Mord in Tiefgarage: Angeklagter erneut freigesprochen
Nürnberg - Der gewaltsame Tod einer jungen Arzthelferin in einer Tiefgarage in Erlangen bleibt ungeklärt - am Donnerstag sprach das Landgericht Nürnberg-Fürth einen 47-Jährigen im dritten Verfahren erneut vom Mordvorwurf frei.
"Nach dem Grundsatz: in dubio pro reo (im Zweifel für den Angeklagten)", sagte Richter Stephan Popp in seiner Urteilsbegründung. "Es gibt zwei, drei Indizien, die aber eine Verurteilung wegen Mordes nicht rechtfertigen." Auf der anderen Seite gebe es viele Aspekte, die den Angeklagten entlasteten, führte Popp aus. Die meisten offenen Fragen seien jedoch weiterhin ungeklärt. Es war bereits die dritte Auflage des aufwendigen Indizienprozesses.
Das Urteil war keine Überraschung mehr, nachdem am Vortag auch die Staatsanwaltschaft aus Mangel an Beweisen Freispruch gefordert hatte. Die Anklagebehörde war ursprünglich davon ausgegangen, dass der Landschaftsgärtner die Patentante seiner Tochter mit mehreren Messerstichen umgebracht hatte, um den sexuellen Missbrauch seiner Tochter zu vertuschen. Das Mädchen hatte sich am nächsten Tag mit der 27-Jährigen treffen wollen - möglicherweise, um sich ihr anzuvertrauen.
Anfang 2010 wurde der Angeklagte jedoch in einem ersten Prozess vom Mordvorwurf freigesprochen, aber wegen des Missbrauchs seiner Tochter zu vier Jahren Haft verurteilt. Daraufhin legten alle Prozessbeteiligten Revision ein, der Bundesgerichtshof verwies den Fall zurück nach Nürnberg. Der zweite Prozess platzte im Herbst 2011 nach wenigen Tagen, als bekannt wurde, dass der Staatsanwaltschaft neue, der Verteidigung unbekannte Beweise vorlagen.
In seiner gut eineinhalbstündigen Urteilsbegründung ging der Richter am Donnerstag ausführlich auf die vorliegenden Indizien ein, darunter DNA-Spuren unter den Nägeln, auf der Kleidung und dem Schmuck des Opfers. "Kein einziger Hinweis auf den Angeklagten", resümierte Popp. Auch die Reifenspuren am Tatort gehörten nicht zum Auto des 47-Jährigen. "Wir haben nichts." Der zuständige Staatsanwalt kündigte deshalb an, keine weiteren Rechtsmittel einzulegen. Die Anwältin der Nebenklage, die die Eltern und die Tochter des Opfers vertritt, behielt sich diese Möglichkeit vor.
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