Ludwig Spaenle: "Das Ungererbad ist Teil einer Schwabinger Vita"

Landtagsabgeordneter Ludwig Spaenle (CSU) will sich für den Erhalt des Eingangsgebäudes des Freibads einsetzen. Er plant eine Anfrage beim Denkmalamt.
von  Lea Kramer
Zur Sache, Schätzchen: Schwabinger Badegäste im Jahr 1961 - das Wasser im Becken fehlt zwar, angebandelt wird trotzdem.
Zur Sache, Schätzchen: Schwabinger Badegäste im Jahr 1961 - das Wasser im Becken fehlt zwar, angebandelt wird trotzdem. © Stadtarchiv München

Schwabing - Seit Jahrzehnten ist das Ungererbad der Sehnsuchtsort im Sommer für Tausende Badegäste. Prominente, Berühmtgewordene, aber vor allem ganz normale Schwabinger haben hier Jahr für Jahr Münchens schlimmste Hitzetage überlebt. Doch das Idyll hat Risse bekommen - gegen städtische Baupläne regt sich Widerstand.

Das marode Eingangsgebäude aus den 50er Jahren steht kurz vor dem Abriss. Im kommenden Jahr könnte es so weit sein, heißt es von den Stadtwerken München (SWM). Gegen den geplanten Neubau der städtischen Tochter regt sich nun Widerstand auch auf landespolitischer Ebene. Bayerns ehemaliger Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und Ur-Schwabinger will sich für den Erhalt des Betonriegels einsetzen, der in seinem Wahlkreis liegt. "Ich werde eine entsprechende Anfrage an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege stellen", sagt er.

Eine brüchige Bausubstanz allein könne kein Argument für einen Abriss sein, sagt Spaenle - zumal "ein öffentlicher Bauherr auch seinem Vorbildcharakter gerecht werden muss". Dass der 100 Meter lange Kassen- und Umkleidebau denkmalwürdig wäre, steht für ihn außer Frage. Das Ungererbad habe seine Gäste geprägt. "Das Bad ist natürlich Teil einer Schwabinger Vita", sagt er.

Geschichte des Ungererbads

Bereits seit 1855 gibt es an der Traubestraße ein Bad. Zunächst war es ausschließlich Männern vorbehalten. 1869 kaufte August Ungerer sen. die Badeanstalt. Sein Sohn, ein etablierter Ingenieur, der ebenfalls August Ungerer hieß, stiftete das Freibad 1911 der Stadt. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es dort ein parkähnlich angelegtes Naturbad, das über den Nymphenburg-Biedersteinerkanal mit warmem Würmwasser versorgt wurde. Männer und Frauen badeten in zwei von einander getrennten Seen.

Ludwig Spaenle (CSU)
Ludwig Spaenle (CSU) © Kay Nietfeld/dpa

Während der Bombenangriffe auf die städtische Infrastruktur 1944 brannten die hölzernen Hütten im Ungererbad komplett ab. Das Stadtbauamt entschloss sich 1952, den heutigen Stahlbetonskelettbau als Eingangsportal zu errichten. Die Pläne dafür stammen von Architekt Albert Heichlinger, ein Vertreter der bayerischen Postbauschule.

In dem zweistöckigen Gebäude waren ursprünglich neun Großumkleideräume für etwa 500 Personen, 96 Wechselkabinen, WC-Anlagen, Duschen sowie Kleideraufbewahrungsräume für bis zu 8.000 Badegäste und die Kassenhäuschen untergebracht. Mittlerweile sind Teile des Obergeschosses für Besucher aufgrund der Statik nicht mehr zugänglich. CSU-Mann Spaenle ist dennoch zuversichtlich. Er verweist auf einen anderen Schwabinger Betonbau. "Das Tantris nebenan ist von 1971 und ist als Denkmal anerkannt", sagt er.

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