellack blieb seit dem Jahr 1989 der gleiche: ein dezent rosafarbener Lack der Firma Essie in der Farbe "Ballet Slippers". Und so strahlte die verstorbene Monarchin mit ihrer Kleidung vor allem das aus, was man von ihr erwartete: Beständigkeit - mit einer Prise Witz.