Wirecard-Prozess: Kronzeuge attackiert Braun

Ein Duell unter Angeklagten: Im Wirecard-Prozess bringen sich der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft und der frühere Vorstandschef Braun gegenseitig in Misskredit.
dpa |
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Markus Braun, früherer Wirecard-Vorstandschef.
Markus Braun, früherer Wirecard-Vorstandschef. © Matthias Balk/dpa
München

Im Münchner Wirecard-Prozess hat die Auseinandersetzung zwischen dem Kronzeugen der Staatsanwaltschaft und dem früheren Vorstandschef Markus Braun ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Der bis zum Kollaps des Skandalkonzerns 2020 in Dubai für Wirecard tätige Manager Oliver Bellenhaus setzte sich am Montag gegen die Vorwürfe von Brauns Verteidigern zur Wehr und brachte seinerseits schwere Anschuldigungen vor: "Es stellt sich die Frage, ob Herr Dr. Braun die letzten 20 Jahre taub und blind in der Wirecard verbrachte", sagte Bellenhaus am 74. Prozesstag.

Nach Darstellung der Verteidigung Brauns sollen der seit 2020 untergetauchte Vertriebsvorstand Jan Marsalek, Bellenhaus und Komplizen über ein Schattengeflecht von Firmen an die zwei Milliarden Euro veruntreut haben, die eigentlich dem Konzern zugestanden hätten. Braun wusste demnach von den Aktivitäten dieser kriminellen Bande im Unternehmen nichts.

Bellenhaus nannte diese Darstellung seinerseits "abwegig". "Belege dafür finden sich nicht", sagte der Manager, der ebenso wie Braun seit über drei Jahren in Untersuchungshaft sitzt. "Hier wird vor allem ein Krieg um die öffentliche Meinung geführt." In seiner Stellungnahme warf Bellenhaus Brauns Verteidigern vor, vielfach falsch gerechnet zu haben. "Worin läge das Motiv, eine solche Schattenstruktur aufzubauen und über ein Jahrzehnt am Laufen zu halten", sagte der Kronzeuge.

Bellenhaus ist der einzige der drei Angeklagten, der ein Geständnis abgelegt hat. Laut Anklage waren sowohl Braun als auch Bellenhaus Mitglieder der kriminellen Wirecard-Bande. Sie sollen seit 2015 die Wirecard-Bilanzen gefälscht und kreditgebende Banken um 3,1 Milliarden Euro geschädigt haben.

Brauns Verteidiger sprechen jedoch Bellenhaus jede Glaubwürdigkeit ab: "Eine kreative Aneinanderreihung von Nebelkerzen", sagte Anwalt Alfred Dierlamm im Anschluss zu Bellenhaus' Ausführungen. "Wir werden dazu detailliert Stellung nehmen." Die Entscheidung des Gerichts über die Beweisanträge der Braun-Verteidiger steht nach wie vor aus.

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