Käßmann fühlt sich von Guttenberg verstanden
«Wir hatten gar nicht so viele Meinungsverschiedenheiten», sagt die oberste deutsche Protestantin Käßmann nach einem Gespräch mit Verteidigungsminister zu Guttenberg. Sie bleibt jedoch bei ihrer Haltung zu Afghanistan. Nun soll sie auf Einladung des Ministers dorthin reisen.
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hält an ihrer Kritik am Afghanistan-Einsatz auch nach ihrem Treffen mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg fest. Sie sagte am Montagabend im «heute journal» des ZDF: «Für mich hat sich die Einstellung nicht geändert, weil wir seit 2007 als evangelische Kirche ganz klar sagen, es kann nicht um einen gerechten Krieg gehen, sondern um einen gerechten Frieden.» Die Kriterien müssten ganz klar sein, dass das Militärische nur dazu dienen könne, den zivilen Aufbau zu stärken, betonte die Bischöfin von Hannover. «Und wir haben die große Sorge, dass das Zivile dabei in den Hintergrund tritt.» Auch in der ARD-Sendung «Beckmann» äußerte sich Käßmann zu ihrer ihrer kritisierten Neujahrspredigt: «Ich würde sie noch mal so halten, weil ich sie in aller Freiheit so gehalten habe und voll hinter dem Wortlaut stehe.» Sie habe «eine sehr seelsorgerische Predigt mit einer kleinen Passage zum politischen gesellschaftlichen Geschehen» gehalten, sagte Käßmann. «Die ist mir um die Ohren gehauen worden, dies habe ich nicht vorhergesehen, aber ich stehe zu dem, was ich gesagt habe.»
Einladung an den Hindukusch
Die hannoversche Landesbischöfin war mit ihrer Kritik bei Union und SPD sowie dem Bundeswehrverband auf Ablehnung gestoßen. Der Verteidigungsminister hatte Käßmann nach einem Gespräch am Montag zu einem Truppenbesuch am Hindukusch eingeladen. Die Theologin soll auch zur Führungsakademie der Bundeswehr nach Hamburg kommen, während der Minister eine Akademietagung der Evangelischen Kirche besucht. Zum Gespräch mit Guttenberg sagte Käßmann in der Sendung: «Wir hatten gar nicht so viele Meinungsverschiedenheiten. Herr zu Guttenberg ist katholischer Christ und hat sehr wohl verstanden, was ich als evangelische Christin und auch als Bischöfin gesagt habe: Es muss für uns immer einen Vorrang für Zivil geben.» (dpa/apn)