Brutal abserviert
Dummheit gehört bestraft, heißt es, und selten passte das Sprichwort so gut wie im Fall des gefeuerten Umweltministers Norbert Röttgen. Dem Mann stand alles offen, sogar als Kanzler wurde er gehandelt. Und jetzt ist er weg.
Ihm sind gleich zwei für einen Polit-Profi unbegreifliche Fehler unterlaufen: Erst lehnte er den Oppositions-Job in NRW ab, dann bezeichnete er die Wahl als Abstimmung über die Europa-Politik der Kanzlerin – und machte seine Niederlage damit zu ihrer. Es war zu erwarten, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich das nicht gefallen lässt. Und es gibt nicht wenige in seiner Partei, die den als streberhaft geltenden Röttgen gerne stürzen sehen.
Dabei hatte er als Bundesminister keine schlechte Arbeit geleistet. Zudem repräsentierte Röttgen eine moderne CDU, die sich gegenüber den Grünen öffnet. Die Energiewende war bei ihm keine strategische Finte (wie bei seinem früheren Amtskollegen Markus Söder), sondern entsprach seiner Überzeugung. Dass Merkel ihn nun brutal abserviert hat, spricht für ihre Autorität, aber es könnte sich auch gegen sie wenden: Wer so mit einem langjährigen Vertrauten umspringt, bekommt Loyalitäts-Probleme. Die muss sie bei Peter Altmaier, dem neuen Bundesumweltminister, nicht befürchten. Der Mann ist ein kluger Kopf und gehört zum engsten Kreis der Kanzlerin. Zumindest, bis er irgendwann einen Fehler macht.
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