Berliner Terroranschlag: Opferbeauftragter weiter gefragt

Der Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche vor zwei Jahren hat nach Ansicht des Opferschutzbeauftragten Edgar Franke eine Zäsur in Deutschland dargestellt.
dpa |
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Am 19. Dezember 2016 war der Terrorist Anis Amri mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Er tötete 12 Menschen und verletzte mehr als 70 teils schwer.
Bernd von Jutrczenka/dpa Am 19. Dezember 2016 war der Terrorist Anis Amri mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Er tötete 12 Menschen und verletzte mehr als 70 teils schwer.

Berlin - Der Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche vor zwei Jahren hat nach Ansicht des Opferschutzbeauftragten Edgar Franke eine Zäsur in Deutschland dargestellt.

"Es war für die Politik ein Lernprozess, Menschen zu betreuen, die wirklich schwer traumatisiert waren", sagte Franke der Deutschen Presse-Agentur. Anders als Frankreich, Spanien, Großbritannien, Israel oder die USA, die schon früher leidvolle Erfahrungen mit Terror gemacht hätten, habe Deutschland diese Strukturen erst entwickeln müssen - auch auf emotionaler Ebene. "Das hat alles Zeit gebraucht."

Am 19. Dezember 2016 war der Terrorist Anis Amri mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Er tötete 12 Menschen und verletzte mehr als 70 teils schwer. Mehr als 170 Verwandte von Todesopfern und Verletzten haben nach offiziellen Angaben bislang insgesamt knapp 3,8 Millionen Euro Entschädigungszahlungen erhalten. Franke hatte das neu eingerichtete Amt eines ständigen Opferbeauftragten der Bundesregierung im April übernommen. Der 58-Jährige folgte auf Kurt Beck.

Franke zufolge gibt es Opfer, die aufgrund ihrer Verletzungen rund um die Uhr gepflegt werden müssten. Auch Häuser mussten behindertengerecht umgebaut werden. In solchen Fällen kämen hohe Summen schnell zusammen. Die höchste aus dem Härtefonds ausgezahlte Summe betrage 350.000 Euro, sagte Franke. "Doch die große Mehrzahl der Fälle sind psychische Traumatisierungen. Menschen haben zum Beispiel Angst, mit dem Auto zu fahren. Oder sie haben ihren Beruf wiederaufgenommen und dann gemerkt, dass sie das nicht schaffen."

Franke hatte erwartet, dass das Bedürfnis der Betroffenen nach Kontakt zur Politik mit der Zeit abnimmt. "Aber das war nicht so. Es gab ganz viele Treffen", berichtete er. "Oftmals brauchen Menschen auch jetzt noch jemanden, der ihre Geschichte hört, auch mehrere Stunden lang. Ein Repräsentant des Staates. Das ist für viele wirklich wichtig."

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