48-Stunden-Streik am Flughafen München: Das kommt auf die Passagiere zu
München - Die Koffer werden allmählich gepackt, die Tickets sind schon seit Monaten gebucht – doch dann die böse Überraschung: Streik am Flughafen. Die Reise könnte ins Wasser fallen.
Warnstreik: Flughafen München soll nicht ganz geschlossen werden
So dürfte es all jenen gehen, die diesen Donnerstag oder Freitag über den Flughafen München (MUC) fliegen wollten. Verdi Bayern hat zum Doppel-Warnstreik aufgerufen: 48 Stunden – von Donnerstag 0 Uhr bis Freitag 24 Uhr – werden Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sowie Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste ihre Arbeit niederlegen. So wie an den Flughäfen Köln und Düsseldorf am Montag.
Manuela Dietz, die Landesfachbereichsleiterin von Verdi Bayern, sagt zum Zeitpunkt des Streiks: "Wir informieren bewusst frühzeitig über den Warnstreik, damit sich Reisende darauf einstellen können."

Auf was genau sie sich einzustellen haben, ist derzeit schwierig zu sagen. Der Flughafen München teilt vage mit, dass "mit erheblichen Auswirkungen auf den Verkehrsbetrieb" zu rechnen sei. "Passagiere müssen sich auf einen stark reduzierten Flugplan und Verspätungen einstellen", heißt es weiter. Flugreisende sollten sich daher vor Reiseantritt bei ihrer Airline über den aktuellen Flugstatus informieren.
An den beiden Tagen starten oder landen voraussichtlich über 1300 Maschinen nicht wie vorgesehen
Wie viele Flüge ausfallen, konnte der Flughafen München auf Nachfrage der AZ nicht beantworten. Pläne, den gesamten Flugverkehr einzustellen, gebe es derzeit jedoch nicht. Ende März im Jahr 2023 war das eingetreten – wegen zwei ganztägiger Streiks. Auch Verdi will nicht ausschließen, dass es zu Flugausfällen kommen könnte – die Entscheidung liege jedoch ganz beim Flughafen selbst.
Die Flughafengesellschaft FMG informierte die Passagiere über die annullierten Flüge auf ihrer Webseite, rund 80 Prozent der Flüge fallen demnach aus. Eigentlich waren an beiden Tagen am zweitgrößten deutschen Flughafen jeweils rund 830 Starts und Landungen geplant. An den beiden Tagen werden voraussichtlich über 1300 Maschinen nicht wie vorgesehen starten oder landen. Gestrichen wurden die Flüge laut FMG nicht vom Flughafen, sondern von den Fluggesellschaften. Weitere Annullierungen seien nicht ausgeschlossen, hieß es.
Das können Passagiere tun, wenn ihr Flug ausfällt
Sollte der schlimmste Fall eintreten und der eigene Flug tatsächlich entfallen, müssen Passagiere nicht auf ihren Kosten oder Koffern sitzenbleiben. Die wichtigsten Rechte zusammengefasst:
Bei streikbedingtem Flugausfall oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden muss die Fluggesellschaft eine alternative Beförderung zum Ziel anbieten. Bei gestrichenen Flügen innerhalb Deutschlands folgt meist ein Bahn-Angebot. Sollte ein alternativer Flug vorgeschlagen werden, dürfen keine zusätzlichen Kosten entstehen.
Bietet die Airline selbst keine Alternative an, können Passagiere laut Verbraucherzentrale (VZ) eine Frist für ein Angebot setzen. Wie lange diese sein muss, hängt davon ab, wann die Airline die Annullierung mitteilt. Geschieht das bereits mehrere Tage vorher, reichen ein bis zwei Tage als Frist.
Falls ein Passagier erst am selben Tag davon erfährt, reichen wenige Stunden. Verstreicht die Frist, dürfen sich Fluggäste selbst einen Ersatzflug buchen und die Kosten als "Aufwendungsersatz für die Selbsthilfe" geltend machen.
Aussichten auf Ausgleichszahlungen eher schlecht
Alternativ können Passagiere von der Reise zurücktreten und die Flugticketkosten zurückverlangen. Die Ausnahme ist hier die Pauschalreise: Hier berechtigen Flugausfälle lediglich zu Preisminderungen.
Aufgepasst: Die Ausgleichszahlungen von 200 bis 600 Euro, die bei Verspätungen oder Ausfällen laut EU-Fluggastrechte-Verordnung je nach Flugstreckenlänge vorgesehen sind, greifen in einem Fall wie dem Warnstreik in München erfahrungsgemäß eher nicht. Der Grund: Diesmal streikt das Flughafenpersonal, worauf die Airlines keinen Einfluss haben.
Verdi will drei zusätzliche freie Tage, für seine Mitglieder sogar vier
Dass überhaupt gestreikt wird, erklärt Yvonne Götz von Verdi Bayern so: "Nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden sehen wir uns zu diesem Schritt gezwungen. Die Arbeitgeber haben bisher kein Angebot vorgelegt, das den berechtigten Forderungen der Beschäftigten gerecht wird."
Verdi will drei zusätzliche freie Tage, für seine Mitglieder sogar vier. "Die zunehmende Arbeitsverdichtung und der anhaltende Personalmangel belasten die Beschäftigten erheblich", sagt Dietz von Verdi. Außerdem fordert die Gewerkschaft acht Prozent mehr Lohn, aber mindestens 350 Euro.
Arbeitgeber: Lohnerhöhungen sind für Kommunen nicht zu stemmen
Laut Niklas Benrath, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), würde das die Gemeinden rund 15 Milliarden Euro kosten.

"Diese Summe ist angesichts der angespannten Haushaltslage vieler Kommunen nicht darstellbar", sagt er der AZ. Die freien Tage sieht er besonders kritisch, "da sie zwangsläufig zu spürbaren Einschränkungen in den kommunalen Dienstleistungen führen würde".
Über die Ausstände denkt Benrath: "Die Bürgerinnen und Bürger jetzt mit weiteren Streiks zu belasten, während wir noch mitten in den Verhandlungen sind und die nächste Runde bereits terminiert ist, ist nicht der richtige Weg." Weiterverhandelt wird am 14. und 15. März.
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