Kölner Stadtarchiv: Das Gedächtnis der Gesellschaft

Der Versicherungswert des Kölner Stadtarchivs beträgt 400 Millionen – doch der Verlust ist unschätzbar. Einige der Dokumente sind unbezahlbar.
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René Böll mit dem Abitur-Zeugnis seines Vaters, des Schriftstellers Heinrich Böll. Es wurde im Stadtarchiv verschüttet.
dpa René Böll mit dem Abitur-Zeugnis seines Vaters, des Schriftstellers Heinrich Böll. Es wurde im Stadtarchiv verschüttet.

Der Versicherungswert des Kölner Stadtarchivs beträgt 400 Millionen – doch der Verlust ist unschätzbar. Einige der Dokumente sind unbezahlbar.

Der Verlust unter den Trümmern des Stadtarchivs ist noch gar zu ermessen. Der Versicherungswert liegt bei 400 Millionen, doch für die Historiker sind einige der 65000 Dokumente unbezahlbar. Das Abiturzeugnis von Heinrich Böll, ein Grundstücksvertrag von 922 und unwiderbringliche Ratsprotokolle aus dem Mittelalter sind verschüttet.

„Das Gedächtnis eines der ältesten bürgerlichen Gemeinschaften der Welt“ liegt in Trümmern, wie der langjährige Bibliotheksleiter Eberhard Illner sagt. Zwei Regenplanen sollen verhindern, dass Wasser auf die Bestände unter dem Beton weiter beschädigt. Handschriften von Karl Marx und Friedrich Engels, Edikte von Ludwig XIV. und Befehle von Napoleon aus der Zeit, als Köln französisch war, liegen im Schutt - Fachleute beklagen den Verlust des größten und vollständigste kommunalen Archivs nördlich der Alpen. Nur die Jahrgänge zwischen 1927 und 1945 fehlen, weil sie im Rathauskeller ausgelagert waren und bei einem Bombenangriff zerstört wurden.

„Nur Lübeck und Nürnberg haben vergleichbare Archive von deutschen Fernhandelsstädten“, sagt der Historiker Johannes Fried. Der Spezialist fürs Mittelalter beschreibt den Wert vollständiger Unterlagen: Nur in dieser einen Bibliothek gebe es Belege für weibliches Unternehmertum im Mittelalter. So habe es geschäftlich erfolgreiche Seidenweberinnen gegeben. „Der ganze wertvolle Kleinkram über die Alltags- und Sozialgeschichte“ sei in dem Archiv.

Die Mehrheit historischer Dokumente in Deutschland ist längst nicht digitalisiert. Das sei wünschenswert, allerdings aufwändig, sagt der Professor.

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