Medien: 35 tote Geiseln
Algerische Islamisten nehmen auf einem Gasfeld in der Sahara westliche Ausländer gefangen, um ein Ende der Mali-Offensive zu erpressen. Ein Befreiungsversuch endet katastrophal
ALGIER Eine algerische Militäraktion zur Befreiung von Geiseln aus der Hand von Islamisten ist mit einem Blutbad zu Ende gegangen. Hubschrauber und Bodentruppen griffen gestern ein Terrorkommando an, das sich seit Mittwoch mit mehreren Dutzend ausländischen Geiseln auf einem Erdgasfeld im Osten Algeriens verschanzt hielt. Dabei gab es Medienberichten zufolge zahlreiche Tote, mehrere ausländische Arbeiter konnten befreit werden.
Nach Darstellung der Terroristen wurden allein bei Luftschlägen des Militärs 35 Geiseln und 15 Kidnapper getötet. Zu den Zahlen der Opfer gab es sehr widersprüchliche Angaben – je nach Quelle. Die Terroristen hatten am Mittwoch das Gasfeld „In Amenas“ gestürmt und mehrere Dutzend westliche Arbeiter in ihre Gewalt gebracht. Die Gruppe, die laut algerischer Regierung von dem einäugigen Islamisten Mokhtar Belmokhtar angeführt wurde, forderte ein Ende des französischen Einsatzes in Mali.
Die algerische Regierung hatte Verhandlungen aber von Anfang an strikt abgelehnt. Offenbar ohne Rücksprache mit westlichen Regierungen startete Algerien dann gestern den Militärangriff auf die Anlage im Osten des Landes. Nach Informationen der algerischen Nachrichtenagentur APS konnten zunächst vier ausländische Geiseln befreit werden. Rund 200 algerischen Arbeitern soll während der Hubschrauberangriffe die Flucht gelungen sein.
Die überlebenden Islamisten hielten sich angeblich bis zum Abend mit mehreren Geiseln auf dem Gelände verschanzt. Hinter der Geiselnahme steht offenbar die Organisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI). Die Armee versuchte, das Gelände zu stürmen. Ein Sprecher der Islamisten drohte im Gespräch mit ANI damit, auch die verbliebenen Geiseln zu töten. Am Abend meldete der staatliche Rundfunk dann, das Militär habe die Operation beendet. Dabei habe es Tote gegeben.
Der Hergang der Aktion und die tatsächliche Zahl der Opfer blieben aber vorerst unklar. Die Islamisten hatten am Mittwoch damit gedroht, die ausländischen Geiseln – nach ihren Angaben 41 Arbeiter – im Fall eines Militärangriffs zu töten. Laut Fernsehsender Ennahar hatten zuvor 15 Ausländer entkommen können, darunter ein französisches Paar. Eine irische Geisel, ein 36 Jahre alte Familienvater, meldete sich am Nachmittag bei seiner Familie in Belfast, wie das irische Außenministerium in Dublin mitteile. Der Mann sei „sicher und wohlauf“.
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