Fall Tugce: Verteidiger von Sanel M. kündigt Revision an

Darmstadt - Die Verteidigung von Sanel M. will das Urteil im Tugce-Prozess anfechten. "Wir werden in Revision gehen", sagte sein Anwalt Heinz-Jürgen Borowsky am Dienstag vor dem Landgericht Darmstadt.
Man halte die Begründung des Gerichts nicht für überzeugend, es hätte bessere Möglichkeiten für Sanel M. gegeben, als ihn jetzt im Gefängnis wegzusperren.
Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe gefordert. Das Gericht verurteilte Sanel M. wegen Körperverletzung mit Todesfolge aber zu drei Jahren Jugendgefängnis.
Sanel M. hatte Tugce im vergangenen November auf dem Parkplatz eines Offenbacher Schnellrestaurants einen Schlag versetzt. Die damals 22-jährige Lehramtsstudentin schlug auf den Boden auf und zog sich schwerste Kopfverletzungen zu, an denen sie später starb.
Aggression vor und nach dem Urteil
Nach dem Urteil soll es bei einer Mahnwache für die tote Studentin zu Aggressionen gekommen sein. Mehrere Frauen hätten auf die Plakate mit Tugces Foto gespuckt und Beleidigungen ausgesprochen, berichteten Verwandte von Tugce.
Sie hatten am Dienstag vor dem Gerichtsgebäude in Darmstadt mit Kerzen, Fotos und schwarzen Blumen an die 22-Jährige erinnert, während Richter Jens Aßling im Gerichtssaal das Urteil gegen Sanel M. begründete.
Bereits vor dem Urteil war es im Gerichtsgebäude unter den wartenden Zuschauern zu einem Tumult gekommen. Es gab Beleidigungen und Rangeleien.