JU sagt Nein zur Homo-Ehe: "Ich finde das wirklich schade"

Das JU-Mitglied Patrick Slapal, Mitbegründer des lesbisch-schwulen Netzwerkes in der CSU, findet die Entscheidung der JU sehr schade.
AZ: Herr Slapal, was sagen Sie zu der Entscheidung der JU?
PATRICK SLAPAL: Ich finde es natürlich sehr schade, dass sich 57 Prozent gegen die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe entschieden haben.
Haben Sie mit diesem Ergebnis gerechnet?
Sagen wir so: Ich war mir sicher, dass die JU nicht so konservativ sein wird und einen Schritt zurückmacht, indem sie für den Vorschlag stimmt, dass die Ehe zwischen Mann und Frau das klare Leitbild der JU bleiben soll.
Die Entscheidung fiel für den Mittelweg, der gleichgeschlechtliche Partnerschaften in die Nähe der Ehe rückt.
Genau. Dem kann ich auch durchaus auch etwas Positives abgewinnen, weil ich gewisse Fortschritte herauslesen kann.
Zum Beispiel? Die zivilrechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften, oder dass Liebe und Verantwortung die Grundlage für Familie sind.
Aber hätten sie von der JU nicht mehr erwartet? Schließlich ist das die junge Truppe der CSU.
Ja schon. Aber auch innerhalb der Jungen Union gibt es noch immer viele rückwärtsgewandt Leute, die den Kern der Gesellschaft bedroht sehen, wenn man das Recht auf Ehe nicht mehr nur Mann und Frau zuspricht.
Ist die CSU hier einfach noch nicht so weit?
Grundsätzlich ist unsere Partei nicht besonders fortschrittlich, wenn es um das Thema Homosexualität geht. Aber ich weiß, dass sehr viele unserer Mitglieder es sind. Viele haben Freunden, Bekannte oder auch Familienmitgliedern, die homosexuell sind. Allein dass rund um das Thema eine Diskussionskultur entstanden ist, ist ein Fortschritt.
Was würden Sie sich von ihrer Partei wünschen?
Dass sie sich mehr öffnet und auch konservative Mitglieder endlich aus ihrer Filter-Blase herauskommen und sehen, wie die wirkliche Welt des 21. Jahrhunderts funktioniert. Wir schleppen noch immer viel zu viel alten Ballast mit herum, der unserer Partei schadet.
Haben Sie da ein Beispiel?
Nehmen wir nur die aktuelle Diskussion um den Paragrafen 175 (der Homosexualität unter Strafe stellte, d. Red). Dass in der CSU überhaupt noch diskutiert wird, ob wirklich alle wegen dieses Paragrafen Verurteilten rehabilitiert werden sollen, grenzt schon fast an Peinlichkeit.