"Ude ist ein Meister der Lüge"

Kultusminister Ludwig Spaenle geht auf den SPD-Rivalen los – und schockiert mit der Härte seiner Tiraden sogar die Parteifreunde.
Angela Böhm |
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Christian Ude (rechts) lässt sich bei der SPD schon mal als Spitzenkandidat für 2013 feiern. Ludwig Spaenle (CSU) nimmt Ude ins Visier: "Wir müssen ihn Punkt für Punkt widerlegen."
AZ/Gregor Feindt/dpa Christian Ude (rechts) lässt sich bei der SPD schon mal als Spitzenkandidat für 2013 feiern. Ludwig Spaenle (CSU) nimmt Ude ins Visier: "Wir müssen ihn Punkt für Punkt widerlegen."

München - Nach der Krönungsmesse von OB Christian Ude am Wochenende (AZ berichtete) liegen jetzt die Nerven bei den Christsozialen blank.

Münchens CSU-Chef und Kultusminister Ludwig Spaenle setzte gestern vor der Parteispitze zu einem gewaltigen Rundumschlag gegen den Herausforderer von Ministerpräsident Horst Seehofer an. „Ude ist ein Meister des Täuschens und der Lüge“, polterte Spaenle in einer Polemik und Aggressivität, die manchen im CSU-Vorstand schockierte. Er warf dem SPD-OB „Eitelkeit“ vor und forderte die CSU-Spitze auf: „Wir müssen ihn Punkt für Punkt widerlegen.“

Dass es München so gut geht sei dem Freistaat zu verdanken

Was Spaenle so auf die Palme gebracht hatte, war Udes Vergleich der Münchner Stadtsparkasse mit der Landesbank: Seine Stadtsparkasse schreibe das beste Ergebnis ihrer Geschichte, brüstete sich Ude, während Seehofers Landesbank Milliarden in den Sand gesetzt habe.

Da habe Ude wohl vergessen, dass die Landesbank je zur Hälfte dem Freistaat und den Sparkassen gehört habe – und der Freistaat den Anteil der Sparkassen übernommen habe, motzte Spaenle.

Udes Stadtpolitik nahm er ins Visier. München gehe es nur so gut, weil aus den Privatisierungserlösen des Freistaats so viel Geld in die Landeshauptstadt geflossen sei – vor allem in Münchens Universitäten und in die Messe.

Für Spaenle und seine schwarze Truppe ist Udes Marsch auf den Bayern-Thron ein regelrechter Horror. Die Münchner CSU und an vorderster Front ihr Chef Ludwig Spaenle werden dabei als erste auf der Strecke bleiben. Nur ganz knapp, mit 71 Gesamtstimmen, lag Spaenle bei der Landtagswahl 2008 im Stimmkreis Schwabing vor seiner SPD-Kontrahentin Isabell Zacharias. Die wittert mit Udes Kandidatur Morgenluft und will den Stimmkreis 2013 für die SPD gewinnen. Kultusminister Spaenle käme dann nicht mehr in den Landtag.

Fürchtet da einer um seine politische Zukunft?

Auch in den anderen Münchner Stimmkreisen sieht es nicht viel besser aus. In der CSU rechnet man schon damit, dass sechs der acht Stimmkreise an die SPD gehen werden. Einen haben die Genossen schon: Milbertshofen – mit Franz Maget. In Giesing-Harlaching lag die CSU mit Andreas Lorenz nur 2,5 Prozent vor der SPD, in der Altstadt konnte Georg Eisenreich die SPD mit 2,8 Prozent abhängen, in Bogenhausen schaffte Thomas Zimmermann 3,9 Prozent Vorsprung und in Moosach Joachim Unterländer 4,2 Prozent. Nur Pasing und Ramersdorf scheinen für die CSU noch sicher. Im Münchner Westen hat sie mit 9,8 Prozent die Nase vorne, im Münchner Osten gleich mit 12 Prozent.

Im CSU-Vorstand wollte sich gestern niemand auf eine Diskussion um Ude einlassen. Nach Spaenles Tiraden sagte Horst Seehofer ganz ruhig: „Ich rate dennoch zu Gelassenheit.“

Die SPD selber ist so begeistert von ihrem Superkandidaten, dass sie Ude jeden Wunsch erfüllt. Bei ihrer Klausur in Würzburg erteilte ihm gestern auch Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier seinen Segen. „Man spürt sogar in Berlin, wie verunsichert die CSU ist“, sagte er und schwelgte über Ude: „Ich finde ihn toll.“

 

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