Gustl Mollath bei Beckmann: Abrechnung mit Merk

Vor gut einer Woche wurde er aus der Psychiatrie entlassen. Am Donnerstagabend gab die ARD-Talkshow „Beckmann“ Gustl Mollath die Gelegenheit, seinen Fall vor einem Millionenpublikum zu präsentieren.
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TV-Moderator Reinhold Beckmann während der Aufzeichnung der Sendung "Beckmann" im Fernsehstudio in Hamburg.
dpa TV-Moderator Reinhold Beckmann während der Aufzeichnung der Sendung "Beckmann" im Fernsehstudio in Hamburg.

Nürnberg/Berlin – Der sieben Jahre gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebrachte Gustl Mollath hat die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) erneut scharf kritisiert. In der ARD-Talkshow „Beckmann“ warf er der Ministerin vor, sich in Widersprüche verstrickt zu haben. „Ich sag' es, wie es ist, auch wenn das jetzt unverschämt klingt: Da ist Hopfen und Malz verloren“, sagte Mollath. „Die Statements, die sie vor einem Jahr über meine Person abgegeben hat und meinen Fall, sind über 180 Grad konträr zu dem, was sie heute zum Besten gibt.“

Mollath war 2006 als gemeingefährlich in die Psychiatrie eingewiesen und vor gut einer Woche entlassen worden. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte auf eine Beschwerde seines Anwalts hin zugleich angeordnet, das Verfahren gegen den 56-Jährigen Maschinenbauer in Regensburg neu aufzurollen. Mit der Aufhebung eines früheren Urteils kam Mollath noch am selben Tag frei.

Mollath stellte in der TV-Talkshow zugleich das System der psychiatrischen Begutachtung infrage. Ob er im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens seinen Geisteszustand begutachten lasse, sei noch unklar. „Wenn ich mich begutachten lasse, dann muss sicher sein, dass das auf wissenschaftlicher und objektiver Grundlage passiert“. Auf jedem Fall müsse er dem Gutachter vertrauen. „Und das ganze Begutachtungsverfahren muss in Wort und Bild aufgezeichnet werden“, sagte er.

Sein Anwalt Gerhard Strate erklärte hingegen in der TV-Talkshow, er rate seinem Mandanten davon ab, „weil ich das nicht für notwendig halte“. Er gehe ohnedies davon aus, dass das Gericht in dem Wiederaufnahmeverfahren auf ein solches psychiatrisches Gutachten verzichten werde. „Ohne der Regensburger Kammer zu nahe treten zu wollen, gehe ich davon aus, dass das Gericht versuchen wird, sich in dem Fall rasch davonzustehlen und nicht erst mit einem Gutachten kommen wird“, sagte der Mollath-Verteidiger. Das ganze werde ein relativ kurzer Prozess werden. Mit dem Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens rechnet Strate bis Ende des Jahres.

 

 

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