Kerry steckt Kurs in Irak-Krise ab

Angesichts der Isis-Offensive im Irak bemühen sich die USA in der Region um einen Ausweg aus der Krise.
dpa |
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Bagdad/Washington - Bei Gesprächen in Ägypten und Jordanien beriet US-Außenminister John Kerry über Wege, den Vormarsch der Islamistenmiliz zu stoppen, der den Irak ins schlimmste Chaos seit Jahren gestürzt hat. Kerry wollte danach auch nach Brüssel weiterreisen. Dort treffen sich die Nato-Außenminister am Dienstag und Mittwoch, um sich auch über die Situation in dem arabischen Land auszutauschen.

Die Isis-Miliz hatte am Wochenende mehrere Orte im Westirak eingenommen und ihre Machtposition dort ausgebaut. Das benachbarte Jordanien mobilisierte nach dem Vorrücken der Kämpfer der sunnitischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) die Streitkräfte an seiner Grenze. Das Königreich habe Dutzende Verbände entlang der Grenze aufgeboten, verlautete aus Militärkreisen in Amman. Berichten zufolge sollen Isis-Kämpfer die Stadt Rutba auf der Straße von Bagdad nach Amman und einen strategisch wichtigen Grenzübergang nach Jordanien eingenommen haben.

Kein Land sei vor dieser Art von Terror sicher, sagte Kerry am Sonntag bei seinem Besuch in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Er verwies dabei zugleich auf die Unzufriedenheit der Sunniten, Kurden und auch einiger Schiiten mit der Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Zur Lösung der Krise müssten konfessionelle Interessen in den Hintergrund rücken, mahnte Kerry.

Die Feindschaft zwischen den muslimischen Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten hat im Irak eine lange Tradition. Ex-Diktator Saddam Hussein, ein Sunnit, hatte die schiitische Mehrheit im Land diskriminiert. Nach seinem Sturz 2003 verloren die sunnitischen Stämme Macht und Einfluss. Nach dem US-Abzug 2011 entbrannte der Machtkampf aufs Neue. Die von Schiiten dominierte Al-Maliki-Regierung hält Sunniten seit Jahren von wichtigen politischen Posten fern.

Die Außenminister der 28 EU-Staaten wollen am Montag in Luxemburg die Gewalt der Islamisten verurteilen und eine Regierung fordern, in der Sunniten und Schiiten gleichermaßen vertreten sind. "Unsere Möglichkeiten der Einflussnahme sind begrenzt", sagte ein Diplomat.

Sunnitische Terrorgruppen wie Isis kämpfen gegen Schiiten, die sie als "Abweichler" von der wahren Lehre des Islams ansehen. Die Isis-Kämpfer verbreiten derzeit Angst und Schrecken in der Region. Hunderttausende sind vor ihnen auf der Flucht.

Die Bundesregierung hatte in den vergangenen beiden Jahren für Flüchtlingshilfe in der Region mehr als 500 Millionen Euro eingesetzt. Nun soll diese Hilfe verstärkt werden. "Angesichts der aktuellen Dramatik will ich in der kommenden Woche im Rahmen der Haushaltsberatungen die Sondermaßnahmen für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak verstärken - und dafür voraussichtlich weitere 50 Millionen Euro bereitstellen", kündigte Entwicklungsminister Müller in der "Welt am Sonntag" an.

Von der syrischen Provinz Rakka aus waren die Isis-Kämpfer vor einigen Monaten ins westirakische Anbar gekommen. In der Stadt Falludscha setzten sie sich im Januar fest, eroberten Waffendepots der irakischen Armee und hielten Angriffen der Regierungstruppen stand. Vor eineinhalb Wochen nahmen sie die Millionenstadt Mossul ein und zogen dann rasch weiter in Richtung Bagdad. Inzwischen haben die Islamisten große Landstriche im Norden und Westen des Iraks unter ihrer Kontrolle.

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