Seehofer auf Europa-Schmusekurs
MÜNCHEN Bei der Sitzordnung auf dem kleinen Parteitag hat die CSU ihre Europa-Gegner und -Befürworter strikt getrennt: Ganz links in der ersten Reihe sind Edmund Stoiber und Peter Gauweiler, die einst gemeinsam gegen das „Esperanto-Geld“ gekämpft haben, platziert. Ganz rechts haben Theo Waigel, der Vater des Euros, Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt und Landtagspräsidentin Barbara Stamm Platz genommen. In der Mitte der beiden Lager thront Parteichef Horst Seehofer. Der inszeniert sich jetzt als Kämpfer für Europa. „Wir haben uns schon ein bisserl darüber gewundert“, sagt einer aus dem CSU-Vorstand zur AZ.
In seiner Rede bricht Seehofer eine Lanze für Europa und schlägt nach seinem Trommelwirbel gegen Rumänen und Bulgaren nun leise Töne an. „Wir als christlich-soziale Union sind seit unseren Gründertagen eine Partei Europas“, säuselt er. „Eine Partei, die zu der Europäischen Union uneingeschränkt steht.“ Er schwört auf die EU: „Wir wollen Europa, wir stehen zu Europa. Wir stützen Europa.“
Bei seinem Spitzenkandidaten Markus Ferber war das nicht immer so. Den Chef der Schwaben-CSU und Gruppenchef im EU-Parlament wollte Seehofer nicht unbedingt. Bei der Euro-Krise um Griechenland hatte sich Ferber beim Kurs von Seehofer und Gauweiler quergelegt – und einen Kompromiss erzwungen.
Gerne hätte Seehofer dem aufmüpfigen Ferber auf der Europa-Wahlliste jemanden vor die Nase gesetzt. Dann aber brauchte er ihn, um Gauweiler zu seinem CSU-Vize zu machen. Dafür musste Ex-Justizministerin Beate Merk ihren Platz an der Parteispitze räumen. Weil sie aus Schwaben kommt, war das nur mit Ferbers Platz als Chef der Schwaben-CSU möglich.
Mit dem Wechsel des EU-Kritikers Gauweiler an seine Seite schlug Seehofer den Proeuropäer wieder als Spitzenkandidat für die Europa-Wahl vor. Mit einem Rekordergebnis von 98,3 Prozent stellten sich die CSU-Delegierten demonstrativ hinter Ferber. Strauß-Tochter Monika Hohlmeier, die beste Freundin von Seehofers Kronprinzessin Ilse Aigner, bekam auf Platz vier mit 87,9 Prozent eines der schlechtesten Ergebnisse.
Gleichzeitig tagte auch die eurokritische AfD. Sie zieht mit ihrem Parteichef Bernd Lucke und dem früheren BDI-Chef Hans-Olaf Henkel in die Europa-Wahl – und versucht, rechtsaußen zu fischen.