Prag prüft Scheuers kleinen Doktor
CSU-General bläst zuerst zur Attacke auf die Medien, rudert dann aber zurück.Seehofer: „Mein Generalsekretär hat meine totaleUnterstützung.“
MÜNCHEN Wenn CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer in Angriff übergeht, dann stellt er sich breitbeinig hin, wie Weltfußballer Ronaldo beim Freistoß. Gestern Morgen vor der CSU-Vorstandssitzung war so eine Situation für den Doch-nicht-Doktor. „Wenn man nachliest und die Sachen mehr als acht Jahre alt sind, dann wundert man sich schon über manche Darstellungen auf Titelseiten in epischer Breite“, griff er die Medien an, die über seine Titel-Affäre berichtet hatten.
Mittags schaltete er in den Rückwärtsgang. Denn strategisch gibt’s nichts Dümmeres in so einer Situation als zum Gegenangriff zu blasen. Die Prager Karls-Universität prüft jetzt die Plagiats-Vorwürfe gegen ihn. „Herr Scheuer muss darum nicht bitten, denn wir haben mit den Vorbereitungen bereits am Freitag begonnen“, sagte der Leiter des Instituts für politologische Studien, Petr Jüptner. Die Arbeit wird gerade digitalisiert und dann durch ein Plagiats-Programm geschossen. Jüptner: „Die Software kann die meisten Plagiate erkennen.“
Um die Wogen zu glätten, hatte die CSU spontan um 13.30 Uhr zu einer Sonder-Pressekonferenz mit dem General geladen. Scheuer mit weniger Gel im Haar als sonst ruderte zurück: „Ich mache keine Medienkritik.“
Seehofer aber wollte offenbar nicht mehr mit ihm vor die Mikrofone. Er wartete vor der Tür und trank gemütlich einen Cappuccino, bis Scheuer das Feld geräumt hatte. In der Vorstandssitzung hatte Seehofer gleich drei Mal erklärt, dass er zu Scheuer stehe. „Mein Generalsekretär hat meine totaleUnterstützung.“
Sein Schicksal hänge nun davon ab, ob sich die Plagiatsvorwürfe erhärten, heißt es.
Der Passauer hatte 2004 in Prag einen „kleinen Doktor“ erworben. Der Titel darf nur in Bayern und Berlin geführt werden. Als Indiz für ein mögliches Plagiat gilt, dass Scheuer sogar Fehler übernommen und Franz Josef Strauß mit Bindestrich geschrieben hat.