Defektes Gaspedal: Toyota rast in die Krise

Eine weltweite Pannenserie kostet den Branchenprimus mindestens 150 Millionen Euro. Der Verlust von Marktanteilen und Vertrauen ist noch gar nicht zu ermessen. Nun ruft Toyota auch in Europa 1,8 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten.
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Toyota ruft Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurück
dpa Toyota ruft Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurück

WASHINGTON - Eine weltweite Pannenserie kostet den Branchenprimus mindestens 150 Millionen Euro. Der Verlust von Marktanteilen und Vertrauen ist noch gar nicht zu ermessen. Nun ruft Toyota auch in Europa 1,8 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten.

Der Rückruf von Millionen Toyotas hat Europa erreicht: Der japanische Autobauer muss auch hier bis zu 1,8 Millionen Fahrzeuge wegen Problemen mit klemmenden Gaspedalen in die Werkstätten holen. Wie viele Wagen in Deutschland betroffen sind, konnte ein Sprecher von Toyota Deutschland am Freitag zunächst nicht sagen. Betroffen sind unterschiedliche Baujahre der Modelle AYGO, iQ, Yaris, Auris, Corolla, Verso, Avensis und RAV4.

Die Halter betroffener Fahrzeuge in Deutschland bekommen in den nächsten Tagen einen Brief des Kraftfahrtbundesamtes, in dem sie über den Rückruf informiert und gebeten würden, eine Toyota-Werkstatt aufzusuchen. Dort werde das Gaspedal repariert oder ausgetauscht, hieß es.

In den USA sind 2,3 Millionen Autos betroffen

Das Problem mit den Pedalen entwickelt sich für den weltgrößten Autobauer zu einem außerordentlichen Debakel. In der vergangenen Woche hatte Toyota einräumen müssen, dass in 2,3 Millionen amerikanischen Autos Gaspedale in der durchgetretenen Stellung festhängen bleiben können. Daraufhin stoppte das Unternehmen den Verkauf der betroffenen Modelle in den USA.

Mittlerweile hat der Konzern den Grund für die Probleme gefunden und arbeitet mit dem Zulieferer CTS an einer Lösung, um die Reparatur zügig zu bewerkstelligen. Für Autos, die gerade produziert werden, stehen bereits modifizierte Gaspedale zur Verfügung.

Noch weitere Rückrufaktionen

Toyotas einst so glänzendes Image ist im Moment ziemlich angekratzt: Am Mittwoch musste der Autobauer auch noch eine frühere Rückrufaktion auf weitere 1,1 Millionen Fahrzeuge ausweiten. Fußmatten drohen sich derart mit den Pedalen zu verkeilen, dass der Wagen unkontrolliert beschleunigt. Wegen dieses Problems hatte Toyota bereits im vergangenen Jahr 4,2 Millionen Autos zurückgerufen.

In den USA wird sich Toyota wegen der Probleme vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses verantworten. „Genauso wie viele Kunden bin ich besorgt über die Schwere und den Umfang der jüngsten Rückruf- Ankündigungen von Toyota“, sagte der Vorsitzende des Energie- und Handelsausschusses, Henry Waxman. Er wolle mehr über die Hintergründe der Defekte erfahren und wie Toyota damit umgehe.

"Zwar war unser Treffen mit Toyota gestern hilfreich, doch es bleiben Fragen“, ergänzte der Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses, Bart Stupak. „Vorfälle mit klemmenden Gaspedalen bei Toyota-Autos ziehen sich über eine Dekade hin und haben zu einer unverhältnismäßig hohen Anzahl an Toten geführt.“ Die Anhörung ist für den 25. Februar angesetzt. Dabei soll vor allem geklärt werden, seit wann Toyota von den Problemen wusste.

Nach Angaben des Ausschusses, der sich auf Daten der US-Behörde für Straßensicherheit beruft, sollen bereits 19 Menschen durch unvermitteltes Beschleunigen in Toyota-Autos ihr Leben verloren haben - mehr als doppelt so viele wie bei allen anderen Herstellern zusammen. Japanische Politiker fürchten bereits, dass die gesamte Autoindustrie des Landes Schaden nimmt. (dpa)

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