FDP zurück im Bundestag: Mit Kurs auf Jamaika

Christian Lindner führt als Zugpferd die FDP mit über zehn Prozent der Stimmen zurück in den Bundestag – und schimpft auf den SPD-Vorsitzenden Martin Schulz.
Berlin - Nach dem 2013-Debakel, als die FDP mit 4,8 Prozent der Stimmen und einem Minus von 9,8 Prozentpunkten die große Verliererin gewesen ist, sollte Christian Lindner die Partei zurück in den Bundestag und in die politische Bedeutung führen. Das Experiment war spannend und ging mit 10,6 Prozent überaus glücklich aus für die Liberalen.
Denn: Wie keine andere Partei hatte die FDP einen Ein-Mann-Wahlkampf betrieben. Es gab Lindner, den 38-jährigen Jungdynamiker aus dem Bergischen Land, omnipräsent in allen Medien (auch in der AZ) – und sonst praktisch niemand, außer Nordlicht Wolfgang Kubicki vielleicht. Lindner ist ein blendender Rhetoriker, der die meisten seiner politischen Kontrahenten in den zahllosen Talkshows an die Wand redete. Dass er durchaus Charisma besitzt und noch dazu attraktiv ist, hat ihm sicher auch nicht geschadet.
Christian Lindner: Außenminister in "Jamaika"?
Besonders interessant an der FDP war aber vor allem die Art, wie sie ihren Vorsitzenden in der Wahlwerbung präsentierte: Schwarz-Weiß-Porträts von Lindner auf grauem Hintergrund und die jeweilige Botschaft in Pink.
Was kommt jetzt? Lindner hat im Wahlkampf immer wieder betont, die Grünen keinesfalls als Koalitionspartner akzeptieren zu wollen. Aber die Rolle des ersten Juniorpartners in einem Jamaika-Bündnis könnte ihm vielleicht doch schmecken. Außenminister? Es gibt schlechtere Jobs! Noch mehr werden ihm Ambitionen aufs Finanzministerium nachgesagt.
„Wir sind nicht zum Regieren verdammt“, sagte Lindner am Sonntagabend - und nahm Martin Schulz in die Mangel. Der SPD-Chef hatte gesagt, Jamaika sei eine Koalition der Lähmung. „Das heißt, Sie nehmen eine schlechte Regierung aus Ihrer Sicht in Kauf. Eine solche Haltung, für die hätte sich Helmut Schmidt geschämt“, schimpft Lindner auf Schulz.
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