Im Kosovo festgenommen: Tollpatschige Agenten?
Die Bundesregierung nennt Vorwürfe gegen drei Deutsche, sie hätten sich an einem Terroranschlag beteiligt, absurd. Details werden aber keine preis gegeben
BERLIN/PRISTINA „Sehr ungeschickt“, „dilettantisch“, „tollpatschig“: So bezeichnen Insider des Bundesnachrichtendienstes (BND) die Observation der drei mutmaßlichen BND-Mitarbeiter im Kosovo. Die Bundesregierung hat im Fall der Festnahme der drei Männer nach einem Sprengstoffanschlag jegliche Mittäterschaft deutscher Behörden an der Attacke ausgeschlossen. Die Vorstellung, dass „deutsche staatliche Stellen“ in terroristische Anschläge im Ausland verwickelt sein könnten, sei „absurd“ und „abwegig“, sagte der Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.
In der kosovarischen Hauptstadt Pristina waren am vergangenen Mittwoch drei Deutsche von einer Anti-Terror-Einheit festgenommen worden (AZ berichtete). Sie sollen Agenten des BND sein und befinden sich seit Samstag in 30-tägiger Untersuchungshaft. Mit einer Sonderbehandlung dürfen sie nicht rechnen. „Vor dem Gesetz sind alle gleich, niemand steht über dem Gesetz, unabhängig von seinem nationalen Hintergrund“, sagte Kosovo-Regierungschef Hashim Thaci.
Die drei werden verdächtigt, an einem Sprengstoffanschlag auf die EU-Vertretung in Pristina beteiligt gewesen zu sein. Sprecher Steg machte keine näheren Angaben zu den Deutschen, sondern verwies erneut auf ein „laufendes Ermittlungsverfahren“.
Die Männer beteuerten in Verhören ihre Unschuld und gaben an, lediglich den Tatort des Anschlags inspiziert zu haben. Offiziell äußerte sich der BND nicht zu der Angelegenheit. Die bilateralen Beziehungen zum Kosovo sieht die Bundesregierung durch die Festnahmen nicht beeinträchtigt. Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Jens Plötner, sprach von guten und vertrauensvollen Beziehungen. Er rechne mit einer guten Zusammenarbeit bei der Aufklärung.